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Kleinseelheim nimmt die erste Hürde

Auf dem Weg zum Bioenergiedorf Kleinseelheim nimmt die erste Hürde

Die aktuelle Entwicklung auf der Krim zeigt, dass sich Hauseigentümer auf dünnes Eis begeben, wenn sie sich in Sachen Energieversorgung von einem Vladimir Putin abhängig machen.

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Die dichte Bebauung des Kleinseelheimer Ortskerns bietet ideale Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Betrieb eines Nahwärmenetzes. Foto: Matthias Mayer

Kleinseelheim. Die Bürger des Kirchhainer Stadtteils Kleinseelheim möchten das mehrheitlich nicht; ihr Ort soll Kirchhains zweites Bioenergiedorf nach Großseelheim werden.

Auf dem Weg dorthin haben die Kleinseelheimer die erste große Hürde genommen. Die Finanzierung der Machbarkeitsstudie ist dank des Engagements zweier Sponsoren gesichert. Das teilte Ortsvorsteher Professor Rainer Waldhardt im Gespräch mit dieser Zeitung mit.

Diese Studie ist unabdingbare Voraussetzung für alle weiteren Schritte. Nur wenn die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass die Nachfrage nach Nahwärme mit den Erstellungskosten für ein Heizkraftwerk und ein Nahwärmenetz in Einklang zu bringen sind, lässt sich ein solches Vorhaben verwirklichen.

Auch organisatorisch hat Kleinseelheim das Projekt jetzt auf die Schiene gesetzt. Losgelöst vom Ortsbeirat bildete sich eine achtköpfige Arbeitsgruppe, wie der Ortsvorsteher berichtete. Deren erste Aufgabe: Die Festlegung der Inhalte der Machbarkeitsstudie. In einem zweiten Schritt soll die Gruppe eine Bedarfsermittlung im Ort vornehmen: Welche Haushalte würden gern ans Nahwärmenetz gehen? Wie hoch ist aktuell deren jährlicher Wärmebedarf? Mit dieser Erhebung leistet die Gruppe eine wichtige Vorarbeit für die Erstellung der Machbarkeitsstudie, die - so Professor Rainer Waldhardt - bis zum Sommer vergeben werden soll. Er hoffe, dass die Zahlen des Planungsbüros bereits im Herbst vorliegen werden.

Noch hat Kleinseelheim keine Wärmequelle

Die Besonderheit in Kleinseelheim: Es gibt noch keine Wärmequelle für ein Nahwärmenetz. Die meisten Bioenergiedörfer beziehen ihre Heizenergie kostenlos aus örtlichen Biogasanlagen. Diese gibt es in Kleinseelheim nicht. Und sie soll es auch nicht geben. Innerhalb der Dorfgemeinschaft sei der Wille erkennbar, den Lebensmittel erzeugenden Landwirten keine weiteren Anbauflächen für Energiemais zu entziehen und damit die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen weiter in die Höhe zu treiben. Stattdessen setze Kleinseelheim auf einen Mix verschiedener erneuerbarer Energien, erklärte Waldhardt. Deren Standbeine sollen sein:

n Eine Photovoltaikanlage für die Stromversorgung der Nahwärmenetz-Pumpen. n Eine große Solarthermie-Anlage. Diese soll außerhalb der Heizperiode die Warmwasser-Versorgung der angeschlossenen Haushalte sicherstellen und zugleich während der Heizperiode in der „Übergangszeit“ das Heizkraftwerk unterstützen. n Ein Heizkraftwerk, dessen Ofen in der Lage ist, verschiedene Biomasse-Substanzen zu verbrennen. Welche Substanzen sollen das sein? Die Überlegungen gingen in Richtung Holzhackschnitzel und Stroh, sagte der Ortsvorsteher, Aber auch die Verwertung von Feldgehölzschnitt seien eine Option. Und ein Landwirt aus dem Ort habe Interesse bekundet, Miscanthus anzubauen. Diese auch als Riesen-Chinaschilf bezeichnete Gräser-Art besitzt eine hervorragenden Heizwert. Die Stimmung im Ort gegenüber dem Vorhaben bezeichnete Waldhardt als gut. 94 Prozent der Besucher einer Bürgerversammlung im Februar hätten sich für die Machbarkeitsstudie ausgesprochen. „Es gibt einige Skeptiker und kritische Nachfragen: ,Geht das?‘ ,Macht das Sinn.‘ Die Antwort auf diese Fragen soll die Machbarkeitsstudie bringen“, erklärte Waldhardt, der selbst der Arbeitsgruppe angehört - allerdings nicht in seiner Eigenschaft als Ortsvorsteher.

von Matthias Mayer

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