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Kapelle zeigt ihre große Bandbreite

50-jähriges Bestehen Kapelle zeigt ihre große Bandbreite

Mit Märschen und Polkas verwöhnte die Hessische Trachtenkapelle Wohratal bei einem "Böhmischen Abend" ihre Gäste im restlos ausverkauften Bürgerhaus.

Wohra. Es seien nur noch Stehplätze zu haben, sagte man an der Kasse und das stimmte. Wer zu spät kam, der musste mit den kleinen Stehtischen vor dem Tresen vorlieb nehmen und selbst dort herrschte mit den ersten Klängen des Egerländer Musikantenmarschs, womit der Abend eröffnete, großer Andrang. Rund 300 Sitzplätze hatten die fleißigen Helfer der Trachtengruppe gestellt. Viel mehr lässt das Bürgerhaus nach dem Umbau nicht mehr zu.

Die Bühne voll besetzt mit 25 Musikerinnen und Musikern der aktuellen Trachtenkapelle in ihrer typischen „Freizeitberufungskleidung“. Unter ihrem musikalischen Leiter Manuel Schäfer folgten in bunter Folge mehr oder minder bekannte Märsche, Polkas und Walzer aus dem Böhmerland.

Von Kompositionen von Ernst Mosch bis zu aktuelleren Stücken von Norbert Gälle und Rudi Fischer reichte die Bandbreite der ausgewählten Stücke, die mit erstaunlicher Sicherheit und Klangfülle präsentiert wurden. Ungewöhnlich war, dass bei der Wohrataler Trachtenkapelle mit Lara Gaertner eine Frau den Takt vorgibt, die mit einem kleinen Solo brillierte.

Die musikalische Auswahl schien genau den Geschmack des Publikums getroffen zu haben. Mal klatschte es im Takt, mal schunkelte es mit und bei zwei Stücken waren die Besucher so begeistert, dass sie nicht wie meist nur mitsummten, sondern gar mitsangen. „So gut waren wir nie“, zollte der Ernsthäuser Harald Ludwig, der selbst eine Zeit lang in der Trachtenkapelle mitmusizierte, dem aktuellen Ensemble Respekt und Anerkennung.

Unterbrochen wurde der musikalische Reigen nur einmal, als die Kapelle mit einem Beatles- Medley und einem durch Frank Sinatra bekannten Chanson in andere musikalische Sphären abschweifte. Eindrucksvoll auch der Bolero mit einem Solo für die (zwei) Trompeten von Julia Kräling und Peter Zulauf. Kurze Pausen entstanden, als die das Programm moderierenden Achim Homberger, Georg Schmidt, sowie Peter und Gerhard Zulauf, über den eigentlichen Anlass der Veranstaltung - das 50-jährige Gründungsjubiläum der Trachtenkapelle - berichteten.

Eine Riesenpfeife begleitet seit Jahrzehnten

Anfänglich mit nur wenigen Musikern, eher ein Anhängsel der Trachtengruppe, die Jahrzehnte lang in Emmi und Erwin Hofmann ihre Stützen hatte, mauserte sich die reine Männergruppe zur gemischtgeschlechtlichen Kapelle. Von Dänemark bis Italien und von Portugal bis Ungarn reichten die Reisen und Begegnungen zu anderen Folkloremusikern, meist zusammen mit den Trachtentänzern.

Ein Mitbringsel aus der Anfangszeit war eine französische Riesenpfeife, welche Gerhard Zulauf stolz emporreckte und die die Gruppe nun schon seit Jahrzehnten begleitet. Nachdem man zunächst im Hessenkittel aufgetreten war, gab es eine unverwechselbare, trachtenähnliche eigene Kleidung. Als es einige kälteempfindliche Musiker forderten, kam noch eine bergmannsähnliche Mütze hinzu, die im Zuge der Langhaarmodeentwicklung der 70er Jahre nicht so recht sitzen mochte und auch sonst auf wenig Gegenliebe stieß. Als bei einer Hessentagsveranstaltung dann gefragt wurde, woher denn die türkische Blasmusikgruppe komme, war das Kapitel Kopfbedeckung endgültig beendet.

Ab sofort bereitet die Trachtenkapelle ihr Jubiläumswochenende vom 28. bis 30. Juni dann an der Hofreite in Wohra vor.

von Heinz-Dieter Henkel

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