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Kleiner Beute folgt für Angeklagte großer Ärger

Ladendiebstahl Kleiner Beute folgt für Angeklagte großer Ärger

Von der Polizei abgeholt und vorgeführt zu werden, ist für die Betroffenen eine sehr unangenehme Situation. Eine junge Marburgerin musste die erdulden - selbstverschuldet.

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Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Kirchhain. Die Marburgerin musste sich gemeinsam mit einer noch nicht volljährigen Kirchhainerin wegen Ladendiebstahls vor dem Jugendgericht am Kirchhainer Amtsgericht verantworten. Die beiden Angeklagten zogen es vor, den Prozess-Termin zu schwänzen.

Erscheinen Angeklagte oder Zeugen trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht vor Gericht, können diese per Vorführungshaftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben werden. Hier agiert die Polizei im Rahmen der Vollzugshilfe. Und die Vorführungshaftbefehle hatte Jugendrichter Joachim Filmer gegen beide Angeklagte im Vorfeld des zweiten Verhandlungstermins erlassen. Gleichwohl saß die Marburgerin allein auf der Anklagebank. Ihre mutmaßliche Kirchhainer Mittäterin hatte die Polizei nicht gefunden.

Angeklagte entlastet mutmaßliche Mittäterin

Die der Hauptverhandlung zu Grunde liegende Schadenssumme ist gemessen an dem Aufwand geradezu lächerlich gering: knapp 11 Euro. Laut Anklagesatz entwendete das Duo am 12. Februar in zwei benachbarten Geschäften gegen 16 Uhr gemeinsam zunächst eine Schachtel Zigaretten und dann eine Packung Make-up. Gesamtwert: knapp 11 Euro. Wie Oberamtsanwalt Peter Heinisch vortrug, nahm die Marburgerin im ersten Fall die Zigaretten an sich, um diese in die Jacke ihrer Freundin zu stecken. Im zweiten Fall habe die Kirchhainerin nach der Ware gegriffen und diese in die Tasche ihrer Begleiterin gesteckt.

Die Angeklagte gab nicht nur beide Taten unumwunden zu, sie entlastete auch ihre Freundin. Sie sei es gewesen, die Zigaretten und Make-up entnommen habe. Und die habe das Diebesgut jeweils in die Tasche ihrer Freundin gesteckt. Von ihr sei auch die Initiative für den Diebstahl ausgegangen, versuchte die Angeklagte, ihre Freundin möglichst von aller Schuld freizusprechen. An einen Erfolg wollte sie selbst nicht glauben. „Mitgegangen, mitgefangen“, sagte sie und sprach von einer doofen Aktion. „Mehr gibt‘s dazu nicht zu sagen“, erklärte die 21-Jährige.

Die Auszubildende ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Die alleinerziehende Mutter eines Kleinkinds muss von der monatlichen Ausbildungsvergütung in Höhe von 550 Euro leben. Der Vater zahlt nichts für das Kind. Zu ihm hat die Angeklagte ebenso wenig Kontakt wie zu ihren eigenen Eltern.

„Was sollen wir mit Ihnen machen“, zeigte sich Jugendrichter Joachim Filmer angesichts der Lebensumstände der jungen Frau ratlos. Die war als Jugendliche zweimal strafrechtlich in Erscheinung getreten: Wegen Nötigung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie wegen eines Einbruchdiebstahls.

„Es war einfach dumm, sich wegen knapp 11 Euro der Gefahr einer Strafverfolgung auszusetzen“, stellte Peter Heinisch fest und mahnte: „Wenn Sie so weitermachen, kommt das Jugendamt auf Sie zu.“ Wegen der beiden Diebstähle beantragte der Anklagevertreter eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 20 Tagessätzen à 15 Euro.

Das Jugendgericht beließ es wegen des geringen Schadens und der knappen Einkommensverhältnisse bei einer Gesamt-Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 15 Euro. Angeklagte und Staatsanwaltschaft erklärten Rechtsmittelverzicht.

von Matthias Mayer

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