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Wie kann sich die Kirche erneuern?

1. Nacht der offenen Kirche Wie kann sich die Kirche erneuern?

Wie ein abendlicher kleiner Kirchentag kam die 1. Kirchhainer „Ökumenische Nacht der offenen Kirche“ an Pfingsten in Sankt Elisabeth daher. Gut 200 Christen trafen sich dort von 17.45 bis 23 Uhr.

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Pfarrerin Berit Hartmann dirigierte bei der 1. Kirchhainer „Ökumenischen Nacht der offenen ­Kirche“ den Gospelchor Come together. Fotos: Silke Leich

Kirchhain. Die Besucher kamen und gingen frei, ließen sich durch die Vorträge zum Nachdenken bringen und genossen die Musik zwischen ihnen. Auch konnten sich die Gäste am Mitbringbüfett stärken, das hauptsächlich Frauen zubereitet hatten.

Veranstaltet hatte den Kirchenabend die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Kirchhain und Amöneburg. Zu ihr gehören die evangelische und die katholische Kirchengemeinden Kirchhains sowie die methodistische Kirche Niederwald. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage: „Wie kann die Kirche sich erneuern?“

Pfarrerin Svenja Neumann (Stadtallendorf) wünschte sich eine Kirche, die offener für neue Initiativen sei, etwa für einen Kneipenstammtisch, dessen Mitglieder über Gott und die Welt diskutierten. Zudem forderte die Pfarrerin, „wir als Kirchen müssen zusammen versuchen, den Menschen von Jesus Christus zu erzählen. Und uns freuen, wenn einer von denen, die Gott nicht kennen, in eine Gemeinde kommt.“

Diakon Thomas Hielscher sprach über die „Erneuerung der Kirche im Geiste von Papst Franziskus“. Für Franziskus ständen die Armen im Mittelpunkt. Auch sei ihm Ehrlichkeit wichtiger als Diplomatie, Barmherzigkeit als Gerechtigkeit. Es gehe ihm aber nicht um die Aufweichung katholischer Positionen.

Der methodistische Pastor Markus Weber (Siegen) erklärte: „Jemand, der keine Ahnung von Kirche hat, wäre mit einer ACK-Nacht überfordert“, und er fragte: „Wie müsste Kirche aussehen, um seit drei Generationen säkularisierte Menschen anzusprechen? Auf liebevolle, dienende, segnende Weise?“ In diesem Sinne stellte er „Fresh - X“ vor, „frische Formen von Kirche“. Er schilderte Beispiele: ­Etwa eine Pfarrerin, die mit ­Armen Brot backt.

Appell an das Gewissen der Kirche

Der HR-Redakteur Jochen Schmidt appellierte im Zusammenhang mit dem Rechtsextremismus an das Gewissen der Kirche, sich in dieser Frage deutlich zu positionieren. Er ärgere sich über Thomas de Maizière und die Leitkulturdebatte, Abschiebungen nach Afghanistan und das Menschenbild der AfD, lobte zugleich Christen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit engagierten, und forderte von den Kirchen eine „rote Linie“ gegenüber dem rechten Rand der Gesellschaft zu ziehen.

„Schön, wenn sich Prominente öffentlich zu ihrem Glauben bekennen“, sagte die frühere Kirchenvorsteherin Margot Mörschel vor einer Gesprächsrunde mit Schulleiter Matthias Bosse, Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann, Kirchhains Ehrenbürger Willibald Preis sowie dem Amöneburger Bürgermeister Michael Plettenberg. Von Dekan Hermann Köhler (rundes Foto) nach ihren Wünschen an eine Kirche der Zukunft gefragt, nannte Bosse ein noch besseres Miteinanderreden der Konfessionen, Preis eine kluge Lösung der Zölibatsfrage, Hausmann eine gerechtere Verteilung der Finanzen und Plettenberg eine Art UN-Vollversammlungskodex der Kirchen und Religionen.

Gegen Ende des Abends las Dekan Köhler Wünsche an die Kirche vor, die die Gäste zuvor zu Papier gebracht und an Pinnwände geheftet hatten. Um den Segen baten Pater Erhard und Dekan Köhler. Danach sang die Gemeinde.

Der Abend war reich an Musik, immer belohnt mit begeistertem Beifall. Der Kirchenchor Sankt Elisabeth beeindruckte unter Leitung von Sina Göbel mit glockenklar gesungenen Sätzen von Haydn. Die beiden Chöre der evangelischen Kirche trugen unter der Leitung des Bezirkskantors Peter Groß unter anderem filigran Mendelssohn Bartholdys „Verleih uns Frieden gnädiglich vor“.

Mitreißend trug der Kirchenkreis-Gospelchor „Come together“ unter Peter Groß und Pfarrerin Berit Hartmann (Bauerbach) mehrstimmige Gospels vor. Die Cölber „Schönen Töne“ unter Christiane Kessler, die Bezirkskantorin des Kirchenkreises Marburger Land ist, beeindruckten mit einer Gospel-Messe. „Cantate Deo“/„Pusteblume“ unter Pater Erhard und Wolfgang Schu boten moderne Kirchenmusik - mal schwungvoll, mal besinnlich vorgetragen. Die Orgel spielte Dr. Paul Lang aus Amöneburg.

Die ACK-Nacht eröffnet hatten die Bläser vor der Kirche mit sechs Sätzen. Zuletzt spielten sie irischen Segen „Möge die Straße uns zusammenführen“.

von Silke Leich

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