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Kleine Kunst, großes Staunen

Eiermarkt Kleine Kunst, großes Staunen

Filigrane Kunst auf Eiern und Stoff ist seit Freitagmittag im Mardorfer Bürgerhaus beim 35. Erfurtshäuser Ostereiermarkt zu bewundern.

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Katrin Schick ist erstmals mit ihren oberhessischen Wachsbatik-eiern dabei. Die Sonderausstellung dreht sich um Weißstickerei.

Mardorf. Beim genauen Hinsehen wird deutlich, wie viel Arbeit in den kunstvoll in unterschiedlichen Techniken verzierten Ostereiern steckt, die rund 30 Künstler im Mardorfer Bürgerhaus präsentieren. Ähnlich feingliedrig aber weitaus unauffälliger ist die Kunst, welche die Erfurtshäuser Volkstanzgruppe in einer Sonderausstellung rund um die Weißstickerei zeigt.

„Das Brauchtum lebt weiter“, betonte Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg am Freitag während der Eröffnung des Ostereiermarktes. Dafür sorgen die Mitglieder des Erfurtshäuser Vereins, die alljährlich neue Künstler für ihren kleinen aber ziemlich feinen Markt gewinnen. In diesem Jahr feiern zum Beispiel die Mardorferin Katrin Schick (Oberhessische Wachsbatikeier) und Gabriel Polinger (Fräsarbeiten) und Gabriella Polinger (Kratztechnik und Gravur) aus Nürnberg ihre Premiere beim ältesten Ostereiermarkt Deutschlands.

Bereits unmittelbar nach der Eröffnung am Freitag strömten die Gäste ins Mardorfer Bürgerhaus - wenn auch nicht mehr in der Menge, von der Albert Bieker bei seinem Rückblick auf 35 Jahre Marktgeschichte gesprochen hatte. Er wusste von langen Warteschlangen zu berichten und Menschen, denen er als Kassierer in wohldosierten, kleinen Gruppen Eintritt gewährte.

„35 Jahre Ostereiermarkt - das ist nicht selbstverständlich“, betonte auch Ortsvorsteher Wolfgang Rhiel, der ebenso wie die anderen Volkstanzgruppenmitglieder Tracht trug. Damit zeigten sie die Sonderausstellung quasi am lebenden Objekt, denn diese widmet sich der Weißstickerei in Hemden, Tüchern oder Bettwäsche: „Sie kommt eigentlich kaum zur Geltung“, betonte er, während Volker Seumer auf die vielen tausend Nadelstiche verwies, die für die kleinen Kunstwerke nötig sind.

Die Ausstellung hatten Bürger aus dem Stadtgebiet zur Verfügung gestellt und mit kleinen Geschichten garniert: Mechthild Kräuter steuerte beispielsweise ein Hemd von Meline Kräuter, der Mutter des aus Mardorf stammenden Bischofs Eduard Schick bei. Ein weiteres Exponat erinnert an Wilhelmine Kräuter, die als besonders geschickte Weißnäherin bekannt war. „Sie erblindete jung und starb bereits im Alter von 28 Jahren. Man erzählt sich, dass der Verlust des Augenlichts auf das unermüdliche Sticken bei schlechter Beleuchtung zurückzuführen sei“, heißt es in der Beschreibung. Wem diese Informationen nicht reichen, kann einfach Kontakt zu einem Volkstanzgruppen-Mitglied aufnehmen: „Gestickt wurde meist, wenn es keine Arbeit auf dem Feld gab. Dann war es dunkel, und die Menschen hatten nur kleine Fettlampen zur Beleuchtung zur Verfügung“, erklärt Seumer, der dann auch gleich auf die eine Vitrine weiter postierte Fettlampe verweist.

Rosa Linne und Hedwig Zimmer demonstrierten am Freitag innerhalb von wenigen Minuten zudem den Weg „vom Flachs zum Leinen“ - der eigentlich fast ein ganzes Jahr in Anspruch nimmt. Am Samstag und Sonntag ist die Webgruppe Battenberg-Laisa zu Gast, die den nächsten Arbeitsschritt erklärt: Mit einem Webstuhl im Gepäck zeigen sie, wie mit Leinen gewebt wird.

Der Ostereiermarkt ist am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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