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Kirchhainer Künstler präsentieren sich

Markt Kirchhainer Künstler präsentieren sich

Die Besucherzahl des Kunstmarkts leidet etwas unter dem Weihnachtsmarkt-Ausfall. Trotzdem geben 35 Kirchhainer Künstler einen abwechslungsreichen Einblick in ihre Arbeit.

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Die aus Syrien geflohene Künstlerin Mira Wardah lebt seit einem Jahr in Kirchhain. In ihrer syrischen Heimat durfte sie ihre Bilder nicht öffentlich zeigen.

Quelle: Yanik Schick

Kirchhain. Als Künstler, so erklärt Hans-Heinrich Thielemann sinnbildlich, arbeite man in der Regel allein hinter einem Vorhang. Was dort genau geschieht, sei für den Außenstehenden nicht zu erkennen, so der Vorsitzende des Kirchhainer Künstlerkreises. „Aber an diesem Wochenende lassen wir den Vorhang fallen. Wir wollen die Ausstellung nutzen, um unsere Arbeit darzustellen.“

Das Interesse daran ist groß. Insgesamt etwa 1000 Leute kommen an beiden Tagen in das Bürgerhaus, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Auf dem 41. Kunstmarkt werden die verschiedensten Werke präsentiert, die Bandbreite reicht von Acrylgemälden über Schmuck bis hin zu mühevoll geschnitzten Holzfiguren.

Laut Thielemanns Schätzungen hätten es noch rund 300 Besucher mehr sein können, wäre der in den vergangenen Jahren parallel stattfindende Weihnachtsmarkt diesmal nicht ausgefallen. „Da hatte sich ein Zusammenspiel entwickelt“, sagt er zum Verhältnis der Märkte.

Für die zahlreichen Gäste im Bürgerhaus lohnt sich der Besuch aber trotzdem: viele nutzen die Gelegenheit, um frühzeitig einige Weihnachtsgeschenke einzutüten, andere kommen mit den Künstlern selbst über deren Arbeit ins Gespräch.

Emotionen in Bildern verarbeitet

Kaum einer der 35 Aussteller erzählt dabei eindrucksvoller als Mira Wardah. Die junge Kunstlehrerin war vor rund einem Jahr mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet und am Ende in Kirchhain gelandet. Seit etwa sechs Monaten stehe der Künstlerkreis mit ihr in intensivem Kontakt, berichtet Hans-Heinrich Thielemann. Zum Kunstmarkt hat Wardah vier ihrer Bilder mitgebracht, die einen Eindruck über das Leben in ihrer Heimat vermitteln sollen.

Zwei Acrylbilder zeigen jeweils das blutunterlaufene Auge eines Menschen - die Syrerin verbindet damit ein konkretes Ereignis. „Es war an einem Morgen“, erinnert sie sich, „in einer Schule ist eine Bombe explodiert. Ich weiß nicht, wie viele Kinder gestorben sind.“ Ihre Emotionen hält Wardah in Bildern fest, doch zeigen durfte die Kunstlehrerin ihre Werke in Syrien nicht. „Es gibt keine Freiheit für Kultur, Reden oder Schreiben.“

Am Samstag sind der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert, der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow, der Bundestagsabgeordnete Sören Bartol sowie der Erste Stadtrat Dietmar Menz im Bürgerhaus zu Gast.

Sie alle sprechen über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft. Hans-Heinrich Thielemann unterstreicht die Bedeutung des Dialogs zwischen Politik und Kunst. Derzeit werde die Kreativität der jungen Generation „sträflich behandelt“, an Schulen gebe es zu wenig Kunstunterricht.

von Yanik Schick

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