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Junge Flüchtlinge bekommen erste Hilfe

Clearingstelle geplant Junge Flüchtlinge bekommen erste Hilfe

In ein zum Verkauf stehendes Gebäude in Halsdorf könnten bald Kinder und Jugendliche einziehen, die alleine aus ihren Heimatländern geflohen sind. Das plant der Kreis als Jugendhilfeträger.

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In Halsdorf könnte ein erster Anlaufpunkt, eine „Clearingstelle“, für junge, unbegleitete Flüchtlinge entstehen. Sie bleiben dort bis zu sechs Wochen.

Quelle: Tobias Hirsch

Halsdorf. Die offizielle Bezeichnung der in Halsdorf geplanten Einrichtung lautet „Clearingstelle“. Dorthin wird der Kreis Kinder und Jugendliche bringen, die allein aus ihren Heimatländern fliehen müssen. Im Bürokratendeutsch heißen sie „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (umF abgekürzt). Diese Menschen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren sollen nicht in die großen Erstaufnahmeeinrichtungen, schließlich brauchen sie auch eine besondere Betreuung.

Die bekämen zwischen 18 und 24 von ihnen in der Zukunft in Halsdorf. Dort bleiben die jungen Flüchtlinge, so das Konzept der Clearingstelle, bis zu sechs Wochen. Danach werden sie auf geeignete Wohngruppen in ganz Hessen verteilt. Solche Wohngruppen für junge Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern unterwegs sind, gibt es auch im Landkreis.

Dabei gilt ein sehr gutes Verhältnis zwischen der Zahl der Betreuer und den Jugendlichen. Auf einen Betreuer kommen zwei junge Flüchtlinge.

Betreiber einer Clearingstelle in Halsdorf wäre eine gemeinnützige GmbH im Auftrag des Landkreises. Es geht um das Unternehmen „Social Services“, mit dem der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales zusammenarbeitet.

Entscheidung noch nicht abgeschlossen

Für den Landkreis bestand schnell Handlungsbedarf. Darum sei sie auch dankbar, dass es dem zuständigen Fachbereich gelungen sei, „dieser Herausforderung so schnell zu begegnen“, sagt Landrätin Kirsten Fründt. Ob die neue Clearingstelle tatsächlich nach Halsdorf kommen wird, ist aber noch nicht abschließend entschieden. Aktuell prüft die Brandschutzaufsicht wie auch die Heimaufsicht das in Frage kommende Gebäude in Halsdorf. Formal gelten für eine Clearingstelle die gleichen rechtlichen Grundlagen wie für jede andere Jungendhilfe-Einrichtung. Ist von dieser Seite alles in Ordnung und werden sich Verkäufer und die gemeinnützige GmbH einig, dann kauft „Social Services“ das Haus.

Die Gemeinde Wohratal hat keinen Einfluss auf das Verfahren, der Gebäudekauf ist Privatangelegenheit. Planungsrechtlich müsste der Gemeindevorstand der Nutzungsänderung zustimmen, also das Einvernehmen erteilen. Dennoch war die Gemeinde seit Ende der ersten Augustwoche in die Überlegungen natürlich eingebunden, wie Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) im Gespräch mit der OP erläuterte. Es gab einen Ortstermin, der um den Kreis der Fraktionsvorsitzenden erweiterte Gemeindevorstand hat gemeinsam beraten. Hartmann macht klar, dass alle bisher eingebundenen Vertreter der Gemeinde einer solchen Clearingstelle in Halsdorf sehr offen gegenüberstehen. „Es ist auch schon ehrenamtliches Engagement angeboten worden“, freut sich der Wohrataler Bürgermeister.

Das wird seitens des Landkreises grundsätzlich begrüßt und unterstützt: „Freizeitgestaltung und eine freundliche und zugewandte Aufnahme durch die Menschen im Ort ist wichtig“, betont Dr. Markus Morr, Sprecher der Kreisverwaltung. In Wohratal gibt es bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten eine größere, privat betriebene Unterkunft für Asylbewerber mit rund 50 Bewerbern. Ein ehrenamtlicher Arbeitskreis Asyl begleitet und unterstützt die Menschen, die dort leben. Es gibt bereits Überlegungen, auch in Halsdorf einen „runden Tisch“ für die neue Clearingstelle einzurichten.

Scheufler: „Diese jungen Menschen müssten bei uns dann erst einmal zur Ruhe kommen“

Beschließen wird das Gemeindeparlament zwar nichts. In der Sitzung am 8. September kommen allerdings Vertreter der Kreisverwaltung wie auch des Betreibers „Social Services“ nach Halsdorf, um über die Clearingstelle zu berichten.

Bürgermeister Hartmann hofft auf viele Besucher bei dieser Parlamentssitzung im Treffpunkt Halsdorf, damit sich Bürger selbst informieren könnten. Landrätin Kirsten Fründt verweist auf die Herausforderungen durch die Flüchtlingsströme für alle staatlichen Ebenen. „Daher bin ich auch sehr dankbar dafür, dass wir auf eine so breite Unterstützung der Halsdorfer Bürger bauen können“, betont sie aufgrund der bisherigen Rückmeldungen.

In Halsdorf mit rund 900 Bewohnern ist der Plan für eine Clearingstelle bereits Gesprächsthema, wie Ortsvorsteher Hans-Georg Scheufler bestätigt. „Was sollte ich dagegen haben?“, bezieht Scheufler Position und stellt auch gleich klar, dass der Verkauf des in Frage kommenden Gebäudes zunächst eine reine Privatsache sein werde. Es gebe Stimmen in Halsdorf, die der Einrichtung positiv gegenüberstehen. Andere Stimmen sähen eine solche Clearingstelle zunächst etwas „kritischer“.

Ausdrücklich begrüßt der Ortsvorsteher die geplante intensive Betreuung durch Sozialarbeiter. „Diese jungen Menschen müssten bei uns dann erst einmal zur Ruhe kommen“, sagt er.

von Michael Rinde

Clearingstelle
Die Zahl der unbegleiteten jungen, minderjährigen Flüchtlinge insbesondere aus Kriegs- und Krisengebieten steigt stetig. Zunächst muss das Schicksal der minderjährigen Flüchtlinge geklärt werden. Das ist eine Hauptaufgabe der Clearingstellen, versuchen zunächst, Kontakt mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten der jungen Flüchtlinge aufzunehmen. Ihre Bewohner erhalten ersten Deutschunterricht und werden vor allem betreut. In Hessen gibt es diese Stellen bisher in Gießen und Frankfurt.
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