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Anfang Juli kommt der Bagger

Nahwärme Kleinseelheim Anfang Juli kommt der Bagger

Lange hatte die Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim auf diesen Tag hingearbeitet und viele Hürden genommen. Entsprechend groß war die Freude, dass die Bemühungen am Sonntag zum ersten Spatenstich führten.

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Gruppenbild mit einem Spaten (von links): Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Marburg-Biedenkopf Andreas Bartsch, Landrätin Kirsten Fründt, Ortsvorsteher Professor Rainer Waldhardt, die Genossenschaftsvorsitzende Ulrike Simon, der EAM-Geschäftsführer Siegmund Laufer und Bürgermeister Olaf Hausmann.

Quelle: Karin Waldhüter

Kleinseelheim. „Ich denke, es ist ein guter Weg, dass wir uns nachhaltig mit Energie auseinandersetzen wollen“, erklärte Bürgermeister Olaf Hausmann am Sonntagmittag während des sehr symbolisch ausgefallenen Spatenstichs für das Nahwärmenetz Kleinseelheim. Dass es zu einem guten Erfolg führe, Dinge mit langem Atem voranzutreiben, das habe Kleinseelheim gezeigt. „Damit ist Kleinseelheim das erste Bioenergiedorf Kirchhains“, freute sich Hausmann und ergänzte, dass auch Stausebach auf dem Weg sei, Kirchhains zweites Bioenergiedorf zu werden.

Im Rahmen des Tages der Industriekultur Mittelhessen ­hatte die Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim mit ihrem Partner EAM zu der Veranstaltung eingeladen. Wie die Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Ulrike Simon, berichtete, hatte die Bioenergiegenossenschaft gleich mehrere Gründe zur Freude: Seit 1. Juni gehört der Genossenschaft das Anwesen im Sandweg, vormals Roth-Agrarhandel, die Genossenschaft ist seit dem 19. Juni offiziell im Handelsregister eingetragen und Anfang Juli beginnt der Bau des Nahwärmenetzes. Mit Beginn der kommenden Heizperiode werden die angeschlossenen Häuser mit Nahwärme versorgt.

Positiv überrascht zeigte sich Ulrike Simon über die große Zahl der Besucher aus Politik und Zivilgesellschaft, darunter auch zahlreiche Vertreter benachbarter Energiedörfer. Simon freute sich über das gelungene Fest und regte an, die Zeit zu nutzen, um mit den Vertretern ins Gespräch zu kommen.

Schon im Jahre 2013 hatte sich der Ortsbeirat mit dem Thema Machbarkeitsstudie befasst. In den Jahren 2014 und 2015 befasste sich im Ort eine Arbeitsgemeinschaft Bioenergiedorf mit dem Thema. Eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt und schließlich eine Bioenergiegenossenschaft gegründet. Im Herbst 2015 wurde deutlich, dass das in der Machbarkeitsstudie erarbeitete Konzept im Ort nicht genügend Zuspruch fand. Im Winter 2015/16 erarbeitete die Bioenergiegenossenschaft daher zusammen mit der EAM ein neues Konzept.

„Heute ist nicht nur ein guter Tag für Kleinseelheim, sondern auch für den Landkreis“, hob Landrätin Kirsten Fründt hervor. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass damit ein weiterer Schritt getan sei, den Landkreis, wie geplant bis 2040 energieautark zu machen. 2014 habe es erste Gespräche gegeben, eine Machbarkeitsstudie sei, mit Unterstützung des Landkreises, auf den Weg gebracht worden, erinnerte Fründt und wünschte den Kleinseelheimern, trotz der großen Herausforderungen, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen.

Genossenschaft investiert zwei Millionen Euro

„Die EAM ist ein guter Partner für Kleinseelheim“, betonte Fründt, zumal der Kreis einer der Anteilseigner sei. „Wenn man sich mit Vertretern der Bioenergiedörfer unterhält, spricht man mit Experten. Das ist das Erfolgsrezept für Bioenergiedörfer“, hob die Landrätin hervor. „Irgendwann sind sie diejenigen, die das Wissen weiter­geben können, irgendwann werden sie ein Vorbild für andere sein“, so Fründt.

Die Bioenergiegenossenschaft wird in Kleinseelheim ein etwa vier Kilometer langes Nahwärmenetz betreiben und stellt das Gebäude am Ortsrand zur Verfügung, das als Heizzentrale genutzt wird. Im Gegensatz zu üblichen Bioenergiedörfern wird die Heizzentrale nicht von der Genossenschaft, sondern von der EAM gebaut und betrieben. Das Investitionsvolumen der Genossenschaft liegt inklusive der Kosten für den Immobilienankauf und für die Wärmeübergabestation bei etwa zwei Millionen Euro. Nach Abzug des Eigenkapitals und der erwarteten Förderung müssen davon rund eine Million Euro über Kredite finanziert werden. Getilgt werden diese durch die Erlöse aus dem Nahwärmeverkauf.

Anfang Juli sollen die Bauarbeiten beginnen. 75 Häuser von Genossenschaftsmitgliedern werden an das Netz angeschlossen. Interessenten, deren Häuser an der Nahwärme-Trasse liegen, können noch einsteigen.

„Sie können auf den heutigen Tag stolz sein, dass eine so große Zahl an Besuchern da ist“, erklärte EAM-Geschäftsführer Sigmund Laufer. „Kleinseelheim ist ein schönes Beispiel dafür, dass wir in der Lage sind solche Themen anzugehen und sie vor Ort so leben können, wie sie möchten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Marburg-Biedenkopf Andreas Bartsch. Auch die Sparkasse hatte die Machbarkeitsstudie unterstützt.

Festlich eröffnet hatte die Veranstaltung die Saxofonisten-Gruppe der Alfred-Wegener-Schule. Wer wollte, gab im Rahmen eines Wettbewerbs einen Namensvorschlag für das Gebäude der Heizzentrale ab. Kinder tobten sich auf einer Hüpfburg aus und malten Pflasterbilder. Ausstellungen des Landkreises, der EAM, der Sonneninitiative Marburg und eines Stadtallendorfer Autohauses informierten zu Elektromobilität, Erneuerbaren Energien und Klimawandel.

von Karin Waldhüter

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