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Keine Zigarette? Faustschlag ins Gesicht

Aus dem Amtsgericht Keine Zigarette? Faustschlag ins Gesicht

Glimpflich kam ein Stadtallendorfer davon, der sich vor dem Kirchhainer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten hatte.

Kirchhain. Die Staatsanwalt warf dem 26-jährigen Angeklagten vor, im November 2013 am Rande eines Disko-Abends im Ostkreis gegen 2.30 Uhr einem gleichaltrigen Mann mit dem Bierglas ins Gesicht geschlagen zu haben. Dabei zog sich das Opfer eine Nasenfraktur, eine leichte Gehirnerschütterung, eine Platzwunde, Schürfwunden und Prellungen zu.

Der Angeklagte gab an, stark betrunken gewesen zu sein. „Es gab einen Schlag. Ich kann mich nicht erinnern, ein Glas genutzt zu haben“, sagte er. Ebenso wenig wisse er, warum er das ihm unbekannte Opfer geschlagen hatte. Dagegen reportierte der Angeklagte ausführlich über sein Trinkverhalten an jenem Abend: Vorglühen bei ihm zu Hause mit Schnaps, Apfelwein und Bier beim Diskoabend. Letzteres wurde gleich körbchenweise ausgeben und vom Angeklagten konsumiert. Nach dem Vorfall habe ihn sein Begleiter weggezogen und gemeinsam das Fest verlassen.

Die fragmentarischen Erinnerungen des Angeklagten kamen Amtsgerichtsdirektor Edgar Krug komisch vor. Ein Filmriss bedeute: Licht aus! Aber der Angeklagte wisse noch, was er wann getrunken und wie er das Gelände verlassen habe, merkte der Richter an.

Die Erinnerungslücke bezüglich des Einsatzes des Bierglases als Waffe kam dem Angeklagten durchaus zupass. Wird ein Schlag mit einem „gefährlichen Gegenstand“ ausgeführt - und dazu gehört ein Bierglas - spricht die Strafgerichtsbarkeit von einer „Gefährlichen Körperverletzung“, die mit Freiheitsstrafen zwischen 3 Monaten und 10 Jahren geahndet wird. Ohne den Einsatz von Waffen oder „gefährlichen Werkzeugen“ wird nach einer Schlägerei ohne schwerwiegende Folgeschäden in der Regel auf Körperverletzung erkannt. Strafmaß: Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Opfer: „Für michist die Sache erledigt“

Der Angeklagte bereute seine Tat ausdrücklich und glaubhaft. Im Vorfeld der Verhandlung hatte der junge Mann bereits tätige Reue geübt, dem Opfer Schmerzensgeld sowie die Anwaltskosten bezahlt: 1300 Euro. Sein Verteidiger Heinrich Immel nahm die außergerichtliche Einigung bei den zivilrechtlichen Ansprüchen zum Anlass, die Einstellung des Verfahrens anzuregen - noch vor der Vernehmung des ersten Zeugen. Das machte Amtsanwältin Grün, die die Staatsanwaltschaft vertrat, nicht mit.

Das Opfer konnte zu der entscheidende Frage, ob der Angreifer ein Bierglas als Schlagwaffe benutzt habe, nichts sagen. „Mein Erinnerungsvermögen setzt erst wieder ein, als ich im Krankenwagen erwachte. „Für mich ist die Sache erledigt“, sagte er, der die Entschuldigung des Angeklagten großzügig mit den Worten „kann mal passieren“ akzeptierte.

Die Aussage einer 21-jährigen Zeugin brachte zumindest teilweise Licht ins Tatgeschehen. Sie habe mit dem Angeklagten und dessen Begleiter am Imbisswagen gestanden und dann das spätere Opfer herangewunken. Das Duo habe von ihrem Bekannten Zigaretten schnorren wollen. Als dieser das ablehnte, habe der Angeklagte unvermittelt mit einem Bierglas in der Hand zugeschlagen. Ob das Glas das Gesicht des Angeklagten getroffen hatte, wusste auch sie nicht zu sagen. Auch die Bedienung des Imbisswagens brachte das Gericht in dieser Frage nicht weiter.

Damit war die gefährliche Körperverletzung vom Tisch. Amtsanwältin Grün beantragte eine Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung. Beim Strafmaß berücksichtigte sie die Reue des Angeklagten und die Schadenswiedergutmachung. So beantragte sie eine Geldstrafe unter Vorbehalt in Höhe von 60 Tagessätzen à 60 Euro. Das bedeutet: Lässt sich der Angeklagte während der zweijährigen Bewährungszeit nichts zu schulden kommen, entfällt die Strafe. Bewährungsauflage: 800 Euro für eine gemeinnützige Organisation.

Edgar Krug sprach von einem maßvollen und passgenauen Antrag der Staatsanwaltschaft und setzte diesen im Urteil exakt um.

Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.

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