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"Kleiner Bruder" soll Treffpunkt werden

Tastmodell "Kleiner Bruder" soll Treffpunkt werden

Das Wahrzeichen Neustadts hat einen kleinen Bruder bekommen: Vor dem Junker-Hansen-Turm - dem malerischen Mittelpunkt der Stadt - steht nun ein Tastmodell des größten Fachwerkrundbaus der Welt.

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Einige Besucher der Einweihung inspizieren und befühlen das neue Tastmodell – auf dem rechts ein Stück Stadtmauer abgebildet ist, das sonst nicht zu sehen ist, weil das Neustädter Jugendheim daraufsteht.

Quelle: Karin Waldhüter

Neustadt. Benannt nach dem hessischen Hofmeister Junker Hans von Dörnberg wurde der Junker-Hansen-Turm um 1480 als Teil der Stadtbefestigung von dem landgräflichen Baumeister Hans Jakob von Ettlingen errichtet. Geplant als Bergfried und als Wohnturm vollendet ist der begehbare Turm, der 50 Meter hoch und einen Durchmesser von 13 Metern hat, der größte Fachwerkrundbau der Welt.

Damit auch blinde oder sehbehinderte Menschen einen Eindruck von dem imposanten Gebäude erhalten können, hatte der Kulturhistorische Verein ein Tastmodell in Auftrag gegeben. Die erfahrene Stadtallendorfer Kunstgießerei Pfeifer fertigte in ihrer Außenstelle in der Tschechischen Republik ein detailliertes Tastmodell an. Der edle und hochwertige Bronze-Kunstguss ist 100-mal kleiner als sein Vorbild - also etwa fünfzig Zentimeter hoch mit einem Durchmesser von rund 13 Zentimetern.

Gerhard Bieker, Vorsitzender des Kulturhistorischen Vereins, und Bürgermeister Thomas Groll enthüllten das Tastmodell im Beisein von rund 40 Gästen. Es steht auf einer Platte, auf der in Braille-Schrift für Blinde Informationen zu finden sind. Daneben stehen die Infos noch einmal in normaler Schrift, die dank erhabener Buchstaben auch für Blinde ertastbar sind.

Den Sockel hatte die Stadt Neustadt zur Verfügung gestellt. Aus Resten des alten Ehrenmals hatte der Bauhof einen passenden Unterbau geschaffen.

„Die Details des Tastmodells sind fein herausgearbeitet, und wir haben jetzt die Möglichkeit, für sehschwache oder blinde Menschen darzustellen, wie die Anlage wirken soll“, erklärte Bieker. Er stellte die Arbeit der Stadtallendorfer Kunstgießerei vor und berichtete von den Plänen des landgräflichen Baumeisters Hans Jakob von Ettlingen.

Demnach hätte eigentlich ein weiterer Turm gebaut werden sollen. Zu sehen und zu ertasten sind vier Steine - dort wo die Burgmauer hätte weiterführen sollen. Sockel und Tastmodell sind dort angebracht, wo theoretisch die Burgmauer verlaufen wäre. Er denke, dass das Tastmodell schnell zu einem Treffpunkt werden könne, ergänzte Bieker.

Tastmodell kostete fast 5000 Euro

Fast 5000 Euro ließ sich der Verein die Anfertigung des hochwertigen Tastmodells kosten. 2500 Euro hatte die Sparkasse zur Verfügung gestellt. Biekers Lob galt der Stadt Neustadt, dem Bauhof sowie der Sparkasse, die schon beim Bau der Turmtreppe Unterstützung geleistet hatte.

Auch zur Einweihung kam Andreas Blatter, Neustadts Geschäftsstellenleiter der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, nicht mit leeren Händen. Er hatte ein Kuvert mitgebracht, das er an den Vereinsvorsitzenden überreichte. Vielleicht der Grundstock für das nächste Vorhaben, denn als Wunsch äußerte Bieker den Austausch der Turmfenster.

Bürgermeister Thomas Groll freute sich über die Initiative und die Idee des Kulturhistorischen Vereins und seiner Gästeführer. Zudem würdigte er die Unterstützung durch die Sparkasse, die immer Gewehr bei Fuß stehe.

Oft werde man sich der Schönheiten der Stadt - zum Beispiel des Junker-Hansen-Turms, der katholischen Kirche oder des Rabenauplatzes - erst dann wieder bewusst, wenn man bei Besuchern so manches „Ah“ und „Oh“ höre, sagte Groll und betonte, die Neustädter müssten den Staffelstab an die nächsten Generationen weitergeben.

Im Jahr 2022 steht in Neustadt ein großes Jubiläum an. Dann soll die Ersterwähnung vor 750 Jahren gebührlich gefeiert werden. Bald werde mit den Planungen begonnen, kündigte Groll an. Er hoffe, dass das neue Tastmodell zum Richtungsanzeiger werde und es bald heiße: „Wir treffen uns beim kleinen Turm.“

Einhellig positiv fiel die Meinung aller nach einer näheren Betrachtung des Tastmodells aus. „Es ist sehr schön geworden“, lautete die einstimmige Aussage der Besucher.

von Karin Waldhüter

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