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Knapp am Gefängnis vorbei

Vorbestrafter Angeklagter schlug zu Knapp am Gefängnis vorbei

Mal grinsend, mal gelangweilt verfolgte der Angeklagte die Verhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht. Dabei stand für ihn viel auf dem Spiel.

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Vor dem Kirchhainer Amtsgericht musste sich ein 45-jähriger Mann wegen Körperverletzung verantworten

Quelle: Archivfoto

Kirchhain. Weil er seine ehemalige Lebensgefährtin geschlagen und einem Mann, der dieser zur Hilfe geeilt war, zwei je fünf Zentimeter lange Kratzwunden unter den Augen zugefügt hatte, verurteilte Richter Joachim Filmer den Angeklagten zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe, die er auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Zudem muss der 45-jährige Arbeitslose wegen seiner Kratz-Attacke an den Geschädigten in Raten zu 50 Euro 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Anklage. Die Verteidigung sah nur eine Tat als erwiesen an und beantragte eine Geldstrafe.

„Das war ein gezielter Angriff auf die Augen. Sie wollten den Zeugen ernsthaft verletzen, was ihnen auch gelungen ist“, erklärte der Richter, der dem wegen Bedrohung und Körperverletzung vorbestraften Mann mit Blick auf dessen lässige Tour verdeutlichte, „dass es jetzt um ihre Freiheit geht.“ Er habe die Bewährung nur bekommen, weil er erstmals zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden sei. „Beim nächsten Mal ist Schluss, dann gehen Sie ins Gefängnis“, redetete der Richter Klartext.

Ohrfeige nach verlassen der Gaststätte

Auslöser des Tatgeschehens am 1. September 2012 war - so die Rechtsanwältin des Angeklagten - ein als Versöhnungsgespräch gedachtes Treffen mit seiner Lebensgefährtin in einer Gaststätte. Doch dazu sei es nicht gekommen. Als die 36-Jährige Frau gegen 1.05 Uhr die Gaststätte verlassen habe, sei ihr Mandant seiner Freundin gefolgt und habe ihr eine Ohrfeige versetzt. Bei einer anschließenden Rangelei mit einem Mann, der dazwischengegangen sei, habe sich ihr Mandant verletzt.

Die gewesene Freundin berichtete im Zeugenstand, dass sie die Beziehung zu dem 45-Jährigen schon lange vor dem 1. September beendet habe. „Er wollte das nicht begreifen und hat mir gesagt: ,Ich schlag‘ dich tot‘“. Sie gab an, in der fraglichen Tatnacht zweimal von ihrem ehemaligen Freund angegriffen und geschlagen worden zu sein. Nach der ersten Attacke habe ein Bekannter versucht, sie zu schützen. Insgesamt hätten die Männer wohl eine halbe Stunde gerungen.

Was dann passierte, gehört ins Kuriositätenkabinett. Der ebenfalls als Zeuge geladene Helfer verstand die einfachsten Fragen des Gerichts nicht, und er ließ dies dem Gericht auch über den Deutsch-Polnisch-Dolmetscher mitteilen. Je häufiger Joachim Filmer seine Fragen übersetzen ließ, umso mehr stieg die Erregung bei der bereits vernommenen Zeugin und bei der Ehefrau des Zeugen. Wie aufgeregte Grundschülerinnen zappelten die Frauen auf den Zuhörer-Stühlen, tuschelten miteinander, riefen „falsch“ und „nein“. Das veranlasste den Richter, noch einmal das Wort an die Zeugin zu richten: „Ich glaube, Sie wollen uns etwas sagen?“

"Alles dreht sich im Kreis"

Das tat die Zeugin auch und erklärte zur allgemeinen Überraschung, das der vereidigte Dolmetscher falsch übersetze. „Selbst wir verstehen die Fragestellung nicht, alles dreht sich im Kreis“, sagte die der deutschen und der polnischen Sprache mächtige Zeugin.

Große Konfusion im Saal und mittendrin der Dolmetscher, der sich die Missverständnisse nicht erklären konnte. Dann dolmetschte er nochmal langsam Wort für Wort. „Jetzt ist es richtig“, gab es aufmunternde Worte von den Rängen, und auch der Zeuge wusste plötzlich sinnvolle Antworten auf sinnvolle Fragen zu geben. Ergebnis der Aussage: Er habe versucht, die Frau vor weiteren Attacken zu schützen. Daraus habe sich ein Ringkampf entwickelt, in dessen Verlauf der Angreifer versucht habe, ihm die Augen zu zerkratzen.

von Matthias Mayer

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