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Königsblauer Helfer aus dem Hintergrund

50 mit 50 Königsblauer Helfer aus dem Hintergrund

Horst Happel liegt es am Herzen, seinen Mitmenschen zu helfen. Selber Hilfe anzunehmen, gehört hingegen nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen.

Mengsberg. „Es ist eigentlich nicht meine Art, Menschen zu fragen, ob sie mir mal helfen könnten“, berichtet Horst Happel. Nein, der 50-Jährige versucht in solchen Situationen zunächst, sich selbst zu helfen, indem er sich in Themen einliest. Nur wenn er wirklich nicht mehr weiterweiß, greift er auf die Unterstützung seiner Mitbürger zurück - dabei würden die ihm wahrscheinlich jederzeit und mit Kusshand zur Hand gehen. Vor allem in Mengsberg.

Der Grund dafür ist einfach: Happel gehört zu den Menschen, die sich gerne für andere einsetzen. Eltern, Freunde, Bekannte - nahezu alle kamen schon in den Genuss seiner Hilfe. Fast schon müßig zu erwähnen ist, dass sich der gebürtige Mengsberger auch während des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ immer wieder in den Dienst der Allgemeinheit stellte und half, wo er nur konnte. Zum Beispiel fräste er die meisten der Holzschilder, die im Dorf stehen. Und auch im Kinderwald warten Figuren, die Happel gestaltete. „Ich arbeite einfach gerne mit Holz“, erläutert er und gibt sich bescheiden: „Meine Arbeiten sind nix Filigranes, sondern eher Rustikales.“

Nun, darüber lässt sich getrost streiten, denn nicht nur an seinen Holzwildschweinen oder -eichhörnchen lässt sich erkennen, wie viel Mühe und Kunstfertigkeit in den Handarbeiten steckt - auch wenn die Herstellung angeblich nur wenige Minuten dauerte. Ein gutes Beispiel ist auch ein Schmuckregal, das er seiner Frau Sandra baute: „Ich musste nur sagen, dass ich ein Regal brauchte, und schon baute er mir eins“, freut sich diese noch heute und präsentiert stolz Fotos des Werkes - was Horst Happel mit bescheidener Geste als Kleinigkeit abtut.

Doch so ist er eben: Einer, der sich in Zurückhaltung übt - und der auch erst nach Aufforderung seiner Frau an der Serie „50 mit 50“ teilnimmt. Er werkelt lieber im Stillen und macht sich aus dem Staub, wenn es an die Öffentlichkeitsarbeit geht: „Es gibt genug Leute, die nur da sind, wenn die Presse vor Ort ist. Bei mir ist es lieber umgekehrt.“

Nun, diesmal gab es kein Entrinnen - wahrscheinlich auch, weil Horst Happel für seine Frau wohl alles machen würde: Das Wichtigste in seinem Leben sind nach eigenem Bekunden Gesundheit und seine Familie - zu der neben seiner Frau noch seine Eltern sowie Sohn Hendrik (15) gehören. Und dann wäre da noch Schalke 04, Horst Happels Lieblingsverein, den er am vergangenen Freitag beim 1:0-Erfolg gegen Augsburg erstmals live im heimischen Stadion verfolgte. Sonst schaut er die Spiele vornehmlich im Fernsehen - am liebsten samstags im Kreis der „Sportschau-Gucker“, die sich seit über 22 Jahren pünktlich zum Sendebeginn um 18 Uhr in seinem Keller einfinden. Dabei überrascht es kaum, dass Happel dann nicht etwa auf der bequemen Couch sitzt, sondern lieber hinter der Theke steht und Getränke ausschenkt.

Ansonsten spielt der elterliche Hof eine wichtige Rolle im Leben des gebürtigen Mengsbergers: Vor einigen Jahren übernahm Happel das Anwesen und renoviert es Stück für Stück. Ursprünglich hatte er Landwirt gelernt: „Ich merkte allerdings, dass unser Betrieb nicht überlebensfähig ist und entschloss mich, lieber zu früh als zu spät die Reißleine zu ziehen.“ Gesagt, getan - und nie bereut: Seit vielen Jahren ist Happel Baumaschinenführer bei einem Kirchhainer Unternehmen und genießt die Arbeit in vollen Zügen.

Und auch die wenige Freizeit, die der 50-Jährige noch hat, weiß er sinnvoll zu nutzen: Er ist passives Mitglied in Feuerwehr und Sportverein und engagiert sich als Kassierer beziehungsweise Schriftführer bei den Waldinteressenten und den Jagdgenossen. „Das sind beides Ämter, die nicht so arbeitsintensiv sind“, betont er erneut voller Bescheidenheit. Natürlich. Wie auch sonst!?

von Florian Lerchbacher

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