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Kolosse rasen auf der Rennpiste

Biomasse-Zentrum Kolosse rasen auf der Rennpiste

Das Biomasse-Zentrum Stausebach wird am Donnerstag eingeweiht, und schon gibt’s Ärger um das Projekt. Anwohner des Kleinseelheimer Sandwegs beklagen unhaltbare Zustände.

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Das Foto vermittelt einen Eindruck von den verschmutzten Straßen.

Quelle: Matthias Meyer

Kleinseelheim. Das Problem: In der vergangen Woche wurde rund um Kleinseelheim Mais für die Stausebacher Biogasanlage geerntet und auf dem Gelände eines am Ortsrand gelegenen Landhandels auf Lastwagen umgeschlagen. Erledigt hat diese Arbeiten, so Anwohner am Mittwoch gegenüber der OP, ein Lohnunternehmen, das neben einem Maishäcksler auch drei 40-Tonnen-Gespannen am Start hatte.

Als Transitstrecke zwischen Feld und Umschlagplatz diente die Ortsdurchfahrt Sandweg, die hat dabei offenbar ebenso gelitten wie die Anwohner. Die Mitarbeiter der Lohnunternehmen stehen während der Ernte unter enormen Druck. Ihre Kunden wollen am liebsten alle zur gleichen Zeit ihren Mais gehäckselt haben. „Die jungen Burschen auf den schweren Maschinen fahren auf Sieg und nicht auf Ankommen“, beklagte sich ein Jagdgenosse und Landwirt über unter der Last der riesigen Maschinen kaputtgefahrenen Feldwege und haarige Verkehrssituationen auf Feldwegen und öffentlichen Straßen.

„Die haben mit ihren Kolossen den Sandweg als Rennpiste genutzt. Und das von morgens bis teilweise abends um 21.30 Uhr. Bei mir hat das Geschirr im Schrank ge­klappert“, erzählt Anwohnerin Irmgard Lang. Gemeinsam mit ihren Nachbarn Hans-Dieter Reingen und Ralf Knobel-Lorenz hat sie festgestellt, dass sich unter der Last der schweren Maschinen die vor zwei Jahren erneuerte Fahrbahndecke abgesenkt hat. „Bei Regen bilden sich auf der neuen Fahrbahn jetzt große Pfützen. Fährt ein Auto durch, gibt’s eine Gratis-Dusche“, sagt Irmgard Lang.

Kirchhain hat Transporte schon verboten

Der dritte Beschwerdepunkt des Trios ist die enorme Verschmutzung von Straße und Gehwegen. Einmal sei ein Traktor mit Bürstenvorsatz über die Straße gefahren und habe dabei ungezählte Erdbrocken auf die Bürgersteige geschleudert. Mit Wasserschläuchen hätten die Anwohner versucht, die vermatschten Bürgersteige zu reinigen. Nach dieser einen Reinigung sei die Straße durch weitere Mais­transporte erneut verschmutzt, aber nicht noch ein mal gereinigt worden, klagen die Anwohner.

Die Kleinseelheimer erleben jetzt im Kleinen das, was der Kirchhainer Magistrat im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung durch einen städtebaulichen Vertrag mit der Eon (heute EAM) verhindert hat: Den Transport von jährlich 15000 Tonnen Mais für die Stausebacher Biogasanlage quer durch die Kernstadt. Begründet wurde diese Initiative mit den Belastungen und den Gefahren für Passanten und die Beschaffenheit der grundhaft erneuerten Straßen Feldweg und Am Bahnhof durch eine dichte Folge von landwirtschaftlichen Schwertransporten während der Maisernte.

Ein wichtiges Detail dieses Vertrags: Der Betreiber des Biomasse-Zentrums muss Satelliten-Silos anlegen, in denen der Mais zwischengelagert und bei Bedarf mit Lkws über die Schnellstraße nach Stausebach gebracht werden. Für Kleinseelheim gilt das nicht. „Unser Problem ist, dass das jetzt jedes Jahr passieren wird, denn die Stausebacher Biogasanlage wird immer Energiemais benötigen. Für mich ist das untragbar“, sagt Hans-Dieter Reingen.

Stadtverwaltung wurde nicht informiert

Und Ralf Knobel-Lorenz stellt fest: „So eine Situation hatten wir im Ort noch nie.“ Irmgard Lang stellte zwei Fragen: „Wer bezahlt für die beschädigten Randsteine und die abgesenkte Fahrbahn? Wer bezahlt, wenn ein Fußgänger auf dem Matsch ausrutscht und sich verletzt?“ Sie wünscht sich Tempo 30 auf dem Sandweg oder noch besser eine völlige Verlagerung der Maistransporte aus dem Ortskern.

Die hält auch Hans-Dieter Reingen für möglich, da sich der Mais auch über die benachbarte Landesstraße Roßdorf - Amöneburg abfahren lasse. Gordon Schneider, zuständiger Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, erfuhr erst durch die OP von den Vorkommnissen. „Wir sind nicht durch die Anwohner informiert worden und konnten uns so kein Bild von der Sachlage machen“, stellt Gordon Schneider fest.

Deshalb habe die Stadtverwaltung auch keine Chance zum Gegensteuern gehabt. Für die Verwirklichung von Tempo 30 auf dem Sandweg sieht er keine Möglichkeit. Für eine Tempo-30-Strecke auf dieser Ortsdurchfahrt fehlten alle rechtlichen Voraussetzungen, so der Fachbereichsleiter gegenüber dieser Zeitung.

von Matthias Mayer

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