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Kleine historische Schätze brauchen Lagerplatz

Sammlung Kleine historische Schätze brauchen Lagerplatz

Er ist ein großer Kenner der jüdischen Geschichte in Stadtallendorf. Doch durch seine Hilfsbereitschaft in früherer Zeit hat Helmut Weitzel jetzt ein Problem. Ihm geht der Platz aus.

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Helmut Weitzel schaut in eines der historischen Bücher, die er nur provisorisch lagern kann. Foto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Die Garage können Helmut Weitzel und seine Frau seit Jahren nicht mehr benutzen. Sie steht voller Kartons mit Büchern und Materialien. Doch nicht nur dieser Platz ist im Haus der Weitzels gefüllt. Gleiches gilt auch für den Speicher oder das Büro. Beim Gang in den Keller zeigt sich, dass auch dort kaum mehr Raum frei ist.

Es ist beileibe keine Sammelwut, die dazu geführt hat, dass Helmut Weitzel und seine Frau im Haus teilweise Platznot haben. Der größte Teil der Materialien, der Bücher und Zeitschriften stammen aus einem Nachlass. Es ist der Nachlass von Dr. Alfred Höck. Der Kulturwissenschaftler lehrte und forschte 23 Jahre lang an der Marburger Philipps-Universität. Er galt als die Koryphäe in Sachen jüdischer Geschichte und der Entwicklung der einzelnen Gemeinde. Dementsprechend groß ist seine Hinterlassenschaft rund um die Heimatforschung. Der 2008 verstorbene Wissenschaftler arbeitete fast ausschließlich mit Karteikartensystemen. Tausende dieser Karten hat Weitzel bereits an Professor Siegfried Becker weitergegeben. Der Forscher und Weitzel arbeiten, was den Höckschen Nachlass angeht, eng zusammen. Immer wieder erwähnt der Stadtallendorfer im Gespräch mit der OP die große Unterstützung des Ethnologen von der Marburger Universität.

Nach Höcks Tod war zunächst unklar, was mit dessen großer Sammlung geschehen soll. Höcks Haus stand leer. In Absprache mit der Familie holte Weitzel hunderte Bücher und Materialien zu sich nach Hause. Allein dieser Transport dauerte lange. Weitzel erledigte ihn weitgehend alleine. „Ich wollte auf keinen Fall, dass etwas aus dem Nachlass von Höck wegkam“, sagt er.

Nachlass nur teilweise gesichtet

Bis heute ist erst ein Teil dieses wissenschaftlich wertvollen Nachlasses gesichtet. Immer wieder entdeckt Helmut Weitzel kleine Kostbarkeiten, wie etwa historische Bücher. Außerdem hat der Stadtallendorfer selbst vieles zusammengetragen. Er beschäftigt sich seit dem Sechs-Tage-Krieg, den der Staat Israel für sich entschied, mit dem jüdischen Glauben und der Historie des Judentums in Stadtallendorf. Dementsprechend groß ist auch seine eigene Sammlung. Darin findet sich zum Beispiel die Wanne des letzten jüdischen Schächters von Allendorf Salomon Wertheim. Oder eine alte Karte aus dem Jahr 1890. Doch die Platznot im eigenen Heim schafft Probleme. Außerdem möchte Weitzel gerne zumindest ein Teil des Materials ausstellen oder einfach für Schulklassen zugänglich machen. Im Augenblick ist das undenkbar. Seit sechs Jahren sucht er einen Raum. Etwas Hilfe bekam er zwischenzeitlich von der Stadt Stadtallendorf. Die überließ ihm Platz in dem leeren Wohnhaus an der Ecke Bundesstraße 454/Hauptstraße. Doch auch dieser Platz ist nicht optimal, zumal das Haus irgendwann abgerissen werden muss.

Die Stadt hatte das Gebäude einst gekauft, damit es beim immer noch ausstehenden weiteren Ausbau der Bundesstraße keine Schwierigkeiten mit Privateigentümern gibt. Doch auch dieses kleine „Lager auf Zeit“ löst sein Problem nicht. Zumal ein Teil der Materialien, besonders die historischen Bücher aus Höcks Sammlung, eine fachgerechte Lagerung bräuchten. Das Wohnhaus der Stadt ist unbeheizt. Das Dokumentations- und Informationszentrum hat selbst Platzprobleme angesichts aller Archivalien. Die Pfarrgemeinde St. Katharina hatte ihm einen Raum angeboten, der allerdings zu klein war. Doch Weitzel will die Hoffnung nicht aufgeben. Klar ist für ihn, dass die kleinen historischen Schätze auf keinen Fall in Müllcontainern landen werden.

von Michael Rinde

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