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Kleinseelheim setzt auf zweiten Anlauf

Nahwärmenetz Kleinseelheim setzt auf zweiten Anlauf

Die Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim hat ihre selbstgesteckte Mitgliederzahl nicht zu ihrem Stichtag erreicht. Das Nahwärmeprojekt wird jedoch nicht aufgegeben, sondern um ein Jahr verschoben.

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Am Ortseingang von Kleinseelheim stehen zwei Häuser mit Solaranlagen auf dem Dach. Geht es nach der Bioenergiegenossenschaft, können künftig alle Kleinseelheimer Erneuerbare Energien genossenschaftlich nutzen.

Quelle: Matthias Mayer

Kleinseelheim. Das teilte Vorstandsmitglied Ulrike Simon auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Für die Umsetzung des Bioenergiedorf-Projekts beschreitet die Genossenschaft kein Neuland, sondern setzt auf Technik, die sich unter anderem auch in Oberrosphe, dem ersten Bioenergiedorf des Landkreises, bewährt hat. Eine 950 Quadratmeter große Solarthermie-Anlage soll dem Ort im Sommerhalbjahr mit Wärme versorgen. Für die Übergangszeit unterstützen ein Pelletofen mit 150 kW und ein Wärmepufferspeicher die Solarthermie-Anlage. Im Winterhalbjahr gewährleisten zwei Holzhackschnitzelkessel mit je 350 kW Leistung, dass in den an das vier Kilometer lange Nahwärmenetz angeschlossenen Häusern auch im Winter niemand frieren muss.

Auf Akzeptanz kann ein Nahwärmeprojekt nur stoßen, wenn es sich auch wirtschaftlich betreiben lässt. Und die Wirtschaftlichkeit ist dann gegeben, wenn die Genossenschaft ihren Mitgliedern einen Wärmepreis anbieten kann, der auf Sicht gesehen unter dem Heizölpreis liegt oder zumindest nicht über diesem. Diese kritische Marke sah die Machbarkeitsstudie für das Kleinseelheimer Projekt bei mindestens 105 anschlusswilligen Haushalten erreicht.

Zeitplan zu eng für Mitgliederwerbung

Am 17. Juli wurde die Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim in Gründung von 30 Gründungsmitgliedern gegründet. Die erteilten den drei Vorstandsmitgliedern, Ulrike Simon, Armin Bothur und Professor Reiner Waldhardt, den durchaus sportlich zu nennenden Auftrag, bis zum 21. August mindestens 85 weitere Genossenschaftsmitglieder zu gewinnen. Tatsächlich zählte die Genossenschaft am Ende der Versammlung am 21. August „nur“ 75 Mitglieder.

Das ist zum Vergleich der ersten Einschreib-Termine in anderen heute bestehenden Bioenergiedörfern ein sehr guter Wert. In fast allen Bioenergiedörfern zog sich die Mitglieder-Gewinnung über Monate hin.

Diese Zeitspanne konnte sich der Vorstand jedoch nicht nehmen, wollte er das Ziel, das Nahwärmenetz Kleinseelheim zu Beginn der Heizperiode 2016/2017 in Betrieb zu nehmen, nicht gefährden.

Die nur für die Dorf-Öffentlichkeit zugängliche Generalversammlung beschloss deshalb bei nur einer Enthaltung, das Projekt um ein Jahr zu verschieben. Ulrike Simon nannte zwei mögliche Optionen für die Genossenschaft. Diese könne die ursprüngliche Idee, für Kleinseelheim eine flächendeckende Nahwärmeversorgung zu schaffen, wenn sich noch genügend anschlusswillige Haushalte fänden. Dabei dachte sie nicht zuletzt an die 40 Haushalte, die ihr Interesse an dem Projekt bekundet hatten, aber nicht zur Einschreibung erschienen.

Alternativ sei aber auch möglich, das Nahwärmenetz räumlich auf den tatsächlichen Bedarf zu reduzieren und damit billiger zu machen. Eine solche Kürzung werde durch den Umstand begünstigt, dass aus einigen Straßen überhaupt kein Interesse an dem Nahwärmenetz bekundet worden sei, erklärte Ulrike Simon.

Option: Kleineres Netz, geringere Kosten

Eine möglichst hohe Anschlussdichte ist das A und O eines wirtschaftlichen Nahwärmenetzes. Da der laufende Meter Nahwärmeleitung gut 300 Euro kostet, lohnt es sich nicht, 50 oder gar 100 Meter lange Zuleitung zu einem einzelnen Haus zu legen.

Eine Reduzierung des Netzes würde eine Überarbeitung der Machbarkeitsstudie bedingen. Der Vorstand der Bioenergiegenossenschaft schafft derzeit die Voraussetzung für eine solche Überarbeitung, heißt es in einer Mitteilung der Genossenschaft. Nähere Informationen sollen die Mitglieder bei einer Generalversammlung Mitte Oktober bekommen. Außerdem wird sich der Kleinseelheimer Ortsbeirat am 29. September und 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus mit dem Thema befassen.

Das weitere Nachdenken über das Kleinseelheimer Projekt lohnt sich, denn im Ostkreis haben sich alle Bioenergiedörfer als Volltreffer erwiesen. Sie haben das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstbewusstsein von Dorfgemeinschaften bestärkt. Die entscheiden nun selbst über den Wärmepreis, sind unabhängig von geopolitischen Krisen, Despoten und Großkonzernen.

Und die einzelnen Genossenschaftsmitglieder müssen sich nicht mehr um Heizungswartung, Öl- und Flüssiggas-Bestellungen kümmern, können aber weiterhin ihre Kaminöfen oder Kachelöfen beliebig nutzen.

von Matthias Mayer

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