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Keine Rechtsmittel gegen lange Haftstrafe

Raub und Drogenhandel Keine Rechtsmittel gegen lange Haftstrafe

Über einen langen Zeitraum mischte ein Brüderpaar in der Stadtallendorfer Drogenszene mit. Jetzt wurden sie gemeinsam verurteilt.

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Auf diesem Spielplatz in der Mozartstraße ereignete sich der Überfall der Brüder auf einen 19-jährigen Kunden. Archivfoto: Yanik Schick

Stadtallendorf. Wie die Beweisaufnahme an drei Verhandlungstagen vor der 1. Großen Strafkammer des Marburger Landgerichts ergab, war ein 36-Jähriger der Kopf des Duos. Er besorgte den Stoff - Canabis und Marihuana - und versteckte ihn. Sein an einer psychischen Erkrankung leidener 42-jähriger Bruder versah Handlanger-Dienste, radelte durch Stadtallendorf und lieferte den Stoff bei den Kunden ab. Unter den Abnehmern befanden sich auch Minderjährige. Beide Brüder sind Drogenkonsumenten, beide sind geständig.

Hinzu kam ein Überfall auf einen ihrer Kunden im Sommer 2015, der ihnen 60 Euro schuldete und dem sie vorwarfen, eine Tabakdose gestohlen zu haben. Sie bedrohten ihren Schuldner auf einem Spielplatz mit zwei Küchenmessern und erzwangen von diesen die Herausgabe eines Smartphones, eines Feuerzeugs und von 30 Euro.

Vor Abschluss der Beweisaufnahme hatte Gutachter Dr. Rolf Speier, Leiter der Forensischen Psychiatrie in Haina, dem Älteren der beiden Brüder eine paranoid halluzinatorische Schizophrenie attestiert, die immer dann psychotische Ausmaße annehme, wenn sie nicht medikamentös behandelt werde. Zudem dürfe der permanente Drogenmissbrauch sowie die verminderte Intelligenz, die sicherheitshalber doppelt getestet wurde, zu einer Schuldminderung führen.

Angeklagter soll imHeim betreut werden

Speier empfahl der unter Vorsitz von Richter Gernot Christ tagenden Kammer, den Angeklagten in der Anstalt in Witzenhausen, wo er derzeit betreut wird, unter Auflagen zu belassen. Je größer der Abstand zu Stadtallendorf und dem Bruder, umso weniger sei der Patient gefährdet.

Vor den Plädoyers verlas Gernot Christ den Auszug aus dem Bundeszentralregister. Dieser war für den 42-Jährigen blank. Der 36-Jährige hatte zwischen 2008 und 2011 vier Vorstrafen kassiert - allerdings nicht einschlägiger Art.

Staatsanwalt Sebastian Brieden sah die den Angeklagten vorgeworfenen Taten als erwiesen an. Der Überfall und die Bedrohung mit Küchenmessern seien ebenso unstrittig, wie der Besitz und der Handel mit Betäubungsmitteln. Brieden beantragte, den Älteren wegen wegen räuberischer Erpressung, unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln und vorsätzlicher Körperverletzung zu verurteilen. Er erkannte die verminderte Schuldfähigkeit des 42-Jährigen an und beantragte für diesen eine zweijährige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden soll und die Fortsetzung der Heimunterbringung in der Witzenhäuser Einrichtung. Der 42-Jährige wurde auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, weil er eingeräumt hatte, während des Überfalls dem 19-jährigen Stadtallendorfer einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben.

Dagegen beantragte der Staatsanwalt, den geständigen und voll schuldfähigen jüngeren Angeklagten wegen räuberischer Erpressung und des unerlaubten Besitzes und unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten zu verurteilen.

Rechtsanwältin Irma Lomen, die den 42-Jährigen seit Jahren betreut, zeigte sich mit dem beantragten Strafmaß für ihren Mandanten zufrieden. Rechtsanwalt Bernhard Schroer beantragte, die den Überfall betreffende Einzelstrafe seines 36-jährigen Mandanten um ein Jahr zu mindern.

Die Kammer folgte im Urteil für den 42-Jährigen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Den 36-Jährigen verurteilte das Gericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Gernot Christ betonte während der Urteilsbegründung die Schwere der Taten, die sich nicht bagatellisieren ließen.

Das Urteil erlangte durch Rechtsmittelverzicht sofort Rechtskraft.

von Heinz-Dieter Henkel

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