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"Kindertafel" bietet auch Hausaufgabenbetreuung

Soziales Engagement "Kindertafel" bietet auch Hausaufgabenbetreuung

Bei der "Kindertafel" gibt es inzwischen mehr als Essen: Die pensionierte Lehrerin Friedel Kropatscheck gibt den Jungen und Mädchen Nachhilfe und betreut sie bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben.

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Die pensionierte Lehrerin Friedel Kropatscheck hilft einem Mädchen bei den Hausaufgaben.Foto: Klaus Böttcher

Stadtallendorf. Zwei Mädchen aus der dritten Klasse kommen am Freitagnachmittag besonders gerne in die Räume der Kindertafel. Sie suchen Unterstützung beim Lernen. „Wir sind schon gut in der Schule, aber wir wollen noch besser werden“, berichtet das eine Mädchen, dem das andere sofort mit einem energischen Nicken beipflichtet - beide möchten, wie die anderen Kinder, die die Tafel besuchen, namentlich nicht genannt werden.

Die beiden Mädchen sind eine Ausnahme, denn die meisten Kinder lernen nicht unbedingt freiwillig, - da bilden „Tafelkinder“ gegenüber anderen Jungen und Mädchen keine Ausnahme. „Man hat immer das Gefühl, wenn sie da sind, macht es ihnen Spaß“, erzählt Friedel Kropatscheck und ergänzt: „Sie müssen von den Eltern geschickt werden, denn Kinder sehen den Sinn oftmals nicht.“

Friedel Kropatscheck ist pensionierte Lehrerin. Sie unterrichtete an mehreren Schulen, unter anderen auch an der Gesamtschule in Neustadt. Ihre Schwerpunkte Deutsch und auch Mathematik, allerdings ist Geografie ihr liebstes Fach - mit dem sie sich noch heute gerne beschäftigt. „Hobbymäßig“, wie sie erklärt.

Kropatscheck hat viel Erfahrung mit „Deutsch für Seiteneinsteiger“ gesammelt, zum Beispiel in der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund. „Ich möchte, dass die Kinder in Deutsch weiter kommen“, gibt sie als vorrangiges Ziel aus und ergänzt, dazu gehöre die gesprochene Sprache ebenso wie die Grammatik oder das Lesen.

In Svea Groß hat die erfahrene Lehrerin eine junge Helferin gefunden, die quasi in das Lehramt hineinschnuppern möchte: Sie hat gerade ihr Abitur abgelegt und möchte Lehramt studieren. „Sie macht das schon ganz prima“, lobt Kropatscheck die Abiturientin.

In erster Linie soll den „Tafelkindern“ nur bei den Hausaufgaben geholfen werden. Haben sie keine Hausaufgaben zu erledigen, dann gibt es andere Aufgaben. So hat Kropatscheck Blätter vorbereitet, die die Mädchen und Jungen bearbeiten können. Mit den älteren Kindern übt die pensionierte Lehrerin hauptsächlich Grammatik. Gemeinsam zu lernen erweist sich dabei allerdings zumeist als schwierig, weil Kinder von der ersten bis zur achten Klasse kommen. „Am besten geht es mit fünf bis sechs Kindern“, betont Kropatscheck.

Rita Vaupel als Vorsitzende der Marburger Tafel sowie Waltraud Dorn von der Kindertafel weisen besonders darauf hin, dass ihr Angebot keine Konkurrenz zu den kommerziellen Schülerhilfen sein soll. „In erster Linie sind wir als Tafel für die Lebensmittelbereitstellung da“, hebt Vaupel hervor. Und Waltraud Dorn ergänzt: „Bei der Arbeit haben wir gesehen, dass Bedarf da ist - und haben jemanden für unsere Tafelkinder gesucht. „Ich freue mich, dass das Projekt jetzt richtig angelaufen ist“, sagt Rita Vaupel und fügt hinzu: „Wir müssen sehen, wie es angenommen wird.“

Gerne würden die Verantwortlichen noch weitere Lehrer oder pensionierte Kollegen finden, die sich ehrenamtlich in der Kindertafel engagieren wollen, um Kropatscheck und Groß ein wenig zu entlasten. Das Angebot richtet sich an alle Tafelkinder - unabhängig von ihrer Herkunft. Unter dem Motto „Statt wegwerfen verteilen“ hatte die Marburger Tafel ihre Arbeit aufgenommen. Inzwischen gibt es rund 1800 „Kunden“, die regelmäßig zu den Ausgabestellen nach Marburg, Wetter, Gladenbach und Kirchhain kommen. Die Arbeit bewältigen 190 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Zur Kindertafel in Stadtallendorf kommen freitags mittlerweile 110 Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren, um Lebensmittel abzuholen.

von Klaus Böttcher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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