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Junger Mann mit klaren Ansichten

Schülervertreter Junger Mann mit klaren Ansichten

Er kritisiert das Bildungssystem, mahnt soziale Ungerechtigkeiten an und kann das politische Desinteresse vieler Menschen nicht nachvollziehen. Für Lasse Lowak gibt es einiges zu verbessern.

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Lasse Lowak – hier bei der Bundesschülerkonferenz in Stuttgart – scheut sich nicht, seine Meinung zu sagen. Privatfoto

Schönbach. Für seine 18 Jahre hat Lasse Lowak bereits überraschend deutliche politische Ansichten. Doch während viele Mitmenschen sich mehr aufs Kritisieren und weniger aufs Handeln konzentrieren, ist der angehende Abiturient der Alfred-Wegener-Schule auch bereit, sich für seine Ansichten und Veränderungen einzusetzen. Der junge Mann war nicht nur viele Jahre lang Klassen- und Schülersprecher, sondern vertrat zudem den Landkreis Marburg-Biedenkopf im Landesschülerrat Hessen, war Landesvorstandsmitglied und Abgeordneter für Bundesangelegenheiten. Für dieses Engagement nahm er nun eine von Ralph Lorz unterschriebene Urkunde entgegen -was den Schönbacher aber nur zu einem Kopfschütteln verleitet: Hessens Kultusminister habe dem Landesschülerrat keine Beachtung geschenkt und gegen ihn gearbeitet: „Da ist es etwas paradox, dass er meine Urkunde unterschrieben hat.“

Lowak ist eben keiner, der die Welt hinnimmt, wie sie ist, sondern auch den Mund aufmacht. So kritisiert er beispielsweise das deutsche Bildungssystem, das den Forschungsergebnissen hinterherhinke. Die Kategorisierung von Schülern nach der vierten Klasse sei überholt: „Die Gemeinschaftsschule ist in Skandinavien ein Erfolg.“ Es sei wichtig für Kinder und Jugendliche, mit Menschen aus anderen sozialen Schichten zusammenzukommen und quasi für das Leben zu lernen. In Deutschland stehe die Produktivität der Menschen zu sehr im Vordergrund: „Wir handeln daher weniger gemeinschaftlich.“ Seiner Ansicht sei es dringend notwendig, sich vom Konkurrenzdenken zu lösen.

„Sozial“ ist für den 18-Jährigen ein wichtiges Stichwort. So plädiert er auch für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, ein größeres Budget für die Bildung und eine Umverteilung der Gelder generell. Vor ­allem aber würden Prioritäten oftmals falsch liegen: „Für viele Sachen wäre eigentlich das Geld da - sie sind nur politisch nicht gewollt.“

Als Beispiel nennt er die ausschließlich durch Spenden finanzierten Kirchhainer Stolpersteine - für deren Verlegung er sich in einer kleinen Gruppe engagierte, die mit dem Fortschritt des Projektes stetig wuchs. „Die kritischen Jahre der Geschichte wurden in Kirchhain nicht genug aufgearbeitet. Das wollten wir ändern. Jeder Mensch hat schließlich das Recht, dass man sich an sie erinnert“, erklärt Lowak. Dass Kirchhainer Bürger den Impuls von Schülern und Lehrern aufgriffen, zeige, wie praktisch Schule geworden ist: „Bildung kann eben vieles bewirken. Die ,großen Daten‘ der Geschichte sind viel berührender, wenn wir sie mit lokalen Geschehnissen und Personen in Verbindung bringen.“

Dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerate, sei vor allem vor „dem Hintergrund der wieder aufkeimenden rechten Kultur“ notwendig - wobei Lowak betont, dass „im Kleinen“ nationalsozialistische Tendenzen in der Gesellschaft stets ­weiterexistiert hätten.

Mehr als drei Jahre hat er sich nun bereits für das Stolperstein-Projekt eingesetzt - sowohl privat als auch als „besondere Lernleistung“ in der Schule. Dort schreibt er eine Arbeit zum Thema, die mit dem Abitur und Ende seiner Schulzeit im Sommer aber ob der Fülle an zusammengetragenen Informationen noch lange nicht fertig sein werde. Und so plant Lowak, das kommende Jahr zu nutzen, um sie zu vollenden: „Das Thema lässt mich einfach nicht mehr los.“ Erst wenn die Ausarbeitung abgeschlossen sei, könne er sich dem nächsten Schritt in seinem Leben widmen: Er möchte Philosophie in Berlin studieren - und vor allem etwas bewirken. Entsprechend könne er die „politische Verdrossenheit“ seiner Generation nicht verstehen.

von Florian Lerchbacher

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