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Kirchhain gewinnt Zeit für den Bahnhof

Weietere Beratungen Kirchhain gewinnt Zeit für den Bahnhof

Am 19. September wird es eine neue Gesprächsrunde mit der Bahn zum barrierefreien Ausbau des Kirchhainer Bahnhofs geben. Das teilte Bürgermeister Olaf Hausmann vor dem Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr mit.

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Gleis 5 am sogenannten Hausbahnsteig nutzt die Bahn als Abstellgleis für die Schüttgut-Waggons der Ohmtalbahn. An den Kosten für den barrierefreien Ausbau des Bahnsteigs, an dem täglich nur ein Zug hält, soll sich die Stadt beteiligen. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Die Mitglieder des unter Vorsitz von Professor Rainer Waldhardt (SPD) tagenden Gremiums hörten am Montagabend einen Sachstandsbericht zu dem Thema, das in Kirchhain hohe Wellen schlägt.

Das Problem: Die Stadt steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite sehnen die Bürger und die politisch Verantwortlichen den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs nach der gelungenen Erneuerung des Bahnhofsumfeldes herbei. Auf der anderen Seite muss die Stadt für die Aufwertung des Bahneigentums einen Eigenanteil von derzeit kalkulierten 2,4 Millionen Euro aufbringen.

Das entspricht den gesamten Investitionsmitteln, die der Stadt für zwei Haushaltsjahre zur Verfügung stehen. Hinzu kommt: Nach den Erfahrungen der Stadt Stadtallendorf mit der Bahnhofsanierung muss mit drastischen Preissteigerungen bis zur zum Jahresende 2019 geplanten Fertigstellung gerechnet werden.

Die Antwort derBahn steht noch aus

Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung von Stadt, Bahn und RMV zu diesem Thema am 15. August hatten sich Mandatsträger darüber beklagt, dass sie einen barrierefreien Zugang zum Inselbahnsteig an den Gleisen 1 und 2 bestellt hätten, nun aber auch für Extras wie neue Bahnsteigüberdachung, Wegeleitsystem und den Ausbau des für den Personenverkehr praktisch nutzlosen Bahnsteig an Gleis 5 aufkommen müsste.

Der Magistrat hatte eine kostengünstigere barrierefreie Erschließung des Inselbahnsteigs über einen Steg nebst Aufzug von der Ziegelgartenstraße aus vorgestellt und zum Schluss für eine Streckung des Projekts über einen längeren Zeitraum geworben.

Diese Punkte habe er in einem Schreiben an die Bahn zusammengefasst. Eine Antwort habe er bislang nicht bekommen, sagte Olaf Hausmann. Dafür berichtete er von einem ergiebigen Gespräch, das die Stadt in Wiesbaden mit einem Referenten des Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr geführt hat. Dessen wichtigste Erkenntnisse sind:

Auch nach dem Auslaufen des jetzigen GVFG-Förderprogramms zum Jahresende 2019 wir das Land Hessen den Ausbau von Bahnhöfen fördern. Das bedeutet: Der Stadt Kirchhain ist der enorme Zeitdruck für die Entscheidungsfindung genommen.

Ministerium will Wirtschaftlichkeitsberechnung sehen

Abschnittsweise Bauarbeiten hält das Ministerium theoretisch für möglich, rät aber mit Blick auf die Baukostenentwicklung und den Kostenfaktor Baustelleneinrichtung davon ab. n Die von der Stadt vorgelegte Alternativplanung hält das Ministerium für förderfähig. Zugleich kritisiert Wiesbaden die Variantenprüfung durch die Bahn als unzureichend.

Die von der Bahn geforderte und weit über die Barriere-Freiheit hinausgehende Umgestaltung des Bahnhofs ist förderfähig.

Die Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Bahn sieht das Ministerium als kritisch. Das Ministerium will die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Bahn sehen.

Die Stadt Kirchhain werde die von der Bahn festgestellten Grundlagen für das Projekt nicht bestätigen, kündigte der Bürgermeister die gewichtigste Konsequenz aus dem Wiesbadener Gespräch an und begründete dies mit den Defiziten bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung und der Variantenprüfung.

Kosten sparen und trotzdem  Barrierefreiheit erhalten

Grundsätzlich sei der Stadt durch die Förderzusage über das Jahr 2019 hinaus der Zeitdruck genommen worden. Die Gremien könnten jetzt noch mal über die Varianten diskutieren. Das sei ihm wichtig, denn er strebe eine breite politische Übereinstimmung für dieses Projekt an, sagte Olaf Hausmann.

Parlament hatDiskussionsbedarf Diskussionsbedarf zeigte sich sofort. Professor Erhard Mörschel (CDU) verteidigte die von der Bahn verworfene Steg-Variante beim gleichzeitigen Erhalt der Unterführung beim Empfangsgebäude. Er riet dazu, eine Preissicherungsklausel zu vereinbaren. „Wir sollten den Weg ausloten, Kosten zu sparen und trotzdem die Barrierefreiheit zu erhalten“, sagte Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen).

Zugleich stellte er klar, dass es nicht allein die Bahn sei, die bei ihren Projekten eklatante Preissteigerungen produzierte und führte dafür Kostenexplosionen beim Straßenbau im Landkreis an. Patrick Gatzert (SPD) kritisierte, dass die Bahn immer noch nicht die Grundlagen für ihre Kalkulation offengelegt hat, was der Politik die Zustimmung erschwerte.

In dieser Richtung hatte sich Dr. Christian Lohbeck (FDP) bereits am 15. August sehr deutlich geäußert.

Näheres wird der Bürgermeister möglicherweise schon am 19. September dem Parlament berichten können, denn das Gespräch mit der Bahn wird vor der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung stattfinden.

von Matthias Mayer

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