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Körper macht bei Verletzung von Nerven genau das Falsche

Forschung Körper macht bei Verletzung von Nerven genau das Falsche

Eigentlich hatten Forscher der Uni Düsseldorf rund um den Großseelheimer Prof. Dr. Dietmar Fischer bei einem Versuch genau das Gegenteil von dem im Sinn, was sie am Ende entdeckten.

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Prof. Dr. Dietmar Fischer stammt aus Großseelheim.Archivfoto

Großseelheim. Wenn Nervenzellen regenerieren, schaltet der Körper das Enzym „Glycogen Synthase Kinase 3“ ab. Bleibt dieses jedoch aktiv, erholen sich die Zellen viel schneller und besser. Dies fand ein Forscherteam der Heinrich-Heine-Universität rund um Prof. Dr. Dietmar Fischer, dem Leiter des Bereichs Experimentelle Neurologie der Neurologischen Klinik an genmanipulierten Mäusen heraus. Ursprünglich waren sie davon ausgegangen, dass die Inaktivierung des Enzyms essentiell für die Regeneration ist, doch scheinbar ist genau das Gegenteil der Fall: Der Heilungsprozess, in diesem Versuch des Ischiasnervs, wurde nicht verlangsamt sondern erheblich verbessert. Die Nager konnten bereits eine Woche nach der Schädigung des Nervs die durch die Verletzung gelähmten Zehen wieder bewegen und sensorische Reize wahrnehmen. „Dies geschieht normalerweise erst wesentlich später und im deutlich geringeren Maß“, berichtet Fischer. Der Erfolg einer vollständigen Genesung hänge mitunter von der Regenrationsgeschwindigkeit der nachwachsenden Nervenfasern ab.

Da ergeben sich neue Ansätze für potenzielle Therapien zur Nervenregeneration und die Entwicklung von Medikamenten, teilt er mit und ergänzt, dass sein Team daran in den kommenden Jahren arbeiten werde. Derzeit seien die Forscher damit beschäftigt, ein Mittel zu entwickeln, das die Funktion des Enzyms imitiere.

Wissenschaftlich interessant

Von der praktischen Anwendung am Menschen ist diese Entdeckung allerdings noch weit entfernt. Dennoch gibt es Grund zur Freude: „Aus wissenschaftlicher und klinischer Sicht ist diese Entdeckung extrem interessant für die Entwicklung von Therapien bei Nervenschädigungen“, sagt er.

Vor dreieinhalb Jahren hatte der Professor aus Großseelheim für Aufsehen gesorgt, als er feststellte, dass das Krebsmedikament „Taxol“ die bisher für unmöglich gehaltene Regeneration von beschädigten Nervenfasern fördert - was besonders für Querschnittsgelähmte lebensverändernd sein könnte. Er sei für die Grundlagenforschung zuständig. Seine Ergebnisse hätten aufgegriffen und durch klinische Studien vertieft werden müssen, erläutert er. Da „Taxol“ allerdings schon lange am Markt sei und nicht mehr patentiert werden kann, sei es für Pharmafirmen eher uninteressant, ergänzt er. Ob es dennoch zu klinischen Studien gekommen sei, weiß er nicht. Allerdings seien dreieinhalb Jahre in seiner Branche auch ein sehr kleiner Zeitraum. Es gibt also noch Grund zur Hoffnung.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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