Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Kleiderkammer schwinden die Kunden

Wohratal Kleiderkammer schwinden die Kunden

Der Kreis hat die jahrzehntelang bestehende Flüchtlingsunterkunft in der Straße Zum Bahnhof in Wohra aufgegeben, was weitergehende Konsequenzen haben könnte.

Voriger Artikel
Personal wurde verstärkt
Nächster Artikel
Immer im Einsatz für die Stadt Stadtallendorf

Regale und Ständer der Kleiderkammer in der Hofreite sind weiterhin gut gefüllt, auch mit hochwertiger Ware.

Quelle: Rinde

Wohratal. Hosen, Hemden, Pullover stapeln sich fein säuberlich in Regalen, auf den zahlreichen Ständern in dem hellen Raum hängen Jacken und Mäntel von teils sehr hoher Qualität.

Die Kleiderkammer Wohra existiert seit 23 Jahren, sie ist eine Institution weit über den Ort hinaus geworden. Menschen aus der Region suchen sie auf, um Kleidung zu bringen oder für sich zu holen.

Doch die Situation hat sich in den zurückliegenden Monaten gewandelt und zwar so sehr, dass die Zukunft der Kleiderkammer Wohra wohl nicht mehr sicher scheint. Der Hintergrund: Wie die OP berichtete, hatte der Landkreis seinerzeit den Mietvertrag für die etablierte, seit Jahrzehnten bestehende Asylbewerberunterkunft gekündigt. Dort lebten vor allem junge Familien mit Kindern und Ehepaare mit einem entsprechenden Bedarf an zur Jahreszeit passender Kleidung.

Nur drei bis fünf Kunden je Termin

Anfangs gab es noch Bemühungen, die vorhandenen und ordentlich ausgestatteten Wohnungen direkt an anerkannte Asylbewerber zu vermieten, doch dieser Vorschlag stieß auf zu wenig Resonanz. Jetzt steht das Gebäude aktuell leer.

Eine Folge: Zu den monatlichen Öffnungsterminen in der Kleiderkammer kommen nur noch drei bis fünf Kunden, bis zur Schließung der Unterkunft waren es je nachdem zwischen 30 und 50 pro Öffnungstermin.

An guter Ware mangelt es in der Kleiderkammer wahrlich nicht. Es gibt langjährige treue Lieferanten, Bürger, die wissen, dass ihre nicht mehr benötigte Kleidung in gute Hände gelangt - und nicht irgendwo zu Putzlumpen weiterverarbeitet wird.

Flauten hat das Kleiderkammerteam, dass beinahe komplett von Anfang an dabei ist, schon mehrere erlebt. „Aber so ruhig wie jetzt war es noch nie“, sagt Gerhard Knöpfel. An Aufgeben denken die ehrenamtlichen Betreiber der Kleiderkammer aber (noch) nicht. Sie wollen in jedem Falle bis Mai weitermachen. Bedarf für ihr Angebot sehen sie zur Genüge, auch wenn es die Flüchtlingsunterkunft nicht mehr gibt.

Diskretion ist garantiert

Die Kleiderkammer sei schon immer für alle Menschen offen gewesen, die warme Bekleidung benötigten, ohne sich dabei gleich in einem Geschäft mit fabrikneuer Ware eindecken zu können oder vielleicht auch zu wollen. Barbara Bach vom Team hebt das hervor.

Sie wie auch ihre Mitstreiter wollen darauf aufmerksam machen, dass sich an dieser Offenheit für alle nichts geändert hat. Bach und Knöpfel wissen aber auch, dass es bei dem einen oder anderen, der das Angebot gerne nutzen möchte, Hemmschwellen gibt, vielleicht bis hin zur Scham. „Dabei braucht keiner Angst vor Tratsch zu haben. Hier geht es diskret zu“, sagt Barbara Bach. Es gehe ausschließlich um Hilfe, nichts anderes, erklärt sie.

50 Cent zahlen Kunden für jedes Kleidungsstück, zu DM-Zeiten waren es 50 Pfennig. Dieses kleine Entgelt hatte die Kleiderkammer eingeführt, um ein wenig zu regulieren. Auf das Kunden nur das mitnehmen, was sie auch wirklich brauchen. Den Erlös aus diesen Verkäufen hat die Kleiderkammer komplett gespendet, in Summe sind es bisher rund 10000 Euro.

„Wenn es keine Trendwende gibt, besteht wirklich die Gefahr, dass wir zumachen können“, sagt Knöpfel. Das wolle aber keiner der Beteiligten. Denn es sei kaum denkbar, dass die Institution dann noch einmal wieder geöffnet werde.

Die Kleiderkammer in der Hofreite in Wohra öffnet wie seit langem jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr