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Kirchhain bleibt gut erreichbar

Trotz Großbaustelle Kirchhain bleibt gut erreichbar

Seit knapp zwei Wochen ist Kirchhains südlicher Stadteingang wegen einer Großbaustelle gesperrt. Die OP zieht eine erste Zwischenbilanz.

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Noch ist die Straße Am Amöneburger Tor an der Einmündung in den ehemaligen Lego-Kreisel eine Schotter-Wüste. Aber bis zum November wird hier Kirchhains neuer südlicher Stadteingang entstehen. Fotos (5): Matthias Mayer

Kirchhain. Ursprünglich sollte das Gemeinschaftsprojekt von Hessen Mobil und Stadt Kirchhain zur Sanierung der Straßen Untergasse und Amöneburger Tor und der Ausbau des Kreisverkehrsplatzes Amöneburger Tor in einem Zug verwirklicht werden. Das hätte eine Vollsperrung von bis zu neun Monaten bedeutet. Nach Überzeugung der Einzelhändler hätten einige Betriebe in der Stadt eine so lange Sperrung nicht überlebt. Deshalb erklärte sich die Stadt trotz der damit verbundenen Mehrkosten bereit, das Projekt in drei Bauphasen zu unterteilen. Im Frühsommer wurden die Hausanschlüsse in der Untergasse erneuert. Seit dem 4. August läuft der zweite Bauabschnitt. n Was wird gemacht? In den Straßen Untergasse und Amöneburger Tor erneuert die Stadt den Asphaltoberbau, legt die Gehwege neu an und wertet das Wohnumfeld durch gestalterische Eingriffe auf. Dazu gehören die Anpflanzung von Bäumen, Verweilflächen mit Ruhebänken und zwei Groß-Skulpturen des Münchner Bildhauers Heiko Börner, die ein Stadttor symbolisieren. Außerorts müssen die Fahrbahn der Straße Am Amöneburger Tor und der parallel verlaufende Radweg grundhaft erneuert werden. Zudem wird durch Hessen Mobil der als Lego-Kreisel bekannt gewordene provisorische Kreisel auf Normalmaß ausgebaut. n Wie hoch sind die Kosten? Die innerörtlichen Bauvorhaben Untergasse und Amöneburger Tor sind mit zusammen 390000 Euro veranschlagt. Davon tragen die Anlieger 195000 Euro und die Stadt 151000 Euro. Zusätzlich fließen Fördergelder in Höhe von 44000 Euro in das Projekt. Die außerörtliche Sanierung der Straße Amöneburger Tor schlägt mit 1,17 Millionen Euro zu Buche. Die Kosten trägt die Stadt. Der Ausbau des Kreisels kostet 410000 Euro. Der Anteil der Stadt liegt bei 110000 Euro. n Was ist bisher passiert? Der Kutter hat auf der Straße Amöneburger Tor dem maroden Fahrbahnbelag zwischen dem Abzweig Kläranlage und dem Baustellenende an der Gänseburg fast vollständig den Garaus gemacht. Außerorts wurden die ersten 200 Meter Fahrbahn vom Kreisel kommend pulverisiert. Am Kreisel wurde mit Ausnahme der weiter offenen Ausfahrt und Auffahrt zur B 62 der Fahrbahnbelag weg gefräst. Die Bauleute erweitern den Kreisverkehrsplatz derzeit in östliche und nördliche Richtung. n Wie kommt man in die Stadt? Es gibt zwei Optionen aus Fahrtrichtung Süden, die sich bei den gestrigen OP-Testfahrten zeitlich nicht viel nahmen. Wen es direkt in die Innenstadt zieht, ist mit der B-62-Ausfahrt Kirchhain Ost gut beraten. Wer im Westen Kirchhains zu tun hat, kann getrost auch die Ausfahrt Kirchhain West/Niederwald nehmen. Innerorts gab es noch nicht einmal den Anflug eines Staus. Der gebührenpflichtige Parkplatz an der Bahn war spärlich, der benachbarte kostenlose Parkplatz nahezu voll besetzt. Am Festplatz fanden sich nur noch an der Reithalle einige wenige Parkplätze. Die Stadt ist also alles andere als verwaist. Das zeigt auch der Blick auf den Marktplatz, in die Brießelstraße und auf die Bahnhofstraße. Große Ausnahme: die Untergasse. Trotz der Umleitungsmöglichkeit an der Gänseburg verirren sich nur wenige Autofahrer und Fußgänger auf die sonst so belebte Straße, die in das Amöneburger Tor einmündet. n Wie sind die Erfahrungen der Geschäftsleute? „Bis Samstag ging‘s, da waren wir von der Innenstadt aus erreichbar. Jetzt sind wir völlig abgeschnitten. Publikumsverkehr haben wir überhaupt keinen mehr“, sagt Michael Hoppe von Getränke Fey-Hoppe. Das Familienunternehmen ist wie ein benachbartes Sonnenstudio am äußersten Stadtrand Richtung Ohm angesiedelt und nur über das Amöneburger Tor erreichbar. „Jetzt müssen wir unseren Kunden die Getränke ins Haus bringen, auch wenn das mit großem Aufwand verbunden ist“, kommentiert er die schwierige Situation äußerlich gelassen. „Der Bürgermeister hat gesagt, die Straße ist von übergeordneten Interesse. Dem müssen wir uns fügen“, sagte er der OP. Gleichwohl hoffe er auf ein pünktliches Bauende bis Mitte November. Ähnlich gelassen äußert sich Hans-Joachim Herbener, Inhaber des vom Rathaus nur einen Steinwurf entfernten Fachgeschäfts Zweirad Herbener. „Anfangs war‘s problematisch, aber jetzt hat sich die Sache eingespielt. Die Kunden wissen jetzt, wie sie uns bequem über die Schnellstraße erreichen können, sagt Herbener, der Kunden aus einem großem Einzugsgebiet hat. Nach seiner Erfahrung sind Standort und Erreichbarkeit für Firmen, die besondere Qualität bei Waren und Dienstleistung böten, für Stammkunden zweitrangig. Und von diesen Geschäften gebe es viele in Kirchhain.Zu diesen gehört auch Raumdesign Nebe in der Untergasse. Trotzdem beklagt Gabriele Parsch, die das Geschäft seit viereinhalb Jahren führt, dass es in ihrem Laden derzeit „so ruhig ist wie noch nie.“ Ihre Stammkunden halten ihr trotz der Straßensperrung die Treue, aber ihr ist die Lauf- und Schaukundschaft weggebrochen. „Viele Kunden sahen vom Auto aus etwas Schönes in meinem Schaufenster und kamen in meinen Laden. Die bleiben nach der sechswöchigen Sperrung der Untergasse im Frühsommer nun schon wieder aus“, sagt sie und verhehlt nicht, dass ihr die baustellenbedingte Umsatzentwicklung Sorgen bereitet.

von Matthias Mayer

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