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Kirchhain zeigt sich kunterbunt

Begegnungscafé Kirchhain zeigt sich kunterbunt

Die Zeiten sind vorbei, da das Begegnungscafé im Jukuz stattfinden konnte. Jetzt treffen sich Kirchhainer Bürger und Flüchtlinge im Bürgerhaus - und füllen sowohl den großen als auch den kleinen Saal.

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Flüchtlingskinder sangen den Kanon „Bruder Jakob“ in allen sechs Sprachen, die während der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Kirchhainer Jukuz gesprochen werden.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Schon im Foyer gibt es ein großes Hallo. Die Wiedersehensfreude ist groß. Fast überall lachende Gesichter. Die Flüchtlingsfamilien zieht es zu den Mitgliedern des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe und zum Kirchhainer Ordnungsamtsleiter Gordon Schneider. Das ist der Personenkreis, der sich in so vorbildlicher Weise im Alltag um die Flüchtlinge kümmert. Entsprechend innig fallen die Begrüßungen aus.

Daneben gibt es aber auch Familien, die sich an den vielen freudigen Grüppchen vorbei in den großen Saal begeben und sich etwas unsicher umsehen. Das sind die syrischen Familien, die in jüngster Zeit verstärkt nach Kirchhain gekommen sind und inzwischen die Albaner als stärkste Bevölkerungsgruppe unter den Flüchtlingen stellen.

Mischung aus Weihnachtsfeier und multikultureller Begegnung

Die meisten Besucher kommen nicht mit leeren Händen. Kuchen, Gebäck, aber auch Platten, Schalen und Töpfe werden für das gemeinsame Mahl ins Bürgerhaus getragen. Die Tische sind weihnachtlich dekoriert und auf der Bühne steht ein Weihnachtsbaum. So wird dann das Begegnungscafé zu einer Mischung aus Weihnachtsfeier und multikultureller Begegnung.

Mittendrin steht Hans-Jürgen Sitt vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe und konstatiert zufrieden, dass die Flüchtlingsarbeit in Kirchhain auch deshalb so reibungslos funktioniere, weil die Stadtverwaltung in diese so gut eingebunden sei. Die Zusammenarbeit mit Gordon Schneider ist ausgezeichnet - und vor allem unbürokratisch“, teilt er im Gespräch mit dieser Zeitung mit.

Während der so Gelobte nebenan noch Fragen von Flüchtlingen beantwortet, begrüßt Helga Sitt die Besucher im Namen des Arbeitskreises, wobei zwei Dolmetscherinnen ihre Ansprache in Arabische und ins Englische übersetzen. Andreas Tauche nutzt die Gelegenheit, sich als neuer Kirchhainer Sozialarbeiter vorzustellen. „Ich will in alle Unterkünfte gehen und dafür sorgen, dass Sie eine gute Zeit in Kirchhain haben werden“, kündigt er an.

Angehörige des Musikleistungskurses 13 der Alfred-Wegener-Schule spielen auf. Eine Familienpatin wiegt dazu im Takt den Säugling einer Flüchtlingsfrau. Derweil wächst die Schlange am Buffet kontinuierlich an.

Andere Flüchtlinge stecken an den langen Tischreihen die Köpfe mit ihren Kirchhainer Paten zusammen, erörtern Probleme und Anliegen.

Aus dem kleinen Saal ertönt fröhliches Kinderlachen. Überall im Saal stehen große Spiel- und Basteltische, an denen das Jukuz-Team vielfältige Angebote für Kinder vorbereitet hat.

Wie schafft es die Stadtjugendpflege, den Bedürfnissen der vielen Kinder gerecht zu werden? „Das ganze Jukuz-Team ist hier. Und wir haben tolle Unterstützung durch die Zehntklässler der Alfred-Wegener-Schule“, sagt die Stadtjugendpflegerin Silke Baumgardt, während sie einen Tannenbaum ausschneidet.

Schüler wollen plötzlich Flüchtlingen helfen

„Die haben schon im Vorfeld ganz erheblich geholfen und sind heute auch hier“, sagte die Stadtjugendpflegerin und nannte stellvertretend die Namen Flutra, Katharina und Laura.

Während die Schülerinnen nebenan damit beschäftigt sind, ganze Horden von Kindern bunt zu schminken, erzählt die Stadtjugendpflegerin, wie die Zehntklässler zum Jukuz und zur Flüchtlingshilfe gestoßen sind. Die Schüler wollten einfach mehr über das Leben der Flüchtlinge erfahren. Die AWS-Sozialarbeiterin gab diesen Wunsch an Helga Sitt weiter, die in den Unterricht kam und die Schülerinnen und Schüler informierte.

Daraus entstand der Wunsch aus Teilen der Schülerschaft, etwas für Flüchtlinge zu tun. So kamen die Zehntklässler zur offenen Kinder- und Jugendarbeit des Jukuz, in der die Flüchtlingskinder schon lange zuhause sind.

Das ist ein gutes Beispiel für die Netzwerkarbeit rund um das Thema Flüchtlinge, das zur Freude von Silke Baumgardt auch zwischen Haupt- und Ehrenamt, Stadt, Kirche und Landkreis funktioniert. Genauso zuverlässig, wie spontane Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern. Während des OP-Gesprächs mit der Stadtjugendpflegerin kam eine Kirchhainerin vorbei und gab eine große Tüte mit Bastelmaterial ab. Einfach so.

Singen in sechs verschiedenen Sprachen

Die Jukuz-Kinder haben dann noch ihren großen Auftritt auf der Bühne. Sie singen in sechs verschiedenen Sprachen den Kanon „Bruder Jakob“. Dazu halten sie selbst gestaltete Plakate hoch. Auf diesem steht: „Kirchhain kunterbunt“, was nicht nur programmatisch gemeint ist, sondern auch für den weiteren Verlauf des Nachmittags gilt.

Dessen heimlicher Höhepunkt kam zum Schluss. Ein syrischer Musiker spielte einen arabischen Volkstanz, Dabke genannt. Der entwickelte sich dynamisch. Erst standen nur wenige Männer auf, dann wurden es immer mehr Syrer, die diesen archaisch anmutenden Tanz tanzten.

von Matthias Mayer

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