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Kirmes-Kloppe ist unaufklärbar

Gericht Kirmes-Kloppe ist unaufklärbar

Nach letztendlich vier Verhandlungsterminen endete ein Verfahren wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bei der Kirmes in Erfurtshausen mit einem Freispruch und einer Verwarnung.

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Erfurtshausen. Viermal musste ein 19-Jähriger und ein 23-Jähriger zur Gerichtsverhandlung unter dem Vorsitz von Richter Thomas Rohner kommen. Ihnen war vorgeworfen worden, im vergangenen Juli einen 19-Jährigen während der Kirmes in Erfurtshausen gemeinsam schwer verletzt zu haben - das Opfer trägt noch heute eine Metallplatte im Kopf. Der 19-Jährige soll das Opfer zunächst niedergeschlagen und ihn anschließend zusammen mit dem Mitangeklagten und noch weiteren Tätern auf ihn eingetreten haben.

Die Aussagen der Zeugen waren aus Sicht des Gerichtes wenig glaubhaft. Gleichzeitig warfen die Anwälte der Beschuldigten dem Geschädigten provozierendes Verhalten und eine rassistische Motivation vor, da er die Hautfarbe eines der Angeklagten zum Thema gemacht haben soll.

Größtes Problem für die Juristen war allerdings die wiederholte Abwesenheit der wichtigsten Zeugin: der ehemaligen Lebensgefährtin des Opfers, die dreimal hintereinander nicht zur Verhandlung erschienen war. Zwar bestätigte sie nun letztlich die Darstellung ihres damaligen Partners, allerdings konnte sie die Beteiligung des 23-Jährigen an den Tritten nicht eindeutig bezeugen: „Ich habe lediglich mehrere Füße auf (...) eintreten sehen. Und danach war bei denen, die weggerannt sind, jemand mit dunkler Hautfarbe.“

Klarer war ihre Aussage über eine Belästigung des 19-Jährigen, die letztlich der Auslöser für die Einmischung und anschließende Verletzung des Opfers war. Sie bestätigte, dass dieser zuerst zugeschlagen hatte - was dieser allerdings während des ersten Verhandlungstages eingeräumt und darauf verwiesen hatte, das von beiden Seiten provoziert worden sei und er sich nur verteidigen wollte.

Da das Gericht feststellte, dass sich aus den Zeugenaussagen tatsächlich ein insgesamt bedrohliches Bild abzeichnete, in dem Provokationen von beiden Seiten als wahrscheinlich angesehen wurden, entschieden sie sich an diesem Punkt, das Verfahren gegen den 19-Jährigen mit einer Verwarnung einzustellen. Auch für den 23-Jährigen endete die Verhandlung glimpflich: Die vage Aussage der Zeugin wurde als nicht ausreichend für eine Verurteilung eingestuft, so dass bereits der Staatsanwalt den Freispruch forderte. Dennoch gab es die Ermahnung, dass der bereits wegen Körperverletzung auf Bewährung verurteilte Mann sich in Zukunft von jedweden Auseinandersetzungen fernhalten solle.

„Viele junge, angetrunkene Männer auf engem Raum, dazu eine belästigte junge Frau und fliegende Fäuste - das haben wir natürlich häufig. Aber es ist schon unbefriedigend, dass bei so vielen Beteiligten und so vielen potentiellen Zeugen letztlich kein eindeutiges Bild zu Stande kam,“ kommentierte Rohner.

von Marcus Hergenhan

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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