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Kirchhain will für Wasser Geld sehen

H2O Kirchhain will für Wasser Geld sehen

In Städten und Gemeinden laufen die Diskussionen über die umstrittene Vergabe neuer Wasserrechte an den Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW). Bisher ist kein großer Widerstand zu erkennen.

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Das Thema Wassergewinnung beschäftigt derzeit Verwaltungen und Parlamentarier. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Kirchhain. Der ZMW hat neue Wasserrechte beantragt (die OP berichtete mehrfach auf „Landkreis“), im Dezember läuft die alte Genehmigung aus. 9,8 Millionen Kubikmeter will der Verband künftig jährlich fördern - und davon rund 2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser über den Versorger OVAG in das Rhein-Main-Gebiet verkaufen.

So weit die Fakten. An diesem Antrag des ZMW hat es bereits massive Kritik gegeben, unter anderem von Naturschützern und der Initiative „Rettet den Burgwald“. Jetzt sind zunächst die direkt von der Wasserentnahme betroffenen Städte und Gemeinden gefordert. Sie haben Stellungnahmen und Einwände abzugeben. Kirchhain ist eine der Hauptbetroffenen von der Grundwasserentnahme. Im Bauausschuss gab es eine erste Positionierung der Stadt, wobei die Prüfung der Antragsunterlagen noch läuft.

Eine Kirchhainer Besonderheit stand dabei im Vordergrund. In der Vergangenheit hat die Ohmstadt als Folge aus einem Vertrag Ausgleichszahlungen vom ZMW (in dem die Stadt naturgemäß Mitglied ist) bekommen. Dieser Vertrag ist Mitte der 1990er Jahre ausgelaufen und wurde nicht verlängert. „Warum das so war, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen“, erläuterte Bürgermeister Jochen Kirchner in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

An dieses frühere Modell möchte die Stadt in Verhandlungen mit dem ZMW gerne anknüpfen, vor allem, weil sie tatsächlich erhebliche Nachteile durch die fortgesetzte Trinkwassergewinnung des ZMW sieht. Etwa durch die besonderen Auflagen, die mit Wasserschutzzonen verbunden sind oder bei der Kontrolle der eigenen Kanalanlagen. Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte exemplarisch an die besonderen Verpflichtungen für die Betreiber von Ölheizungen in jenen Schutzzonen.

Geplante Überwachungzerstreut einige Bedenken

Nau erwartet keine schwerwiegenden Konsequenzen aus den Entnahme- und Verkaufsplänen des ZMW. Er bezieht sich dabei auf die Ist-Situation. Faktisch hat der ZMW bis zum Jahresende das Recht, jährlich rund 11 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Boden zu holen. In der Praxis hat der Versorger bisher durchschnittlich 7 Millionen Kubikmeter pro Jahr gefördert. Für den Grünen-Politiker ist entscheidend, dass die Folgen der Grundwasser-Entnahme überwacht werden. Ein „Öko-Monitoring“ wird das Regierungspräsidium Gießen als Genehmigungsbehörde dem ZMW in jedem Falle zur Auflage machen - ein Umstand, der beispielsweise auch für die Gemeinde Wohratal von zentraler Bedeutung ist. Die Stadt Kirchhain will sich im Verfahren dafür stark machen, dass die Genehmigung nur für 20, nicht für 30 Jahre erteilt wird.

Gar nicht glücklich über die künftig de facto höhere Grundwasserentnahme in der Region Kirchhain war während der Ausschuss-Sitzung ein Vertreter der „Waldinteressenten Himmelsberg“. Er bekam ein kurzes Rederecht eingeräumt und machte klar: „Für den Wald wird das Nachteile haben, einer unteren Waldfläche wird das Wasser ausgehen.“ Die Waldinteressenten Himmelsberg sind nach deren Angaben von der Entnahme aus zwei benachbarten Brunnen betroffen. Sie bewirtschaften etwa 50 Hektar Wald. Ähnliche Befürchtungen äußerte auch ein Vertreter der Waldinteressenten Stausebach.

von Michael Rinde

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