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Kirchhain erhält neuen Ehrenbürger

Auszeichnung Kirchhain erhält neuen Ehrenbürger

24 Jahre sind vergangen, seit die Stadt Kirchhain letztmals einen Ehrenbürger ernannt hat. Es war Altbürgermeister Heinrich Röder. Jetzt soll Willibald Preis die Ehrenbürgerwürde verliehen werden.

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Dieses Foto entstand im Februar nach der letzten Stadtparlamentssitzung, die Willibald Preis ­geleitet hatte.Archivfoto: Matthias Mayer

Kirchhain. Der Himmelsberger Willibald Preis soll auf Vorschlag des Ältestenrats des Stadtparlaments und von Bürgermeister Jochen Kirchner die Ehrenbürger-Würde der Stadt Kirchhain erhalten. Das ist in der Ohmstadt eine Ehrung, mit der sie bewusst sehr zurückhaltend umgeht. Dass das Stadtparlament, dessen Vorsteher Preis zehn Jahre in herausragender Weise war, zustimmt, ist eine Formalität. Im Haupt- und Finanzausschuss gab es - dem guten Ton bei solchen besonderen Entscheidungen entsprechend - keinerlei Aussprache, nur ein einstimmiges Votum. Das gilt im übrigen auch für weitere Ehrenbezeichnungen, die die Stadt auf Vorschlag des Ältestenrates an verdiente Bürger verleihen wird.

Wie gewohnt reagiert Willibald Preis bescheiden darauf, wenn es um ihn als Person geht. „Ich fühle mich geehrt. Das ist eine hohe Anerkennung für mich“, sagte er gestern im Gespräch mit der OP. Dass er als Bürger ­eines Stadtteils geehrt werden soll, ist für ihn dabei etwas ganz Besonderes. Für ihn, der Kirchhain stets als Ganzes sieht, ist das ein zusätzlicher Beleg, dass es eben keinen Unterschied zwischen Kernstädtern und Stadtteilbewohnern mehr gibt. Die Ehrenbürgerwürde soll Preis für sein ehrenamtliches Lebenswerk erhalten, nicht nur für zehn Jahre aufopferungsvolle Arbeit als Stadtverordnetenvorsteher. Er ist immer noch Vorsitzender des Verschönerungsvereins Himmelsberg und will es auch bleiben. Auch das Amt des Sprechers des Arbeitskreises Dörfliche Kultur behält er.

Alles begann 1974 mit seinem Einzug in den Ortsbeirat Himmelsberg. Wer an die Entwicklung des Dorfes in den vergangenen Jahrzehnten denkt, stößt zwangsläufig auf den Namen Willibald Preis. 1998 errang der Ort beim Bundesentscheid „Unser Dorf soll schöner werden“ die Silbermedaille. „Ich wollte das Dorf voranbringen. Das ging aber nur mit unzähligen fleißigen Menschen zusammen“, sagt Preis zu diesem Kapitel seines Engagements.

Er gab dem Amt des Stadtverordnetenvorstehers in Kirchhain sein ganz eigenes Gesicht, nutzte den breiten Gestaltungsspielraum. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt er seine Motivation: „Ich wollte, das unser Kirchhain gut herauskommt.“ Dafür hat er das Parlament repräsentiert und das beileibe nicht nur bei den obligaten offiziellen Anlässen. Er wollte, dass die Parlamentsarbeit wahrgenommen wird. Allein 15 Bürgerversammlungen hat Preis in den vergangenen 10 Jahren abgehalten, 10 davon in den Stadtteilen. Und er hat sich riesig darüber gefreut, dass das Interesse in den Stadtteilen stets besonders groß war.

Unzählige Briefe hat der 73-Jährige als Stadtverordnetenvorsteher im Namen des Parlaments geschrieben. Zu runden Geburtstagen, aber eben auch an Kirchhainer, die besonderes erlebt oder geleistet haben. Er rief den Jahresempfang ins Leben, der ein gesellschaftliches Ereignis von Rang in der Stadt geworden ist. Und er engagierte sich für die Städtepartnerschaft mit Doberlug-Kirchhain - die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Dass berühmte Kirchhainer der Vergangenheit nicht vergessen werden, war und ist ihm ein Anliegen. Er recherchierte ihre Lebensläufe und Leistungen. Und nicht zuletzt sorgte er dafür, dass verschollene Bücher über Kirchhain und von Kirchhainern ihren Weg zum Heimat- und Geschichtsverein fanden. Beispiele: Er fand ein Exemplar der Horche-Bibel, ließ das Buch „Paradies der ersten Frühe“ von Lisa de Boor neu auflegen oder entdeckte ein historisches jüdisches Gebetsbuch. Als Stadtverordnetenvorsteher brachte er sich mit aller Kraft bei den herausragenden Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht ein.

Nein, viel Freizeit habe er nicht gehabt, sagt Preis im Rückblick, ohne das in irgendeiner Weise zu bereuen. Er ist sehr glücklich darüber, dass ihm seine Frau Christa all das mit ermöglicht hat. „Ich konnte das nur schaffen, weil ich vor neuneinhalb Jahren Rentner wurde“, sagt er.

Was das Stadtparlament an ihm hatte, wusste es. Bei Preis’ letzter Sitzung als Vorsteher erhob es sich zu langem stehenden Applaus. Was wünscht sich Willibald Preis? „Es wäre mir ein Herzenswunsch, dass diese Arbeit weitergemacht wird und das unser Kirchhain dabei immer gut herauskommt“, sagt er.

Am 11. Juli entscheidet das Stadtparlament formell über die Ehrenbürgerschaft. Die Verleihung erfolgt in einer eigenen Veranstaltung.

EHRENBÜRGER:

er werden, „wer sich um das Wohl der Stadt in besonderer Weise verdient gemacht hat“. So heißt es in der Hauptsatzung. Bisherige Ehrenbürger: Daniel Keßler, Rektor der Knabenschule (Ehrung im Jahr 1880), Heinrich Bopp, Stiftung zur Umwandlung des Friedhofs zum Anna-Park (geehrt 1921), Julius Bertram Schaefer, Marburger Tapetenfabrik (geehrt 1954), Heinrich Weber (30 Jahre Bürgermeister, geehrt 1978, zugleich Ehrenbürgermeister) und Heinrich Röder, (14 Jahre Bürgermeister, geehrt 1992).

von Michael Rinde

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