Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Junge Männer rufen rechte Parolen

polizei Junge Männer rufen rechte Parolen

Zeugen berichteten der Polizei von zwei Vorfällen am späten Freitagabend. Eine Gruppe von bis zu fünf Jugendlichen soll im Gendalweg Naziparolen gerufen haben.

Wohratal. Am vergangenen Freitag riefen vier bis fünf Jugendliche gleich zweimal rechtsradikale Parolen. Nach Angaben von Zeugen erfolgten die Rufe um 22.25 und 23.40 Uhr im Gendalweg. Nach dem zweiten Vorfall traf ein Zeuge in Höhe der Wohra auf die Gruppe, die sich anschließend in Richtung der Straße Am Hasenleister entfernte. Eine genauere Beschreibung der Täter gibt es nicht. Noch in der Nacht zum Samstag gab es laut Polizeisprecher Jürgen Schlick eine intensive Fahndung und Zeugenbefragungen. Gestern führte die Abteilung Staatsschutz der Kriminalpolizei Marburg die Ermittlungen vor Ort fort. Konkrete Ergebnisse gab es gestern noch nicht.

Der Staatsschutz ermittelt wegen „des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.“ Zumeist fallen unter diesen Straftatbestand Schmiereien und andere Sachbeschädigungen. „Verfahren wegen Rufen von rechten Parolen sind eher die Ausnahme“, sagt Polizeisprecher Schlick. Die Polizei nehme solche Vorfälle generell sehr ernst und hoffe jetzt darauf, dass sich weitere Zeugen meldeten. Bürgermeister Peter Hartmann reagierte gestern entsetzt auf das Ereignis, dass naturgemäß schnell wenn auch in unzutreffender Weise wieder an den Vorfall im Januar am Asylbewerberheim erinnerte. „So etwas konterkariert leider alles, was sich in unserer Gemeinde im Sinne von Offenheit und guter Integration tut“, ärgerte sich Hartmann. Es sei erschreckend, dass es trotzdem Menschen gebe, denen die sittliche Reife zu fehlen scheine. „Ich hoffe wieder auf einen schnellen Fahndungserfolg. Wehret den Anfängen“, fügte Hartmann hinzu. Bei dem Vorfall, der Wohratal im Januar überregional in die Schlagzeilen brachte, handelt es sich um den Angriff auf das Gebäude des Asylbewerberheimes in Wohra vom 13. Januar. Vier Männer im Alter zwischen 19 und 20 Jahren aus Wohratal und Kirchhain hatten dort massiv randaliert. Nachdem sie der Staatsschutz ermittelt hatte, legten sie Geständnisse ab.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage vor dem Jugendgeschöffengericht Marburg erhoben und zwar wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Den Vorwurf des Landfriedensbruches hat die Ermittlungsbehörde nicht aufrechterhalten. Hinweise auf eine politisch motivierte Tat hätten sich nicht gefunden, erläuterte gestern Annemarie Petri, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft.

Die Anklage geht davon aus, dass die Idee, das Gebäude des Asylbewerberheimes zu attackieren, nach einer spontanen Geburtstagsfeier entstanden ist. Die Männer zogen zu dem Asylbewerberheim und verbreiteten Angst und Schrecken unter den seinerzeit 50 Bewohnern. Jalousien wurden beschädigt, die Haustür sowie neun Türen im Inneren des Gebäudes eingetreten. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage allein von einem materiellen Schaden von rund 10000 Euro aus. Es ist nun Sache des Gerichts, die Anklageschrift zuzulassen und einen Verhandlungstermin anzuberaumen.

Gegen einen der vier Männer läuft weiterhin ein separates Ermittlungsverfahren der Polizei. Er soll im November vergangenen Jahres dabei gewesen sein, als vor dem Asylbewerberheim aus einem Auto rechte Parolen gerufen worden sein sollen. „Diese Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, erklärt Annemarie Petri.

Nach dem Angriff auf das Asylbewerberheim hatte es in Wohratal eine Solidaritätswelle gegeben. Aus ihr heraus entstand der „Runde Tisch“, der zahlreiche Angebote und Initiativen entwickelt hat, um die Situation der Asylbewerber zu verbessern (die OP berichtete mehrfach).

Hinweise zu dem Vorfall von Freitagabend bitte an den Staatsschutz, Telefon 06421/406.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Nazi-Parolen gerufen
Rechtsradikale sind nicht immer gleich erkennbar - Springerstiefel und Hakenkreuze tragen nur wenige. Der Vorfall vom Freitag zeigt allerdings, dass es auch unter scheinbar "normalen" Bürgern rechte Vorurteile oder Überzeugungen gibt.

Am Freitagabend hat eine Gruppe von bis zu fünf Jugendlichen im Gendalweg in Wohratal Naziparolen gerufen. Die Polizei hat jetzt zwei mutmaßliche Täter ermittelt.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Ostkreis