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Kirmes-Legende lässt Bier nach ein paar gezielten Schlägen laufen

Auftakt Kirmes-Legende lässt Bier nach ein paar gezielten Schlägen laufen

Das Bier läuft, die Neu­bürger sind begrüßt, und Neustadt hat einen neuen Junker Hans. Der inoffizielle Kirmes-Auftakt ist gelungen - nun kann das Volksfest in der Lehmkaute richtig beginnen.

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Martha Izquierdo Hernandez und Mario Boller sind die Neubürger. Ludwig Dippel stach mit Edgar Müller von der Licher-Brauerei das Fass an.Fotos: Lerchbacher

Neustadt. Gezielt ließ Ludwig Dippel - wie schon vor rund 30 Jahren - den Hammer auf den Zapfhahn niedersausen. Keine kräftigen, aber ein paar gezielte Schläge setzte der 86 Jahre alte Ehrenstadtrat, der die Trinitatis-Kirmes zwischen 1974 und 1993 als Vorsitzender des Festausschusses entscheidend mitgestaltet hatte - dann floss das Bier aus dem ersten Fass und die 512. Auflage der Neustädter Traditionsveranstaltung war eröffnet. Zuvor hatten der katholische Pfarrer Andreas Rhiel und die evangelische Pfarrerin Kerstin Kandziorra am Wallgraben-Pavillon einen ökumenischen Gottesdienst abgehalten.

Mit der ersten Hopfenkaltschale in der Hand verfolgten die Neustädter einen Auftritt der Band „Coronas“, ehe Thomas Schmid in bewährter Manier Martha Izquierdo Hernandez aus Pinar del Rio in Kuba und Mario Boller aus Biedenkopf als „Neubürger“ willkommen hieß - mit einem gepflegten Schluck „Neustädter Wassers“ aus der Imitation des Weidenbrunnens. Tatsächlich handelte es sich um hochprozentige Flüssigkeit, die mehr Ähnlichkeit mit Kirsch­wasser als mit Brunnenwasser haben dürfte.

Danach stand der Höhepunkt des inoffiziellen Kirmes-Auftaktes auf dem Programm: Die Bürgerwehr geleitete den neuen Junker Hans und seine Burgfräulein würdevoll vorbei am „Geburtstagskind Kirche“ in den Bürgerpark, und das seit über 20 Jahren typische Kirmes-Geheimnis wurde gelüftet: Nachfolger von Jakob Gnau, Leonie Apel und Maleen Spielvogel als Repräsentanten der Stadt sind Dominik Weitzel, Maja Stepanek und Sophia Keßler.

Der neue Junker Hans (20) schließt in diesem Jahr eine Ausbildung zum Bankkaufmann ab, ist Volkstänzer, Skifahrer, Mitglied der Bürgerwehr und Schalke-Fan. Burgfräulein Maja wohnt in Momberg, ist das erste Burgfräulein aus diesem Stadtteil, besucht die elfte Klasse der Fachoberschule (Gesundheitswesen), tanzt in der VfL-Prinzengarde und ist ebenso wie „ihr“ Junker Skifahrerin. Während sie diese Leidenschaft teilen, ist sie allerdings Fan von Borussia Dortmund. Burg­fräulein Sophia ist Schülerin der elften Klasse des Schwalm-Gymnasiums, ebenfalls Mitglied der VfL-Prinzengarde und Turnerin. Bürgermeister Thomas Groll warf ein, dass die drei sogar schon einen Knappen hätten: Vater Volker Keßler - ebenfalls Schalke-Fan - tritt seit zwei Jahren beim VfL-Karneval als „Knappe des Junker Hans“ auf.

Die neuen Repräsentanten schlossen sich ihren Vorgängern an, die im vergangenen Jahr zu Toleranz aufgerufen hatten. Auch sie forderten, die Menschen fernab von Hautfarbe oder Herkunft zu betrachten und respektvoll zu behandeln. Einen kleinen Scherz erlaubte sich das Trio trotz des ernsthaften Appells: Bei einem Burgfräulein aus Momberg mache es schließlich vor, wie Integration geht.

von Florian Lerchbacher

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