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Kohls enger Weggefährte kritisiert Trump

Vortrag Kohls enger Weggefährte kritisiert Trump

160 Besucher kamen in das Haus der Begegnung, um von dem Politologen Professor Horst Teltschik (CDU) den Vortrag vom Kalten Krieg bis zur Deutschen Einheit zu hören.

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Professor Horst Teltschik trug sich nach seinem Vortrag in das goldene Buch der Stadt Neustadt ein. Bürgermeister Thomas Groll schaute ihm über die Schultern. Foto: Klaus Böttcher

Neustadt. Bürgermeister Thomas Groll war es gelungen, einen Zeitzeugen der deutschen Geschichte und dem Verhältnis der beiden Großmächte Sowjetunion und Vereinigte Staaten von Amerika nach Neustadt zu holen. Das Trio Semplice stimmte mit „Wind of Change“ ebenso auf das Thema ein, wie eine Filmeinspielung. Thomas Groll stellte den Redner Professor Horst Teltschik vor und erklärte: „Horst Teltschik redet nicht nur, sondern er hat auch etwas zu sagen.“

Seine Vita war bebildert und bei einer kleinen Ausstellung im Foyer nachzulesen, die Bert Dubois zusammengestellt hatte. Die Filmeinspielung von Gitta Vettel begann mit dem Bau der Mauer 1961 und endete damit, dass 1989 die Mauer ihre Schrecken verloren hatte. Zu hören waren Originaltöne des US-Präsidenten Ronald Reagan und des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Zu sehen waren Kohls Besuch bei Michail Gorbatschow oder Kohls Reisen mit Horst Teltschik.

Der heute 76-jährige Professor Teltschik war der engste außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Er war unter anderem am Zehn-Punkte-Plan zur Zukunft Deutschlands vom November 1989 maßgeblich beteiligt sowie bei den Verhandlungen zur Deutschen Einheit.

Teltschik war von 1999 bis 2008 Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz und gilt deshalb als Experte für die USA und Russland. In den Mittelpunkt seiner Rede stellte er den US-Präsidenten Ronald Reagan, der vor 30 Jahren in Berlin sagte: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall. Mr. Gorbatschow, open this gate.“ Das heißt übersetzt so viel wie: „Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor und reißen Sie die Mauer ein“. Dann ging das CDU-Mitglied auf die Laufbahn Reagans ein und stellte einen Vergleich zwischen dem 40. Präsidenten der USA, Reagan, und dem 45. Präsidenten Donald Trump an. Wobei Trump schlecht wegkam, da er keinerlei politische Erfahrungen besitzt. Teltschik ging immer wieder auf das Verhältnis zwischen Kohl und Reagan ein, dass er live miterlebt hat und beleuchtete dann die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten. 1975 sei ein Höhepunkt der Entspannungspolitik gewesen.

"Ich bin ein Fan von Krisen in der EU"

Deshalb die Erwartung einer friedlichen Koexistenz zwischen Ost und West. Der Nato-Doppelbeschluss 1979 beinhaltete einerseits die Ankündigung weiterer Aufrüstung, aber andererseits auch das Verlangen nach Verhandlungen der Supermächte. Das habe zu Massendemonstrationen in den 80er-Jahren geführt, aber nicht gegen die Sowjetunion, sondern gegen die Bundesregierung und den Doppelbeschluss, erklärte Teltschik.

Dann ging er auf die Staatschefs der Sowjetunion ein, die alt und krank waren, wie Leonid Breschnew oder Juri Andropow. Erst 1985 kam mit Michail Gorbatschow ein 54-jähriger kerngesunder Mann an die Macht, zunächst als Generalsekretär, ab 1988 auch als Staatschef.

Der bis dahin Kalte Krieg ohne Gespräche wurde 1985 durch die Gipfeldiplomatie zwischen Reagan und Gorbatschow abgemildert. Der Politologe Teltschik erzählte von den Treffen mit Reagan oder mit russischen Spitzenpolitikern und den Reisen mit Bundeskanzler Kohl. Er ging auf die Fortschritte durch Kohl und Mitterand ein und kam dann zur Einheit Deutschlands, die friedlich verlaufen sei.

Teltschik ließ immer wieder seine Meinung einfließen, indem er beispielsweise sagte: „Ich bin ein Fan von Krisen in der EU, denn nur dadurch erzielen wir Fortschritte.“

Drei Dinge waren und sind für Teltschik wichtig. Erstens, dass auch das geeinte Deutschland Mitglied in der Nato ist, zweitens die Vertiefung der Europäischen Union und drittens die Beziehung zur Sowjetunion heute Russland. Zum Schluss stellte Teltschik die Frage zur Deutschen Einheit: „Was haben wir in 27 Jahren daraus gemacht?“ Seine Antwort: „Nichts!“

von Klaus Böttcher

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