Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Kopf der Flieger sitzt in Stadtallendorf

Heeresflieger Kopf der Flieger sitzt in Stadtallendorf

Etwa 100 Soldaten gehören zur „Abteilung Flugbetrieb“, ein besonderer Teil der jungen Division Schnelle Kräfte. Ihr unterstehen drei Heeresfliegerregimenter und die Rettungsleitstelle SAR.

Voriger Artikel
Ein Großstadtleben kam nie in Frage
Nächster Artikel
Der Bund hält sich beim Geld weiter bedeckt

Der Transporthubschrauber NH90 wird Zug um Zug bei den deutschen Heeresfliegern eingeführt. Er ist auch in Afghanistan im Einsatz. Foto: Bundeswehr

Stadtallendorf. Wer die Räume der Abteilung Flugbetrieb in der Herrenwaldkaserne betritt, wird dort nur vereinzelt große Karten sehen. Die meiste Arbeit spielt sich am Rechner ab. Planung, Verwaltung, Kontrolle, das sind einige zentrale Aufgaben der Abteilung, die sich ihrerseits wieder in mehrere Dezernate aufgliedert. Sie geben Aufträge in die Heeresflugregimenter an ihren Standorten Fritzlar, Faßberg und Zweibrücken. „Über allem steht bei uns dabei der Einsatz“, betont Oberst Ulrich Ott, der Leiter der Abteilung. Das Einsatzkontingent in Afghanistan agiert dabei eigenständig. Aktuell umfasst es vier Kampfhubschrauber „Tiger“ und vier Transporthubschrauber NH90.

Die Dezernate tragen bezeichnende Namen wie Flugsicherheit, Flugsicherung oder auch „elektronischer Kampf und Flugerprobung. Bei Letzterem geht es um die Einführung neuer technischer Systeme aus Sicht der Praktiker. Eine enge Verzahnung mit anderen Behörden ist dabei unbedingt nötig. Es ist eine sehr zeitaufwändige Aufgabe, schließlich geht es bei verschiedenen Systemen um Hunderte, wenn nicht Tausende Teile.

Bei der Flugsicherung fungieren die Soldaten der Abteilung auch als Aufseher über die Flugplätze der Heeresflieger, sie koordinieren sich mit der Deutschen Flugsicherung DFS, aber auch mit der Luftwaffe. „Dreh- und Angelpunkt ist der Flugbetrieb, wir sind dabei quasi der Kopf“, beschreibt Ott die zentrale Funktion der Abteilung. Sie wird seit Oktober vergangenen Jahres in Stadtallendorf aufgebaut. Ganz komplett ist sie noch nicht.

Ott spricht im Gespräch mit dieser Zeitung sehr handfeste Probleme an, mit der die Abteilung auch im Sinne der Sicherheit nach Lösungen sucht, etwa die Blendung von Fliegern mit Lasern. Es passiert im zivilen Flugbetrieb genauso, wie auch schon im Einsatz, ist ein Problem für beinahe jeden Piloten. Ott berichtet, dass Hubschrauberpiloten von Verbündeten in Afghanistan gezielt geblendet wurden. Es kam zwar nicht zu Abstürzen, aber zu schwerwiegenden Augenverletzungen. Bundeswehr, Polizei und zivile Fluggesellschaften kämpfen dagegen, dass vermeintliche „Streiche“ zu schweren Konsequenzen für Piloten und Passagiere führen. Wer mit Lasern gezielt Flieger blendet, begeht eine Straftat, was leider nicht immer bewusst und abschreckend genug zu sein scheint. Für die Bundeswehrflieger suchen die Experten der Abteilung nach Schutzmöglichkeiten, etwa durch die Entwicklung besonderer Helmvisiere.

Alle Soldaten der Abteilung Flugbetrieb sind ausgewiesene Experten in ihren Spezialgebieten, mit aufwändiger Ausbildung und durchweg Berufssoldaten. Sie bleiben häufig längere Zeit am Standort Stadtallendorf, ein unbestreitbarer Vorteil für die Truppe und auch die Region. Die Leitstelle des SAR („Search and Rescue“), der Luftrettung der Bundeswehr, gehört zwar zur DSK, befindet sich aber nach wie vor in Münster. Ott befürwortet ihre Verlagerung nach Stadtallendorf, sagt aber auch klar, dass die endgültige Entscheidung darüber noch aussteht. Täglich sind die Rettungsflieger des SAR im Einsatz, auf der See wie auch in den Bergen.

Seit die Heeresflieger der Stadtallendorfer Division unterstehen, hat der Flugbetrieb über der Stadt leicht zugenommen. Im Februar gab es kurzfristig eine besondere Situation. Piloten des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar trainierten vor ihrer Verlegung an den Hindukusch über Hessen-Kaserne und Standort-Übungsplatz das Zusammenspiel mit Soldaten am Boden. Künftig wird die Division vorab über solche Übungen informieren. „Es war eine Ausnahmesituation“, sagt Ott. In der Regel werde bei solchen Übungen bundesweit rotiert. Normalerweise gibt es im Durchschnitt ein bis zwei Hubschrauberstarts pro Woche von der Herrenwald-Kaserne aus.

Die Bundeswehr-Reform hat dazu geführt, dass Heeresflieger wie auch Luftlandetruppen und Spezialkräfte in einer Division gebündelt wurden. Aus Sicht von Oberst Ulrich Ott eine sinnvolle Entscheidung: „Es gibt große Synergieeffekte. Dort wächst zusammen, was zusammengehört.“ Von Major Thomas Supe, Sprecher der DSK, kommt gleich die Bestätigung aus Sicht der Luftlandetruppe: „Beide brauchen einander.“

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr