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Angedeutete Minarette sind das nächste Ziel

Kirchhainer Moschee Angedeutete Minarette sind das nächste Ziel

Es fehlt nicht mehr viel, dann sind alle Räume der Mevlana-Moschee in Kirchhain fertig. Froh ist die Gemeinde vor allem über die neuen Möglichkeiten für ihre Jugendarbeit.

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Rund 100 Gläubige kamen beim jüngsten Freitagsgebet in der Kirchhainer Mevlana-Moschee zusammen.

Quelle: Michael Rinde

Kirchhain. Es sind gegen Ende des Fastenmonats Ramadan rund 100 Gläubige zum Freitagsgebet gekommen, einem zentralen Gebet in der Woche eines Gläubigen. Vorbeter Hakan Buzburun predigt in türkischer Sprache, seine Predigt wird allerdings komplett ins Deutsche übersetzt. Er spricht über die Bedeutung des Fastenmonats und der nahenden Nacht der Bestimmung. In jener Nacht während des Ramadans soll, so der muslimische Glaube, erstmals der Koran offenbart worden sein.

Der zentrale Gebetsraum der Mevlana-Moschee ist schon länger komplett fertiggestellt (die OP berichtete). An ihn grenzt der Raum für die Frauen samt einer großen Küche. Im Untergeschoss muss noch ein wenig Hand angelegt werden. Dort ist der fertige Jugendraum wie auch ein Konferenzraum zu finden. Es fehlen noch die Möbel, im Jugendraum ist es die Küche. Dafür stehen aber schon ein Billardtisch und eine bequeme Sitzecke samt Fernseher und türkischen Flaggen an der Wand. Hasan Ertem, der Vorsitzende des hinter der Moschee stehenden Vereins, ist zufrieden mit der Entwicklung. Die Mevlana-Moschee gehört zum Dachverband Ditib.

Ertem freut sich vor allem über eine deutlich bessere Jugendarbeit, die nun möglich sei. Die Kirchhainer Moschee befand sich früher in der Borngasse und war erheblich kleiner. Das Gebäude hat der Verein verkauft und den Erlös wiederum in das Haus in der Niederrheinischen Straße investiert. „Es ist wie ein Wechsel vom Zelt in einen Palast“, freut sich Bünjamin Özkul. Er ist der Dialogbeauftragte der Mevlana-Moschee, lebt seit mittlerweile 13 Jahren in Kirchhain. Er kennt auch die Moscheen in der Umgebung gut.

Ein letzter Schritt fehlt noch, muss aber auch erst einmal finanziert und genehmigt sein. An der Fassade zur Niederrheinischen Straße sollen Minarette entstehen.

Finanzierung nur über Spenden

Sie sollen, das betont der Vorsitzende gleich im nächsten Satz, aber nur symbolischen Charakter haben. „Von dort wird nie jemand zum Gebet rufen“, sagt Erkem. Der Vereinsvorstand habe die Planungen noch einmal verändert, die symbolischen Minarette sollen eine klassischere Form bekommen als zunächst gedacht. Dafür sei aber noch eine baurechtliche Genehmigung nötig.

Weil der Verein alles an der Moschee wie gewöhnlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge bezahlt, muss das Geld dafür erst noch zusammenkommen. Beim Besuch der OP beim jüngsten Freitagsgebet sammelte Ertem unter den Anwesenden. Ertem spricht die Situation der Muslime in Deutschland von sich aus an - und wehrt sich gegen den immer wieder erhobenen Pauschalvorwurf, in allen Moscheen werde „Politik“ gemacht, also vor allem die Politik der türkischen Regierung unter Präsident Recep Erdogan. Politik habe in der Moschee nichts zu suchen. „Darauf achte ich auch sehr, denn das schadet uns allen“, betont Ertem.

Wichtig sei ihm dagegen der Kontakt zu den christlichen Gemeinden in Kirchhain wie auch zu den politischen Gremien. „Ich habe Kontakt zu allen Pfarrern, wenn es irgendetwas zu besprechen gibt, dann reden wir kurzfristig miteinander“, sagt der Vorsitzende.

Aktuell hat der Verein 140 Mitglieder, doch wesentlich mehr Gläubige kämen zum Gebet. Außerhalb von Fastenmonat oder Freitagsgebet „sind es vielleicht so rund 20 Gläubige, die hierherkommen“, schätzt Ertem. Das seien leider auch nicht mehr als in manchen christlichen Gottesdiensten.

Kontaktpflege sei dem Verein wichtig. Mancher Kontakt kam ganz zufällig zustande. Bei einem Platzregen im Mai stellten sich zwei Radfahrer unter dem Vordach der Moschee unter. Sie bekamen Tee angeboten, wussten nicht, dass sie vor einer Moschee standen. Kürzlich waren sie nun beim Freundschaftsfest des Vereins.

von Michael Rinde

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