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Kicker begannen auf Jungviehweide

100 Jahre SVG Kicker begannen auf Jungviehweide

"Fest geschlossen wollen wir zusammenstehen, dann wird es im nächsten Jahr auch vorwärts gehen." So steht es im Vereinslied des SV Großseelheim - und so soll es auch in Zukunft bleiben.

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Die Meistermannschaft des Jahres 1955 sorgte für den größten Erfolg der Großseelheimer Vereinsgeschichte.Privatfoto

Großseelheim. Die Liste der Grußworte in der Festschrift des SV Großseelheim (SVG) ist lang, die Verfasser reichen von Vorsitzendem Ludwig Klingelhöfer bis zu DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Eines der Komplimente stammt jedoch aus der Feder des ehemaligen Spielers Stefan Braß, der über den SVG sagt: „Durch den familiären Charakter gelingt es (...), höherklassige Trainer und Spieler (...) zu gewinnen und den Verein zu einer echten sportlichen Alternative zu entwickeln.“

Und genau darauf sind die Verantwortlichen bei den Grün-Weißen stolz: Zum einen bieten sie ihren rund 500 Mitgliedern in den Abteilungen Fußball, Basketball und Turnen (inklusive Gymnastik) die Möglichkeit, Sport zu machen, Spaß zu haben und Mitbürger zu treffen, gleichzeitig sorgen sie dafür, dass die Anhänger gutklassige Spiele verfolgen können: „Wir haben es immer wieder geschafft, als kleiner Verein auf überregionaler Ebene unsere Spuren zu hinterlassen“, erklärt Werner Löber, der zweite Vorsitzende des SVG.

Jene Spuren finden sich zum Beispiel in der Zweiten Amateurliga Gießen-Marburg wieder, in die Großseelheim im Jahr 1955 aufgestiegen war (und sich dort vier Jahre lang halten konnte). „Das war der sportliche Höhepunkt unserer Geschichte“, betont Löber, dessen Vater Georg zu der legendären Mannschaft der damaligen Zeit gehörte und noch heute darüber berichtet, wie die Duelle mit einzelnen Gegenspielern verliefen, die es später in die Annalen des Fußballsports schafften.

Als unumstrittenen Höhepunkt der Vereinsgeschichte bezeichnet der zweite Vorsitzende derweil den Ausbau des Rotenberges zum Sportplatz. Da in damaliger Zeit nicht mit öffentlichen Mitteln zu rechnen war, krempelten die Großseelheimer anno 1946 die Ärmel hoch und machten sich daran, rund 6000 Kubikmeter Faulfels zu bewegen. „Das ist heutzutage nahezu unvorstellbar“, kommentiert Löber voller Bewunderung. Zwei Jahre später hatten sie die knüppelharte Arbeit beendet und weihten ihren Sportplatz ein.

Die Geschichte des Vereins beginnt allerdings bereits im Jahr 1913: Unter Leitung des Lehrers Richard Hinz wurde der Turnverein Großseelheim aus der Taufe gehoben - ein Jahr später kam der Betrieb allerdings aufgrund des Beginns des Ersten Weltkrieges wieder zum Erliegen. Unter Federführung der Lehrer Willi Lefaß und Konrad Geisel nahmen die Großseelheimer im Jahr 1919 den Sportbetrieb aber bereits wieder auf.

Vier Jahre später kam es dann zur Gründung der Fußballabteilung, als deren Leiter Konrad Schröder fungierte. Damals kickten die Großseelheimer auf einer Jungviehweide - ein Zustand, der bis ins Jahr 1948 bestehen blieb. „Im Jahre 1932 wollte man im Rahmen der Arbeitslosenbetreuung schon einmal den Rotenberg zum Sportplatz ausbauen. Die Erdarbeiten waren jedoch zu gewaltig und Mittel in zu geringem Maß vorhanden“, heißt es in der Chronik.

Im Jahr 1973 nahm der SVG den Ausweichplatz an der Ohm in Betrieb. Die Stadt errichtete am Rotenberg 1977 einen Hartplatz, die Vereinsmitglieder machten sich derweil daran, in Eigenleistung ein Vereinsheim zu bauen.

Anfang der 1990er Jahre gründeten die Großseelheimer die Gymnastik- und die Kinderturngruppen, zehn Jahre später folgte die Basketballabteilung. Im Jahr 2008 wandelten sie den Hartplatz wieder in einen Rasenplatz um - da wundert es kaum, dass der SVG ein Jahr später innerhalb von einer Woche den Aufstieg der Senioren in die Kreisoberliga und die Kreismeisterschaft der C-Jugend-Kicker feiern durfte.

Doch bei allem Sonnenschein gibt es auch in Großseelheim etwas Schatten: Bauten sich die Vereinsmitglieder einst ihren Sportplatz selbst, so vermisst nicht nur Löber heutzutage die Bereitschaft der Bürger, sich einzubringen und zu engagieren. Ein deutliches Zeichen ist, dass der Verein im Jahr seines 100-jährigen Bestehens noch nicht einmal alle Vorstandsposten besetzt hat.

Vielleicht sorgen die am Samstag mit der Totenehrung und einem Festkommers beginnenden Feierlichkeiten ja für einen Sinneswandel.

Zu hoffen wäre es, denn wie sagt Braß doch so schön in seinem Grußwort? „Ich wünsche dem SVG, dass er in Zukunft weiterhin von Menschen unterstützt wird, die großes Engagement für den Verein leisten und weiterhin auf die Jugend bauen. Dabei müssen die anderen Abteilungen ebenso flexibel mitentwickelt werden, denn Sport als wichtiger Faktor unserer Gesellschaft ist mehr als Fußball.“

Termine:

Samstag, 9. März: Totenehrung am Friedhof (18 Uhr), Festkommers im Bürgerhaus (19.30 Uhr); Montag, 20. Mai: Kreispokalendspiele der Jugend am Sportplatz; Samstag, 15. Juni (Termin ist noch nicht sicher): Jedermannturnier; Freitag, 28. Juni: Oldieabend am Festplatz (wo die Burschenschaft einen Tag später ein Burschenschaftstreffen ausrichtet, sodass ein Großseelheimer Festwochenende entsteht); Sonntag, 30. Juni: Festzug durch den Ort; Sonntag, 7. Juli: Blitzturniere Senioren; Sonntag, 28. Juli: Saisoneröffnung und Dämmerschoppen am Sportplatz; Freitag, 30. August: Mitternachtsturnier Alte Herren.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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