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Kirchhains Politik fehlen Informationen

Kiesabbau Kirchhains Politik fehlen Informationen

Das Kieswerk Herrmann wird wohl im Laufe des letzten Quartals dieses Jahres schließen müssen. Ob es in Zukunft weiteren Kiesabbau in der Region Niederwald gibt, hängt von mehreren Faktoren ab.

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Gegen Überlegungen des Kieswerk-Betreibers, neue Abbauflächen in Richtung des Ortes zu entwickeln, gibt es Widerstand. Die Politik setzt zunächst auf Informationen. Archivfoto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Niederwald. Im Kirchhainer Bauausschuss hörten am Montagabend einige Niederwälder genau zu, als es um einen Antrag von CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen zum weiteren Kiesabbau bei Niederwald ging. Die Koalition will per Parlamentsbeschluss die Verwaltung prüfen lassen, welche „rechtlichen und tatsächlichen“ Möglichkeiten bestehen, eine weitere Auskiesung am Ortsteil Niederwald zu verhindern. Die SPD will dabei gerne auch die Situation im Bereich des Ohmrückhaltebeckens geprüft und analysiert wissen.Dort wollte und will das Kieswerk Herrmann eigentlich seinen Kiesabbau fortsetzen. Momentan gibt es aber keine Chance auf eine schnelle Genehmigung des Antrags (die OP berichtete). Hintergrund der parlamentarischen Debatte ist die Absicht des Werks, den Kiesabbau nunmehr in westlicher Richtung, also in Richtung Ort, voranzubringen. In einer Bürgerbefragung des Ortsbeirates hatten sich 85,6 Prozent der teilnehmenden Niederwälder genau dagegen ausgesprochen. Dieses Votum war der Auslöser für die Anträge. Sprecher aller Fraktionen machten während der Ausschuss-Sitzung schnell deutlich, dass es sinnvoll wäre, die Anträge von Koalition und SPD zusammenzuführen. Das soll bis zur Stadtparlamentssitzung am nächsten Montag, 24. Februar, passieren. Deutlich wurde auch die grundlegende Haltung der Parlamentarier, dass sie das Votum aus Niederwald anerkennen und deren Nein zu den aktuellen Kieswerk-Absichten unterstützen. Bei einem Genehmigungsverfahren durch die Behörden des Regierungspräsidiums Gießen wäre die Stadt zumindest beteiligt. Wie groß ihr Gewicht bei den Behörden wäre, ist aber nur schwer abzusehen. Klaus Weber (SPD), zugleich Vorsitzender der Regionalversammlung Mittelhessen, geht davon aus, dass ein Kirchhainer Nein zu Kiesabbau in Richtung Ort schon erhebliches Gewicht im Genehmigungsverfahren hätte.

Doch klar wurde auch, dass es den Stadtverordneten derzeit vor allem an Informationen zum Verfahren mangelt. „Ich brauche Input, um am Ende zu einer Entscheidung zu kommen“, sagt beispielsweise Uwe Pöppler, Fraktionsvorsitzender der CDU. Ausschuss-Vorsitzender Karl-Heinz Geil (SPD), zugleich Mitglied im Ortsbeirat Niederwald, sendete ein klares Signal: „Wir möchten mit allen an einen Tisch“, eine Aussage, die auch Reiner Nau (B 90/Die Grünen) unterstützte. Thilo Orgis, Projektleiter bei Cemex, gab gestern im OP-Gespräch einige Informationen aus Sicht des Unternehmens zum Stand des Verfahrens. Fakt ist demnach, dass das Kieswerk Herrmann, bei dem Cemex Gesellschafter ist, noch mehrere Monate braucht, bis es überhaupt eine Genehmigung für Abbauflächen in westlicher Richtung beantragen kann. „Bis Herbst schaffen wir das nicht, weil wir noch einiges abarbeiten müssen“, sagt Orgis. Er machte aber auch klar, dass das Unternehmen seine jetzigen Pläne nicht mit „Gewalt“ durchsetzen will. „Es geht nur gemeinsam mit der Stadt Kirchhain, den Niederwäldern und den Grundstückseigentümern“, betonte Orgis gestern. Die noch vorhandenen Abbaumöglichkeiten reichen dem Unternehmen zufolge nur noch bis Jahresende. Voraussichtlich wird das Werk im letzten Quartal deshalb schließen, möglichst aber nur für einen kurzen Zeitraum, wenn es Perspektiven für neue Abbauflächen geben sollte. „Einen Zeitraum von drei bis vier Jahren könnten wir nicht überbrücken“, sagt Orgis.

Die jetzt im Raum stehenden Flächen in Richtung des Ortes sieht Projektleiter Orgis als „Übergangslösung“, um mittelfristig überhaupt weiter Kies abbauen zu können. Das Genehmigungsverfahren für die Flächen im Ohmrückhaltebecken will das Unternehmen ebenfalls weiterführen. Orgis erwartet, dass dies jedoch noch mindestens drei bis vier Jahre dauern könnte. Drei Jahre sind seit Antragsstellung beim Regierungspräsidium vergangen. Grund für die Verzögerungen ist die Frage der Standsicherheit des Ohmdeiches bei einem Kiesabbau. Um das zu prüfen seien unter anderem weitere Untersuchungen während eines Einstaues des Ohmrückhaltebeckens nötig. Der nächste reguläre Probe-Einstau ist erst im nächsten Jahr geplant.

n Das Kirchhainer Stadtparlament tagt am Montag, 24. Februar, ab 19 Uhr, erstmals wieder im großen Saal des Bürgerhauses Kirchhain.

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