Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Vom Leiden eines Vermieters

38500 Euro verloren Vom Leiden eines Vermieters

Eigentlich gibt es nichts zu verhandeln, denn das Paar, das sich vor dem Kirchhainer Amtsgericht wegen Einmietbetrugs zu verantworten hat, ist (noch) nicht erschienen. Der Zeuge nimmt trotzdem Platz an dem Tisch, der Gutachtern und Nebenklägern vorbehalten ist. Mühsam holt der freundliche ältere Herr zwei Aktenordner aus seiner Tasche.

Kirchhhain. Dann beginnt er, von seinen letzten Erlebnissen mit dem Paar zu erzählen. Seine Zuhörer: Richter Joachim Filmer, Oberamtsanwalt Peter Heinisch und die Protokollantin. Diese warten die 15-minütige Karenzzeit für die Angeklagten ab. Ruhig und gelassen schildert der Mann von den Renovierungsarbeiten an seinem Haus.

Bei einem Baustellenbesuch fällt ihm auf, dass Teile des Gerüsts fehlen. Als er diese auf dem Balkon des Pares entdeckt, wird ihm Pfefferspray in die Augen gesprüht. Die Frau traktiert den Wehrlosen mit Messerstichen in den Unterarm. Er muss sich in ärztliche Behandlung begeben. Dem Gericht zeigt er seine Narben.

Ausbleibende Zahlungen

Die Angeklagten lassen weiter auf sich warten, der Zeuge erzählt weiter. Die Angeklagten haben bei ihm einen Mietvertrag unterschrieben, obwohl sie zuvor mit einer Vermögensauskunft (früher Offenbarungseid) ihre Zahlungsunfähigkeit bekundet haben. Ihm schulden die Leute 38500 Euro. Der vorherige Vermieter ist auf weit mehr als 40000 Euro sitzen geblieben, sagt er.

Und vom heutigen Vermieter der nach Wiesbaden verzogenen Leute bekommt er inzwischen auch Anrufe. Thema: ausbleibende Zahlungen. Und noch etwas möchte der Vermieter loswerden. Der Auszug seiner Mieter verlief schleppend. Der Hausrat wurde nach und nach mit den Autos des Paares abgeholt. Diese trugen wechselnde Kennzeichen.

Strafbefehl beantragt

Die Zeit ist um. Die Angeklagten haben in dieser Sache auch die sechste Verhandlung platzen lassen. Peter Heinisch greift zum Formular und beantragt einen Strafbefehl. Joachim Filmer erklärt dem Zeugen, dass die Angeklagten nun im schriftlichen Verfahren zu einer Geldstrafe verurteilt werden.

Bei denen ist nichts zu holen, sagt der Zeuge und blickt auf seine Aktenordner. Richter Joachim Filmer beruhigt den Mann. Wird eine Geldstrafe nicht bezahlt, gibt es ersatzweise Haft. Der Staat kann in dieser Sache seine Interessen durchsetzen. Der Bürger nicht. Warum eigentlich?

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel