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500 000 Kilometer mit erster Kupplung

Unverwüstlicher Audi A4 500 000 Kilometer mit erster Kupplung

Von Nord nach Süd und wieder zurück in die Mitte Deutschlands ist Irmgard Heine-Ebert mit ihrem ­Audi seit 20 Jahren ­unterwegs. Und das ohne Pannen.

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500 000 Kilometer hat Irmgard Heine-Ebert mit ihrem Audi A4 in 20 Jahren zurückgelegt.

Quelle: Katja Peters

Kleinseelheim. 120 PS, Alufelgen, 1 800 Kubikzentimeter Hubraum, 20 Jahre alt, 500 000 Kilometer Laufleistung, unfallfrei – so könnte die Verkaufsanzeige für das Auto von Irmgard Heine-Ebert wohl lauten. Aber so eine Anzeige wird es nie geben: „Den gebe ich nicht mehr aus der Hand“, sagt die Besitzerin und betont stolz: „Ich habe die Kilometer alle allein gefahren.“

Geschmückt mit roter Schleife­ stand das anthrazitfarbene Gefährt im Oktober 1997 im Verkaufsraum des Kirchhainer Autohauses. Zu Tränen gerührt nahm die damals 65-Jährige ihr Auto in Empfang. Mit einem ähnlichen Modell hätte sie vorher eine Probefahrt gemacht und dann dem Verkäufer ihre Wünsche mitgeteilt. „Ein Schiebedach und die Außentemperaturanzeige wollte ich haben. Elektrische Fensterheber gab es damals sowieso“, erinnert sich die Kleinseelheimerin. 40 000 D-Mark habe sie vor 20 Jahren für ihren Audi bezahlt.

Sie verliebte sich in den A4

Als Mitte der 1990er-Jahre die Ingolstädter Autobauer den A4 als Nachfolger des Audi 80 herausbrachten hatte Irmgard Heine-Ebert schon ein Auge auf diesen Autotyp geworfen. „Er gefiel mir, weil er so formschön war.“ Dabei gab es in ihrer Familie bis dato nur Fords. Der letzte war ein Granada, die Sechs-Zylindervariante, der 517 000 Kilometer auf dem Tacho hatte. „Der war fertig und hatte schon ein paar neue Kupplungen. Ich musste sogar mehrmals abgeschleppt werden“, erzählt Irmgard Heine-Ebert. Als sie sich nun endgültig von dem Granada trennen musste fuhr sie in das Kirchhainer Autohaus und verliebte sich in den A4.

Mit dem bereiste sie Deutschland von Norden nach Süden. „Sylt, Helgoland, Hamburg, Bad Endbach, Freiburg im Schwarzwald und sogar St. Wolfgang“, zählt sie auf. 34 Mal sei sie dort hin nach Österreich gefahren. Mit ihrem Audi das letzte Mal vor zehn Jahren, also mit über 70 Jahren. „Das alleine waren ja immer schon 700 Kilometer eine Strecke“, so die Kleinseelheimerin. Gewandert und vor allem geschwommen wäre sie im Wolfgangsee. Irmgard Heine-Ebert schwelgt in Erinnerungen. Vor zwei Jahren war sie das letzte Mal am Wolfgangsee, als Beifahrerin.

"Ich fahre schon mal 120, wenn es die Strecke zulässt"

In Hamburg habe sie immer ihren Onkel besucht, der dort als Oberstudienrat gearbeitet hat, in Freiburg wohnt ein Freund. „Ich war schon immer viel unterwegs. Sonst wären ja auch die vielen Kilometer nicht zusammengekommen“, sagt sie lachend. Heute fährt sie ein  oder zwei Mal die Woche nach Bad Endbach in die Therme. „Zum Schwimmen“, so die topfitte Rentnerin, die auch gerne mal schnell unterwegs ist. „Ich fahre schon mal 120, wenn es die Strecke zulässt“, gibt sie augenzwinkernd zu.

Zwei, die immer mit dabei sind, sind ihre beiden Glücksbringer, vielleicht sogar Schutzengel. Plüsch-Dackel Ingo und der australische Koalabär liegen vor dem Schaltknauf und passen auf. Irmgard Heine-Ebert: „Ich hatte mal zwei richtige Dackel namens Ingo und so sind sie beide immer bei mir.“

„Er stand wie vor 20 Jahren mit einer Schleife in der Halle“

Während ihres letzten Besuchs in Freiburg ließ sie den Audi zu Hause beziehungsweise in der Werkstatt in Kirchhain. Mit dem Werkstattmeister war abgesprochen, dass das Auto nach der Inspektion wieder in die „Heine-Ebert‘sche-Garage“ gebracht wird. Doch dort stand der A4 nicht, als die Kleinseelheimerin aus dem Schwarzwald zurückkam. Am nächsten Tag rief das Autohaus an und lud sie nach Kirchhain ein. Denn es wartete eine Überraschung auf sie. Als sie auf dem Gelände an der Niederrheinischen Straße ankam sah sie ihren A4 im Verkaufsraum. „Er stand wie vor 20 Jahren an selbiger Stelle mit einer Schleife in der Ausstellungshalle“, ist Irmgard Heine-Ebert noch immer ganz entzückt. Das Autohaus hatte es sich nicht nehmen lassen, das alte Fahrzeug innen und außen noch einmal auf Hochglanz zu bringen. Eine gelungene Überraschung und eine tolle Geste für die Stammkundin.

Überraschung aus Ingolstadt

Und auch der Autobauer aus Ingolstadt war über die kleine Sensation informiert worden. Eines Tages stand ein großes Paket vor ihrer Tür, über das sich Irmgard Heine-Ebert sehr gewundert hat. Erst als sie den Absender gelesen hatte traute sie sich, das Paket zu öffnen. Mit einem hochwertigen und stilvollen Regenschirm sowie einem Kugelschreiber gratulierte der Ingolstädter Autobauer ihrer langjährigen Kundin und wünschte ihr weiterhin viel Vergnügen mit ihrem Audi. Den wird sie haben. Denn noch will sie den Autoschlüssel nicht an den obligatorischen Nagel hängen. Schließlich müsse sie doch zum Schwimmen nach Bad Endbach fahren, um fit zu bleiben.

von Katja Peters

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