Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Klein-Venedig überzeugt noch nicht alle

Bauprojekt Klein-Venedig überzeugt noch nicht alle

Inzwischen sind es 50 000 Euro an Mehrkosten, die Amöneburgs Stadtverordnete für den Anbau ans Feuerwehrgerätehaus Roßdorf genehmigen ­sollen - doch noch gibt es laute Gegenstimmen.

Voriger Artikel
Grundschüler grooven und rocken
Nächster Artikel
Das lebendige Kreuz

Für einen Anbau links an die Halle müssten zehn Pfähle in den Boden getrieben werden, um für Standsicherheit zu sorgen. Foto: Lerchbacher

Roßdorf. Umbauen, anbauen und modernisieren? Oder doch lieber einfach neu bauen? Zwischen diesen zwei Möglichkeiten müssen sich Amöneburgs Stadtverordnete in den kommenden Wochen beim Feuerwehrgerätehaus entscheiden. Das Land hat zwar bereits einen Zuschuss für den rund 190000 Euro teuren Aus- und Anbau in Höhe von rund 76000 Euro genehmigt - doch die Amöneburger sind noch nicht überzeugt, dass sie sich wirklich für die Arbeiten am Bestand entscheiden sollten.

Grund ist, dass ein Problem aufgetaucht ist: Erst in 17 Metern Tiefe gibt es stabilen Baugrund. Aus diesem Grund müssten etwa zehn Pfähle in den Boden getrieben werden, um für Stabilität zu sorgen und sicher bauen zu können. Architektin Ivonne Linne erläuterte den Mitgliedern des Bau- und des Haupt- und Finanzausschusses das Verfahren, bei dem Beton in den Boden eingebracht wird. Sie rechne angesichts der Angebote mit Kosten in Höhe von 30000 Euro, es gebe aber auch Berechnungen, nach denen die Stadt eher 50000 Euro zusätzlich investieren muss - eine Summe, mit der Bürgermeister Michael Plettenberg lieber rechnen möchte. Es sei schließlich besser, letztendlich weniger als befürchtet zahlen zu müssen, als mehr.

Vor allem die Christdemokraten befürchten, dass bei dem Projekt - ähnlich wie beim Treffpunkt - die Kosten im Laufe der Zeit steigen und den Stadtverordneten dies in einer Art Salami-Taktik unterbreitet wird. Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert verwies darauf, dass bei den Kosten auch nicht der geplante Rückbau des Obergeschosses des ehemaligen Backhauses, in dem heute der Schulungsraum ist, vergessen werden dürfe. Die schlägt immerhin zusätzlich mit weiteren fast 50000 Euro zu Buche.

Mathias Lecher (CDU) verwies zudem auf bestehende Risse am Gerätehaus - durch einen lässt sich sogar hindurch ins Freie schauen. „Es gibt Schäden, die wir im Auge behalten müssen“, entgegnete Linne und ergänzte: „Da muss tendenziell auch etwas gemacht werden.“ Für Bürgermeister Michael Plettenberg ist dies jedoch nebensächlich: „Dafür, dass das Gebäude 1973 gebaut wurde und der Untergrund so schlecht ist, sind die Schäden relativ gering. Der Bestand ist nutzbar - da müssen wir uns nicht so große Sorgen machen.“

Tun die Stadtverordneten aber sehr wohl. Sie denken auch über einen Neubau nach (die OP berichtete). Aus diesem Grund hatte Linne verschiedene Beispiele für neu gebaute Feuerwehrgerätehäuser und die damit einhergehenden Kosten mitgebracht. Rund 500000 Euro müsste die Stadt für ein derartiges Gebäude mit zwei Stellplätzen investieren - das ist jedenfalls der Rahmen, mit denen die Amöneburger rechnen.

Interkommunales Projekt ist keine Alternative

Herbert Lang (CDU) regte eine interkommunale Zusammenarbeit mit Ebsdorfergrund an und ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus für Rauischholzhausen und Roßdorf. Dem widersprach Stadtbrandinspektor Stefan Krähling, der zuvor schon darauf hingewiesen hatte, dass eine Zusammenlegung von Feuerwehren im Stadtgebiet nicht umsetzbar sei. Zur interkommunalen Zusammenarbeit sagte er, dass es erneut viele Jahre dauern würde, bis es dann zur Umsetzung des Neubaus kommen könnte: „Wir warten schon zehn Jahre lang. Das geht nicht!“

Ansonsten hielt er sich eher zurück: Er sei kein Finanzexperte und könne und wolle daher keine Vorgaben zu Neubau oder Anbau machen. „Wir müssen aber zusehen, dass wir den Anforderungen gerecht werden.“

Eine klare Meinung unter den Stadtverordneten gibt es bisher nicht. Allerdings empfiehlt die Mehrheit, die Mehrkosten in Höhe von 50000 Euro und somit den Anbau, in den Toiletten und Umkleideräume kommen, zu genehmigen. Von den Mitgliedern des Bauausschusses stimmten jedenfalls vier dafür und, bei einer Enthaltung, zwei dagegen. Aus dem Haupt- und Finanzausschuss gab es vier Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme und drei Enthaltungen.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr