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Kirchhain und Rauschenberg wollen weiter blitzen

Nur eine Säule ist ein Kassenklingler Kirchhain und Rauschenberg wollen weiter blitzen

Sowohl in Kirchhain als auch in Rauschenberg werden die bestehenden Radarsäulen voraussichtlich erhalten bleiben. Das erklärten die Bürgermeister Jochen Kirchner und Michael Emmerich gestern gegenüber der OP.

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Kirchhain. Gleichwohl ist der erst im Mai vergangenen Jahres von den Städten Kirchhain und Rauschenberg geschlossene Vertrag über die gemeinsame stationäre Geschwindigkeitsüberwachung in den drei Kommunen bereits Geschichte.

Vertragspartner der Wohra-Anrainer ist die Firma German Radar aus dem ostbrandenburgischen Crinitz, die laut Vertrag in den drei Kommunen zwölf Blitzersäulen zur Geschwindigkeitsüberwachung auf besonders schützenswerten Straßenabschnitten vor Schulen, Kindergärten und an Schulwegen errichten sollte. Der damalige Geschäftsführer Thomas Fabricius sprach bei der Vertragsunterzeichnung von einer Millioneninvestition für sein Unternehmen. Tatsächlich wurden nur neun Anlagen aufgebaut: Vier in Wohratal, vier in Kirchhain und eine Rauschenberg. Geschäftsgrundlage: German Radar baute die Anlagen auf eigene Kosten auf, wird aber an den Erlösen aus den Verwarnungsgeldern beteiligt.

Fallzahlen liegen im zu erwartenden Bereich

Und nun verschwinden zumindest die vier Säulen aus Wohratal. „In Wohratal sind die Fallzahlen so gering, dass German Radar sagt: das lohnt sich nicht“, erklärte Jochen Kirchner gegenüber der OP. Der Kirchhainer Bürgermeister steht an der Spitze des gemeinsamen Radar-Ordnungsbezirks. Kirchhain erledigt für seine beiden kleineren Partner die komplette Verwaltungsarbeit, die mit der stationären Geschwindigkeitsüberwachung verbunden ist.

Die Gefahr eines Kahlschlags wie in Wohratal sieht Jochen Kirchner nicht. Wegen der offensiven Aufklärung der Autofahrer vor dem Aufbau der Säulen sei in Kirchhain die übliche Anfangswelle ausgeblieben. Gleichwohl bewegten sich die Kirchhainer Fallzahlen im erwarteten Bereich - im Gegensatz zu Wohratal und Rauschenberg, sagte der Bürgermeister.

Jochen Kirchner sieht sich in der Situation, dass Kirchhain als einziger Vertragspartner von German Radar übrig bleiben wird, da Rauschenberg seinen eigenen Weg gehen wolle. Deshalb sagt er auch nur, dass „voraussichtlich“ die vier Blitzersäulen in Kirchhain in Betrieb blieben. Abstimmungsgespräche mit German Radar zur neuen Situation habe es noch nicht gegeben, sagte Kirchner.

Röthe: mehr Sicherheit, aber wenig Ertrag

Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt, dass die Vorsicht des Kirchhainer Kämmerers angebracht ist. Zwischen dem 22. August und dem 31. Dezember wurden 4781 Temposünder in der Röthestraße und am Schulzentrum in der Dresdener Straße geblitzt. Das ist in der Summe ein ordentliches Ergebnis, das sich aber höchst ungleichmäßig verteilt. Einsam an der Spitze steht mit 3182 Blitzen die Säule, die in der Dresdener Straße den Verkehr in Richtung Erlenstraße überwacht. Das für die Fahrtrichtung Kasseler Straße zuständige Pendant des Kassenklinglers löste nur 778 Mal aus.

Ganz anders sieht es in der Röthestraße aus. Stadteinwärts wurden 465 Autofahrer erwischt, in Richtung Emsdorf fuhren 293 Verkehrsteilnehmer zu schnell. Mit dem Ergebnis in der Röthestraße kann die Stadt hochzufrieden sein, will sie dort doch die Raser bremsen und die Sicherheit der Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich erhöhen. Ob German Radar mit den Erlösen aus den drei letztgenannten Säulen zufrieden sein wird, ist eine ganz andere Frage. Denn diese liegen mit ihren in den vollen Betriebsmonaten erreichten durchschnittlichen Fallzahlen noch deutlich unter den 230 Auslösungen des Rauschenberger Blitzers in der Bahnhofstraße. Und dieser wird unter „die Erwartungen nicht erfüllt“ geführt.

Rauschenberg betreibt Säulen in eigener Regie

Gleichwohl will die Stadt Rauschenberg diesen Standort erhalten, wie Bürgermeister Michael Emmerich betonte. Die Stadt wolle künftig die stationäre Geschwindigkeitsüberwachung in eigener Regie betreuen und betreiben. „Wir werden mit German Radar reden mit dem Ziel, den Standort zu erhalten.“ Das sei allerdings nur bei einer Beibehaltung des Fallpauschalen-Modells möglich. Sollten sich die Konditionen verschlechtern, müsste der Standort Bahnhofstraße zur Disposition gestellt werden.

Für den geplanten Ausbau seiner Verkehrsüberwachung setzt Rauschenberg ohnehin auf ein anderes Pferd. Die Firma Jenoptik soll die Blitzersäulen für Josbach an der Bundesstraße 3 und für den Standort an der Brachter Grundschule liefern. Mit Jenoptik habe er in Münchhausen nur die besten Erfahrungen gemacht, sagte Emmerich, der als Hauptamtsleiter der Gemeinde Münchhausen den Aufbau der Jenoptik-Anlagen an der B 252 begleitet hatte.

Der Blitzer an der B 3 soll noch im Frühjahr errichtet werden und wird über das Fallpauschalen-Modell finanziert. Für die Verkehrssicherheit in Bracht greift Rauschenberg tief in die Tasche. Die jährliche Leasinggebühr: 30000 Euro.

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von Matthias Mayer

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