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Junge Frau fühlte sich zum Sex genötigt

Aus dem Gericht Junge Frau fühlte sich zum Sex genötigt

Ein 27-Jähriger soll seine Ex-Freundin laut Anklage zweimal sexuell genötigt und sie nach der Trennung verfolgt und bedrängt haben. Vor dem Landgericht war nun der Prozessauftakt.

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Stadtallendorf. Die junge Frau sitzt zusammengekauert auf dem Zeugenstuhl. Sie blickt auf den Boden, und für einen Moment ist es erdrückend still im Schwurgerichtssaal. Dann hebt die 26-Jährige ihren Kopf und erzählt auf Nachfrage des Richters stückweise von den Vorfällen, die die Erste Strafkammer des Landgerichts nun aufzuklären versucht.

„Er wollte Geschlechtsverkehr, aber mich hat das nur noch angewidert“, sagt die Nebenklägerin mit leiser, zittriger Stimme. Mit „er“ meint sie ihren Ex-Verlobten, den Angeklagten, der der sexuellen Nötigung in zwei Fällen sowie der Nötigung beschuldigt wird.

Beziehung am Anfang "ganz normal"

Am Anfang, so berichtet die Frau gegenüber Richter Gernot Christ, sei die siebenjährige Beziehung der beiden noch „ganz normal“ gewesen. Doch schon nach kurzer Zeit habe ihr eifersüchtiger Lebensgefährte angefangen, sie zu kontrollieren und den Kontakt zu Freunden zu unterbinden.

Zudem habe er dem Jugendamt erzählt, ihre Eltern würden sie regelmäßig schlagen. Diese Behauptungen seien aus der Luft gegriffen gewesen, meint die Frau, und doch habe sie das Vorkommen solcher Vorfälle beim Amt bestätigt. Warum, das wisse sie heute nicht mehr. Sie schien dem Angeklagten mit ihrer schwachen Persönlichkeit komplett untergeben zu sein.

Der Beschuldigte selbst beschreibt den Verlauf der Beziehung derweil auf eine ganz andere Art. Das Verhältnis sei ausnahmslos „harmonisch und sehr schön“ gewesen. Er habe nicht das Gefühl, jemals irgendetwas falsch gemacht zu haben.

Angeklagter wirkte aufgewühlt

Insgesamt wirkt der 27-Jährige während seiner Aussage extrem aufgewühlt. Er betont mehrfach, aus Aufregung in der Nacht zuvor nur etwa zweieinhalb Stunden geschlafen zu haben und bittet für jeden kleinsten Versprecher um Verzeihung beim Gericht.

Damals, so schildert er, habe er selbst mitbekommen, wie die Eltern der Nebenklägerin ihrer Tochter mehrfach ins Gesicht geschlagen hätten. Und seine Ex-Verlobte sei daraufhin aus freien Stücken zum Jugendamt gegangen.

Welche Version der Vorgeschichte auch stimmen mag: Letztendlich kam die Nebenklägerin im späten Teenager-Alter zu Pflegeeltern. Später nutzte sie betreutes Wohnen, ehe sie mit ihrem Freund zusammenzog.

Zu seinem Kontrollwahn hätten fortan auch Handgreiflichkeiten gehört, berichtet die Frau. Kollegen an der Arbeit hätten sich besorgt wegen ihrer Verletzungen erkundet, die sie aber mit verschiedenen Ausreden immer wieder heruntergespielt habe. Eigentlich habe sie auch gar nicht mehr mit ihrem aggressiven Verlobten zusammenleben wollen. Und dann sei der Herbst 2010 gekommen - und damit die eingangs angedeutete Situation.

"Ich habe versucht, ihn wegzustumpen, hatte aber keine Kraft mehr"

Es sei schon später Abend an einem nicht mehr ganz genau bestimmbaren Tag gewesen, erklärt die Frau: Das Paar habe sich auf der Couch seiner Zwei-Zimmer-Wohnung in Stadtallendorf, in der die Mutter des Angeklagten das Schlafzimmer nutzte, schlafen legen wollen, als der 27-Jährige sie „angebaggert“ habe. „Ich wollte das nicht mehr. Da hat er mich mit der einen Hand am Hals festgehalten, mit der anderen meine Hose ausgezogen. Ich habe versucht, ihn wegzustumpen, hatte aber keine Kraft mehr. Dann ist es passiert.“ Bis zum Ende des Jahres habe sich dies in ähnlicher Weise noch zwei- oder dreimal wiederholt, ergänzt die 26-Jährige. „Da habe ich es aber von Anfang an zugelassen.“

Die Frau kam in der Folge in eine Klinik, wog zwischenzeitlich nur noch 44 Kilogramm. Dort machte sie dann auch telefonisch mit dem Angeklagten Schluss und ließ ihre Sachen von der Polizei bei ihm abholen.

„Ich habe keine Taten begangen. Ich kann auch nicht so richtig verstehen, warum es überhaupt zu der Verhandlung gekommen ist“, sagt derweil der Angeklagte, der aktuell in Marburg wohnt, „ich habe es immer akzeptiert, wenn sie keinen Sex wollte.“ Er wisse auch bis heute nicht, warum sich seine frühere Verlobte schließlich von ihm getrennt habe.

Staatsanwältin Annemarie Petri äußerte sich noch relativ zurückhaltend zu den jeweiligen Aussagen: „Die Beweissituation ist problematisch, weil zu den Taten kein neutraler Zeuge anwesend war.“ Deshalb müsse man die kommenden Verhandlungstage abwarten. Heute ab neun Uhr werden im Schwurgerichtssaal Zeugen aus dem näheren Umfeld der beiden vernommen.

von Yanik Schick

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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