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Kein Breitband-Internet für Mengsberg

Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH Kein Breitband-Internet für Mengsberg

Als die "Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH" in Neustadt ihr Projekt vorstellte, klappten die Kinnladen von Bürgermeister Thomas Groll und allen Mengsbergern herunter.

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Das Glasfasernetz der „Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH“ reicht voraussichtlich nicht bis nach Mengsberg.

Quelle: Nikola Ohlen

Mengsberg. 95,4 Prozent aller Haushalte des Landkreises Marburg-Biedenkopf will die Breitband GmbH mit schnellem Internet von 25 bis 50 Mbit/s versorgen. Über Glasfaser soll die Versorgung funktionieren - das entsprechende Netz muss vielerorts noch verlegt werden. Für Mengsberg sind die notwendigen Erdarbeiten für November geplant, die Inbetriebnahme ist für August 2015 vorgesehen. So steht es auf der Internetseite der „Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH“.

Doch Pustekuchen: In der vergangenen Woche erfuhren die Mengsberger, dass sie nicht in den Genuss von Internet aus der Glasfaser kommen werden. Ein Sprecher habe erklärt, dass das Netz aus baulichen Gründen nur bis Momberg nutzbar sei, berichtete Björn Wolfig, der stellvertretende Ortsvorsteher, und ergänzte: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein so zukunftsorientierter Ort wie Mengsberg, der bereits viele nachhaltige Prozesse gemeinsam angestoßen hat, einfach nicht berücksichtigt wird. (...) Der Breitbandanschluss ist für Orte, welche in Zukunft eine lebenswerte Umgebung bieten wollen, unumgehbar.“

Telekom bietet schon 16 Mbit/s

Die Internetversorgung sei im Vergleich zu anderen Orten bereits recht schnell und Mengsbergs entsprechend „nicht abgehängt“, entgegnet Dr. Markus Morr, der Pressesprecher des Landkreises, und betont, dass die Telekom dort bereits eine Ausbaustufe von 16 Mbit/s erreicht habe - auch der Geschäftsführung der „Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH“ sei während der Bürgerversammlung erstmals deutlich geworden, dass die Telekom es bei „dieser schon sehr guten Versorgung“ belassen will.

„16 Mbit/s? Dann würde doch keiner was sagen“, ärgert sich Ortsvorsteher Karlheinz Kurz über diese Aussage. Die Versorgung liege bei zwei bis acht Mbit/s, sein Nachbar habe sogar nur ein Mbit/s. „Die Versorgung läuft über ein Kupferkabel - das war uns lieber als WLAN, was wir früher hatten“, ergänzt er und spricht von einer „erschütternden Nachricht“ für Mengsberg: „Auf der einen Seite wird man in den Himmel gelobt und bekommt eine Goldmedaille. Auf der anderen Seite will man uns abkoppeln.“

Bürgermeister Thomas Groll, der einst trotz größter finanzieller Nöte 11000 Euro für die DSL-Versorgung des Dorfes im Haushalt lockergemacht hatte, hat die Nachricht der Breitband GmbH auch noch nicht verkraftet: 95 Prozent aller Haushalte sollten versorgt werden: „Ich ging davon aus, dass die fehlenden fünf Prozent außenliegende Gehöfte und Kleinstsiedlungen sind.“ Von einem ganzen Stadtteil, der hinten runterfalle, sei nie die Rede gewesen. Noch dazu störe ihn die Einschätzung der GmbH, die sich auf EU-Richtlinien beziehe: „Auch wenn wir nach Ansichten der EU schon als versorgt gelten, befinden wir uns ohne Ausbau in Mengsberg im Vergleich am untersten Level.“ Angesichts von 44000 Euro, die die Stadt Neustadt in die Breitband GmbH investiert hat, könne es nicht sein, „dass ein kompletter Stadtteil möglicherweise von der Entwicklung abgekoppelt wird“.

Bürgerinitiative geplant

Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen und der Stand noch nicht endgültig, betont Morr gegenüber dieser Zeitung. Die Breitband GmbH wolle mit der Telekom noch Gespräche führen: „Auch wenn die Internetversorgung in Mengsberg schon vergleichsweise schnell ist, dann soll das nicht heißen, das sie nicht noch schneller werden kann.“

Alternative Lösungen sind zumindest für Wolfig kein Thema: „Wenn Glasfaserkabel, dann auch in Mengsberg.“ Sollte im Dorf die Versorgung über Nahwärme umgesetzt werden - ein Projekt, mit dem sich die Mengsberger seit einigen Jahren beschäftigen - könnten die Glasfaserkabel mit der Nahwärmeleitung verlegt werden. Der SPD-Mann hat auch schon den Kontakt zu seinem Bundestagsabgeordneten gesucht. Groll und Kurz, die Landrätin Kirsten Fründt und die GmbH angeschrieben haben, wollen indes eher parteiunabhängig agieren: „Wir haben gemeinsam und fernab von Parteipolitischem viele Anliegen umgesetzt. Das sollten wir auch diesmal so machen“, sagt Kurz und verweist auf eine geplante Bürgerinitiative „Pro Breitband Mengsberg“. Listen, auf denen sich Interessierte eintragen können, liegen bei Lebensmittel Nass und in der Bäckerei Schröder aus. Kontaktpersonen sind Kurz, Wolfig und Karl-Heinz Waschkowitz.

Dies sei nicht nötig, kommentiert Klaus Bernhardt, der Geschäftsführer der Breitband GmbH und ergänzt: „„Der Wunsch der Mengsberger, die gleiche Internetgeschwindigkeit wie alle anderen Ortsteile im Landkreis zu erzielen, ist nachvollziehbar, wobei die heutige Versorgung auch schon sehr weit über dem jetzigen Durchschnitt ländlicher Räume liegt. Die Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH wird alles in ihren Möglichkeiten liegende tun, um eine Gleichstellung zu erreichen.“(Grafik: Nikola Ohlen)

- Nach Angaben Morrs gibt es neben Mengsberg noch ein weiteres Problemkind: Katzenbach im Hinterland könne nicht direkt über Glasfaserkabel, sondern müsse über einen Nachbarort versorgt werden - entsprechend werde es dort auch keine Spitzenleistungen geben: „Aber das Internet ist trotzdem schnell.“ Zum Vergleich: Katzenbach hat um die 30 Einwohner, Mengsberg rund 900.

von Florian Lerchbacher

Ein Kommentar von Florian Lerchbacher: Dorf mit Zukunft?

Mengsberg ist ein Dorf mit Zukunft. Beweis ist die Goldmedaille des gleichnamigen Bundeswettbewerbes. Um zukunftsfähig zu sein, ist allerdings eine schnelle Internet-Anbindung unumgänglich – für das Berufs- aber auch das Privatleben. Wie kann sich die Breitband GmbH erdreisten, ein ganzes Dorf von ihrem Projekt auszuklammern? Beziehungsweise: Wie dilettantisch ist die Planung, dass sie erst während der Infoveranstaltung davon erfahren haben will? So verbaut sie Mengsberg die Zukunft und macht vieles zunichte, was die Bürger auf die Beine gestellt haben.
Und was ist das für eine Art, einen Stadtteil nach jahrelanger Ankündigung des Projektes damit zu konfrontieren, dass er als einziger nicht in den Genuss kommt? Im Internet stehen sogar die Daten, wann der Ausbau des Netzes in Mengsberg umgesetzt wird ... Das ist Volksverarschung.     

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