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Kleines Team bietet großes Angebot

Offene Kinder- und Jugendarbeit Kleines Team bietet großes Angebot

Immer wieder montags geht es hoch her in und vor den Räumen der Jugendpflege Rauschenberg im Herzen der Altstadt. Denn montags ist von 15 bis 17 Uhr Kids Café. Allein die Kinder bestimmen das Programm.

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Zum Ende eines „Kids Cafés“ stellen sich die verbliebenen Kinder mit Stadtjugendpfleger Stefan Ullrich und den Helfern zu einem Gruppenfoto. Fotos: Matthias Mayer

Rauschenberg. Am Tischkicker wird lautstark ein Match ausgetragen. Etwas abseits stecken drei Jungs die Köpfe zusammen. Wenige Meter weiter chillen drei schon etwas ältere Mädchen auf dem Sofa - die Kopfhörer-Stöpsel im Ohr und das Smart-phone fest im Blick, während zwei weitere Mädels benutzte Becher von den Tischen räumen. Draußen auf der Gasse feilt Rauschenbergs Fußball-Nachwuchs an seiner Schusstechnik. Stadtjugendpfleger Stefan Ullrich und sein Helfer-Team sichern das durch die Häuser begrenzte „Spielfeld“ an den beiden offenen Seiten ab. Der Ball soll nicht auf der Schloßstraße landen.

„Montags ist immer besonders viel los. Das Kids Café ist ein vollkommen offenes Angebot, das regelmäßig um die 25 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren anzieht“, erklärt Stefan Ullrich. Seit zwei Jahren ist der Industrieelektroniker mit Zusatzausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher für die Kinder- und Jugendarbeit in Rauschenberg zuständig. Und damit trägt er nicht nur für die ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen eine große Verantwortung, sondern auch für die ganze Stadt. Nach dem neuen Leitbild sieht sich Rauschenberg als „Familienstadt mit Herz“. Wer das sein will, braucht sinnvolle und verlässliche Angebote für Kinder und Jugendliche auch abseits von Schule, Kindergarten und Verein.

Stefan Ullrich tut was er kann. Mit Unterstützung von Elias Koch, der sein freiwilliges soziales Jahr bei der Stadtjugendpflege ableistet, und den selbst ausgebildeten jungen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern tut er, was er kann. Für die 6 bis 13-Jährigen gibt es inzwischen in der Kernstadt von Montag bis Freitag tägliche Gruppenangebote. Dazu kommen zwei Gruppenangebote in Ernsthausen und Schwabendorf.

100 Teilnehmer -Tendenz steigend

Zusammen erreicht die Stadtjugendpflege wöchentlich rund 100 Kinder. Tendenz steigend. Stefan Ullrich sieht den Schlüssel zu dieser positiven Entwicklung in der offenen und an den Bedürfnissen der Kinder orientierten Jugendarbeit. „Die Kinder kommen nur, wenn es ihnen gefällt. Zum Teil kommen sie nach Rücksprache mit den Einrichtungen und den Eltern direkt aus der Betreuung an der Grundschule oder Kita Mäuseburg zu uns. Das geht natürlich nur, wenn wir absolut verlässliche Öffnungszeiten gewährleisten“, stellt der Brachter fest.

Die gute Integration der in Rauschenberg lebenden Flüchtlingsfamilien hat nach seiner Wahrnehmung auch zu steigenden Teilnehmerzahlen geführt. „Die Eltern gehen zum Deutschkurs und wissen in dieser Zeit ihre Kinder gut versorgt“, nennt er ein Beispiel.

Die Gruppenarbeit ist für den Stadtjugendpfleger längst nicht alles. Er betreut sechs Jugendclubs für Jugendliche ab 14 Jahre, bereitet Freizeiten wie das diesmal mit 50 Kindern restlos ausgebuchte Burgwald-Camp vor und hat zunehmend mehr Beratungsarbeit zu leisten. Stefan Ullrich weiß um einige Rauschenberger Kinder und Jugendliche mit einem problematischen Familienhintergrund. „Der Beratungsbedarf ist in diesen zwei Jahren erheblich gestiegen. Die Eltern gehen bei Problemen lieber zur Stadtjugendpflege als zum Jugendamt. Und ich gehe im Zuge der aufsuchenden Jugendarbeit zu den Familien hin, vermittele Hilfe.“

„Präventive Arbeitist wichtig“

Am liebsten möchte er alle Kinder mit weniger guten Startchancen für seine Angebote gewinnen. „Präventive Arbeit ist wichtig, und im Alter von 6 bis 13 Jahren erreichen wir auch noch die Kinder“, sagt er, der Kontakte zu seiner Zielgruppe bei Projekten in der Alfred-Wegener-Schule und demnächst auch in der Mittelpunktschule Wohratal knüpfen will.

Obwohl der Stadtjugendpfleger nach eigenem Bekunden bereits „superstark ausgelastet ist“, plant er bereits ein nächstes Projekt: Ein Angebot zur Schließung der Angebotslücke für die 12- bis 15-Jährigen soll her. Während dies noch Zukunftsmusik ist, wird ein großer Wunsch der Stadtjugendpflege wohl Wirklichkeit: Der Umzug aus den alten Räumen unter der Sparkasse ins Gemeinschaftshaus Kratz‘sche Scheune, die nicht nur wegen der beiden bereits reservierten Räume, sondern auch wegen der großen Freifläche ein idealer Standort ist. Der Ausschuss Kultur, Sport und Soziales hat dem bereits zugestimmt. Die Zustimmung des Stadtparlaments gilt nur noch als Formsache.

von Matthias Mayer

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