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Schlechte Aussichten für die Schöne Aussicht?

Ausblicke Schlechte Aussichten für die Schöne Aussicht?

In Kleinseelheim rumort es. Die Aufregung konzentriert sich nicht allein auf die möglichen Baugebiete Am Friedhof und an der Heidestraße. Einen zweiten Brandherd gibt es auf der Schönen Aussicht.

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Noch endet die Straße Schöne Aussicht in Kleinseelheim auf diesem Wendehammer. Die Straße soll, so ein Plan, Richtung Horizont verlängert werden für acht Bauplätze – mit schöner Aussicht aufs Ohmtal. Fotos: Matthias Mayer

Kleinseelheim. Auf den Höhen des Kirchhainer Stadtteils gibt es gleich zwei Problemlagen. Die betreffen den geplanten Ausbau der Straße und deren ebenfalls geplante Verlängerung der Straße bergwärts. Dort möchte ein Investor auf den Grundstücken eines Anwohners ein Baugebiet mit acht Bauplätzen entwickeln. Beide Problemlagen korrespondieren miteinander. Das wurde beim Ortstermin der OP mit Betroffenen deutlich.

Markierungspflöcke an den Straßenrändern künden vom baldigen Ausbau der Straße. Auf diesen stehen Zahlen: 52, 58, 62. Die stehen dafür, wie tief der Boden hier ausgehoben werden soll. Wenn das passiert, wird die Gartenhecke einer Anliegerfamilie quasi in der Luft stehen. Und eingehen. Das ist schon einmal passiert, wie eine Anwohnerin berichtet. Die einst ebene Fläche wurde zum Bau der Straße Schöne Aussicht tief ausgekoffert. 2006 trug das Verwaltungsgericht Gießen der Stadt Kirchhain auf, 49 eingegangene Heckenpflanzen zu ersetzen, die inzwischen zum Teil wieder eingegangen sind (rundes Foto). Zu deren Schutz legte die Stadt aus Muttererde eine Böschung an. Die muss nun einem Bürgersteig weichen.

Bürgersteig soll biszu 3,28 Meter breit sein

Der Bürgersteig ist den Anwohnern, die mit dieser Zeitung sprachen, ein Dorn im Auge. Bei der Einmündung der Straße in die Großseelheimer Straße soll der Bürgersteig eine Breite von 3,28 Meter haben. Einen solchen Boulevard, zu bezahlen von den Anliegern, braucht es an dieser Stelle sicher nicht. Auch im Unterlauf der Straße ist der Bürgersteig mit 2,50 Meter äußerst üppig bemessen. Erst oberhalb der ersten Straßenlaterne ist ein Bürgersteig mit dem Norm-Maß 1,50 Meter geplant.

Ein Anlieger ist grundsätzlich gegen den einseitigen Bürgersteig, weil es dann auf der engen und gewundenen Straße kaum noch möglich sei, verkehrsgerecht zu parken. Er wirbt für einen Ausbau nach dem Vorbild der ähnlich schmalen Heidestraße, wo zwei Abflussrinnen die Fahrbahn begrenzen. Und er hat ein grundsätzliches Problem mit dem von der Stadt verordneten Endausbau, wenn gleichzeitig im benachbarten Rauschenberg die Grundstückseigentümer an Anliegerstraßen selbst entscheiden könnten, ob sie den Ausbau haben wollten oder nicht.

Einig sind sich die Gesprächspartner der OP darin, dass der Zeitpunkt für den Endausbau denkbar schlecht gewählt ist. Bei einer Verlängerung der Straße Schöne Aussicht um das mögliche Baugebiet bestehe etwa die Gefahr, dass die neue Straße durch schwere Baumaschinen wieder kaputtgefahren werde.

Gleichzeitig räumen sie ein, dass nicht alle Anwohner gegen einen zeitnahen Ausbau sind. Und die Anlieger befürchten, dass sie die Straße für ihre potenziellen neuen Nachbarn mitbezahlen müssten, weil der Investor ihnen nur das zu bauende obere Teilstück in Rechnung stellen könne. Ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines möglichen Baugebiets oberhalb des jetzigen Straßenendes begründen die Anwohner mit der Aktenlage. In der Stellungnahme zum noch gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 1997 hätten der Regierungspräsident und die Untere Naturschutzbehörde festgelegt, dass es an der Schönen Aussicht keine Höhenbebauung geben dürfe. Die Grenze für eine Höhenbebauung liege bei einer Höhe von 220 Metern, und die werde am jetzigen Straßenende erreicht. Es liegen im 711 Einwohner zählenden Kleinseelheim drei potenzielle Baugebiete im Lostopf - begleitet von vielen nachvollziehbaren Interessen Einzelner. Vermutlich kann nur eines gewinnen.

Es ist schwer vorstellbar, dass das Regierungspräsidium, das an die Maxime, Innenverdichtung geht vor Außenentwicklung, gebunden ist, einem Dorf mit 22 Baulücken im Ortskern mehr als ein Baugebiet am Ortsrand genehmigt.

von Matthias Mayer

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