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Kinderspielzeug? Sicherlich nicht!

Modellbau-Kunst Kinderspielzeug? Sicherlich nicht!

Auf der Modellbaumesse in der Mehrzweckhalle in Stadtallendorf präsentierten Hobbybastler aus der Region den Besuchern ihre Welten in ganz eigenen Maßstäben.

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Werner Siebert zeigt sein Modell des britischen Schlachtschiffs „H.M.S. Rodney“. Das Original wurde 1948 abgewrackt.

Quelle: Maik Drossel

Stadtallendorf. „Ich habe schon immer eine Eisenbahn zu Hause gehabt“, erklärt Peter Ulrich, der Initiator der Interessengemeinschaft Modellbau Stadtallendorf (IGM), während er die größte Modelleisenbahnanlage - die Clubanlage - des IGM-Stadtallendorf vorstellt. Neun mal zwei Meter misst die Anlage, auf der eine Welt nach ganz eigenen Maßstäben erschaffen wurde. Für die Mobilität deren „Bürger“ sorgen Eisenbahnzüge unterschiedlicher Epochen im Maßstab H0-Modellbahn, die vor einem phantastisch gestalteten Wald ihre Kreise ziehen.

Die Interessengemeinschaft Modellbau Stadtallendorf ist eine Untergruppe des Verkehrsvereins und der Veranstalter der Messe. Der Fantasie und den Möglichkeiten auf der Modellbaumesse in der Mehrzweckhalle in Stadtallendorf scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. So reihen sich neben Modelleisenbahnen und Miniatur-Lkw auch Fahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, mittelalterliche Segelschiffe, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Feuerwehrautos und Schlachtschiffe ein.

Modellbauliebhaber kamen aus ganz Hessen

Aus ganz Hessen sind Modellbauliebhaber gekommen, um die Ergebnisse ihrer Leidenschaft den Besuchern zu präsentieren. „Das Ziel ist eine breite und gemischte Ausstellung“ sagt Peter Ulrich, um jede Zielgruppe anzusprechen. Besucher bekamen hier nicht nur die Möglichkeit, die vielen detailreichen Arbeiten zu bestaunen, sondern auch diverse Bausätze, Miniaturen oder die passende Lektüre zum jeweiligen Thema zu kaufen. Zudem bot die Messe viele verschiedene Dioramen. Dioramen sind stehende Schaukästen, in denen Miniaturfiguren vor einem bemalten Hintergrund eine bestimmte Szene darstellen.

„Den Gestaltungsmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt“ erklärt Christian Ochs, als er gerade den Kotflügel für das Wehrmachtgeschütz 8,8 mm mit der aus USA stammenden Airbrushtechnik einsprüht. Er baut hauptsächlich Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg, „da hat man sehr viele interessante Farbschemen, aber man benötigt auch das nötige Fingerspitzengefühl.“

4500 Stunden Arbeit

Sehr viel Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld benötigte der ehemalige Lehrer Winfrid Bender bei seinen mittelalterlichen Segelschiffen. 30 bis 40 Stunden saß er an der Nähmaschine, um für sein vorerst letztes Modell, der „Royal William“ die Segel zu nähen. Das englische Linienschiff im Maßstab 1:72 hat den Hobbybastler knapp 2500 Stunden beschäftigt. „Das kann man als Außenstehender gar nicht würdigen“, bemerkt ein Besucher, als Winfried Bender von den 17 Konstruktionsplänen für das Modell spricht, die er noch mit der entsprechenden Literatur abgeglichen hat, damit auch jedes Detail sitzt. Ebenso eindrucksvoll und detailreich ist das Royal Navi Schlachtschiff „H.M.S. Rodney“ mit einem Maßstab von 1:100 und 1350 Mann als Miniaturbesatzung von Werner Siebert.

Christoph Schwalm kann einen kleinen Maschinenpark sein Eigen nennen und hat mit diesem rund 4500 Stunden an seinem Selbstfahrgeschütz M107 gearbeitet. An dem Modell im Maßstab 1:8, welches zum größten Teil aus Aluminium besteht und 40 Kilo auf die Waage bringt, ist jedes Teil handgemacht. Es besitzt eine Hydraulikpumpe, und es kann sogar fahren.

Von Klein bis Groß ist unter den Besuchern alles auf der Stadtallendorfer Ausstellung vertreten. „Das alles ist jedoch kein Kinderspielzeug“, betont Peter Ulrich. Das ist ein Gedanke, der sich angesichts des enormen Aufwands, den die Modellbauer für ihr zeit- und kostenintensives Hobby betreiben, von selbst verbietet.

von Maik Drossel

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