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„Komm mach mit – tratsch dich fit“

OP-Serie: „Unser Stammtisch“ „Komm mach mit – tratsch dich fit“

Mit ihrem Männerclub „KMMTDF“ verbindet ein fröhliches Dutzend trinkfester Wohrataler nicht nur ein Lebensgefühl und Zusammenhalt, sondern auch aktives soziales Engagement.

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Tratschen, Klatschen, Trinken – gesellige Runden und Einsatz für den guten Zweck gehören fest zum Stammtisch „Komm mach mit – tratsch dich fit“ aus Wohra.

Quelle: Ina Tannert

Wohra. Die Sonne scheint, der Grill ist heiß, das Bier kühl und die Kümmelgläser gut gefüllt – bessere Voraussetzungen kann es für einen ordentlichen Sommerstammtisch unter freiem Himmel nicht geben.

Das ideale Stammtisch-Vergnügen genossen am ersten August an den idyllischen Heimbachteichen zwölf gut gelaunte Männer aus dem Wohratal. Sie sind die Mitglieder des Stammtisches „Komm mach mit – tratsch dich fit“, kurz KMMTDF.

Der lockere Verbund wurde bereits vor 20 Jahren gegründet, „um sich einfach mal zu treffen, zu quatschen und was trinken zu gehen“, bringt der ehemalige Stammtischpräsident Jens Ratz die Sache auf den Punkt.

Doch es geht nicht nur ums „Kneipeln“ – nicht zu kurz kommt am Stammtisch auch das soziale Engagement. Von Anfang an führt die Gruppe eine Stammtisch-Kasse, die stets etwas großzügiger befüllt wird als eigentlich nötig.

Verkaufserlös für gemeinnützige Zwecke

Regelmäßig wird der Überschuss an Schulen oder Kitas gespendet, berichten die Mitglieder. Zu diesem Zweck hat die Truppe auch eine ganz eigene Art, das Weihnachtsfest zu feiern – nämlich mit einem rollenden Weihnachtsmarkt. Das bedeutet: Sie bestücken jeden Winter einen Traktor samt festlich geschmücktem Anhänger mit allerhand Weihnachtsbäumen, einem großen Grill und jeder Menge Marktware.

Damit touren sie durch die Wohrataler Ortsteile und verkaufen Gegrilltes und Waren an die Bewohner. Der Erlös wird für gemeinnützige Zwecke gespendet. Anfangs noch belächelt, hat sich diese Tradition mittlerweile fest in der kleinen Gemeinde etabliert. Regionale Bekanntheit erlangte die Gruppe spätestens mit ihrem „Festival gegen Krebs“ in Wohra, das die Mitglieder Ende Mai dieses Jahres auf die Beine stellten.

Im Vorfeld des Benefiz-Events entwickelte sich der lockere Stammtisch zum gemeinnützigen Verein weiter. Die dreitägige Veranstaltung wurde ein voller Erfolg: „Es war Wahnsinn und größer als gedacht“, berichten die Stammtischler – tausende Besucher strömten zu den Konzerten und griffen tief in die Taschen. Die gesammelten Einnahmen und Spenden in Höhe von über 23.000 Euro kamen der Kinderkrebshilfe zugute.

Andenken an verstorbenen Freund

Der Anlass war jedoch ein trauriger – die Krebserkrankung eines langjährigen und äußerst beliebten Stammtisch-Mitglieds. Anstatt ihr ersehntes 20-jähriges Jubiläum mit einem rauschenden Fest zu feiern, warfen die Stammtischler nach der Hiobsbotschaft ihre Pläne über den Haufen und setzten sich für die Kinderkrebshilfe ein. Ihr kranker Freund erlebte das erfolgreiche Festival nicht mehr – er verlor den Kampf gegen den Krebs im März. „Das war ein sehr harter Moment für uns“, erinnert sich nicht nur Ratz betrübt.

Das Andenken an den verstorbenen Freund halten die Stammtisch-Kollegen mit viel Respekt aufrecht. Ein großes Foto des prämierten „Stammtisch-Bruders des Monats“ ist bei jedem Treffen, jeder Reise mit dabei, ein Glas mit seinem Lieblingsschnaps steht allzeit bereit. „Wir sind eben füreinander da und vergessen uns nicht“, erklären die Vereinsmitglieder. Erst recht nicht während des alljährlichen Sommerstammtisches, zu dem ausnahmsweise auch Externe und zahlreiche Festival-Helfer eingeladen wurden.

„Halten einfach zusammen“

Bis dahin steht für KMMTDF weiterhin Geselligkeit und Gemeinschaftsgefühl hoch im Kurs. Die fröhliche Runde ist ein reiner Männerclub. Frauen sind zwar sehr beliebt und gerne Thema am Tisch, haben aber keinen eigenen Stuhl. Man will ab und an eben einfach mal unter seinesgleichen sein und sich nicht zurückhalten müssen, erklärt Mann offen. Vom Alter her ist der Stammtisch dagegen bunt gemischt, von 24 bis 59 Jahren sind gleich mehrere Generationen vertreten.

„Mit dieser Truppe kann man Pferde stehlen, wir halten einfach zusammen“, lobt Vize-Präsident Stefan Gilsebach ausgiebig. Einmal im Monat treffen sich die trinkfesten Mitglieder in ihrer geliebten Stammkneipe, der Gaststätte Immel in Wohra. Großen Respekt haben sie dort vor ihrer geschätzten Wirtin Renate Naethbohm, die mit über 80 Jahren immer noch für das leibliche Wohl der Gruppe sorgt und fast schon als Ehrenmitglied gilt.

Am Tisch selber wird kein Blatt vor den Mund genommen. Wie der Name schon sagt, stehen gemeinsame Gespräche, das Tagesgeschehen ,„ausgiebige Tratscherei und nicht zuletzt handfestes Lästern“ im Mittelpunkt der Treffen. „Man kann sich richtig ausquatschen: wer mit wem, welches Paar hat sich getrennt, wer hat eine Neue und so weiter“, erzählt Stammtischpräsident Joschka Dehmel schmunzelnd.

Die engagierte Truppe plant übrigens für das kommende Jahr eine weitere Großveranstaltung, am liebsten wieder zugunsten schwerkranker Kinder. Näheres wird aber noch nicht verraten.

  • Sie kennen einen Stammtisch oder nehmen an einem teil? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit einer kurzen Beschreibung sowie Ort und Zeit des Treffens an feedback@op-marburg.de . In loser Folge stellt die OP kuriose, außergewöhnliche und auch mal typische Stammtische im Landkreis vor.

von Ina Tannert

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