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Jugendkoordinator soll Geld bekommen

Ehrenamt? Jugendkoordinator soll Geld bekommen

Es findet sich niemand, der die vielfältigen Aufgaben eines Koordinators für die Jugendfußballer der Großgemeinde Amöneburg übernehmen will. Nun plant die Stadt, mit Geld zu locken.

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Die Jugendspielgemeinschaft der Amöneburger Vereine – hier in Aktion: Jonas Kockskaemper aus der G-Jugend bei einem Turnier in Kirchhain – benötigt einen Koordinator. Archivfoto: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Amöneburg. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg ist sich durchaus bewusst, dass sein Vorhaben ungewöhnlich ist. „Wir durchbrechen das System der Ehrenamtlichkeit“, kommentiert er den Plan, einem Koordinator für die Fußballjugend eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 Euro monatlich zu bezahlen. Allerdings finde sich niemand, der den Posten dauerhaft übernehmen wolle. Das Problem trat nach dem Rückzug von Reinhard Morneweg auf, der die Jugendspielgemeinschaft jahrelang geleitet hatte. Die fünf Fußballvereine der Großgemeinde beschlossen im Dezember 2013, die Lücke im jährlichen Wechsel zu füllen - 2014 waren Andreas Greb und Otto Schick vom SV Mardorf kommissarische Jugendleiter, in diesem Jahr ist es Matthias Hahne vom RSV Roßdorf, im kommenden Jahr wäre der TSV Amöneburg an der Reihe. Kassierer ist seit Februar Florian Kraus vom RSV Roßdorf, sein Vorgänger war Jonathan Boltner, der fünf Jahre lang im Amt war.

Die Stadt hatte Morneweg im vergangenen Jahr rückwirkend mit dem „Anerkennungspreis für besondere Aktivitäten und Leistungen in der Jugendarbeit“ ausgezeichnet. Daher fühle er sich ein bisschen verpflichtet, sich für die JSG einzusetzen - die schließlich auch 150 Kinder aus den fünf Stadtteilen beziehungsweise Vereinen betreue und auch Netzwerkarbeit leiste, sagt der Rathauschef. Zunächst habe er eine Umbenennung von „JSG Mardorf“ in „JSG Stadt Amöneburg“ angeregt, die zwar noch nicht beschlossene Sache ist, aber wohl umgesetzt wird. Als nächstes gelte es, das Problem um das Amt des Koordinators anzugehen.

Vereine wechseln sich ab

Die rotierende Geschäftsführung sei allenfalls eine Notlösung. Die JSG laufe Gefahr, dass sich die Strukturen verschlechterten und immer mehr Kinder zu anderen Teams abwanderten. Entsprechend gelte es zum einen, den Posten dauerhaft zu besetzen, um Konstanz zu gewährleisten. Zum anderen müsse die Aus- und Weiterbildung der Trainer gewährleistet sein. Daher sollen die Stadtverordneten Veränderungen bei den Richtlinien der Vereinsförderung absegnen. Die Kosten für die Jugendleiterausbildung übernimmt die Stadt weiterhin komplett - dies soll aber künftig auch für ähnliche Qualifikationen gelten. Den Passus, der besagt, dass sie eventuell von Vereinen gezahlte Aufwandsentschädigungen mit zehn Prozent bezuschusst, will sie mit einer extra für die JSG entworfenen Einzelfallregelung versehen -in der auch die 200 Euro festgehalten sind.

„Der Posten ist so anspruchsvoll, dass ihn niemand übernehmen will“, erklärt Richter-Plettenberg. Eine Gefahr, dass andere Vereine ebenfalls Geld für das Ehrenamt einfordern könnten, sieht er nicht. Im Haupt- und Finanzausschuss herrschte Einigkeit: Die fünf Mitglieder sprachen eine Empfehlung für den Magistratsantrag aus. Hartmut Weber (AWG) sprach von einer tollen Idee, die Nachwuchsförderung zu unterstützen. Jan-Gernot Wichert (CDU) sagte sogar, dass angesichts der Aufgabenvielfalt 2400 Euro im Jahr fast schon zu wenig seien.

Matthias Hahne, der derzeit den Posten bekleidet, berichtet, dass die JSG ob der Problematik in den vergangenen Jahren nur mit „Ach und Krach“ über die Runden komme - es aber wichtig sei, das Angebot dauerhaft zu sichern. Auch er sprach von einem arbeits- und verwaltungsintensiven Posten, der zudem verlange, den Spagat zwischen Verwaltungsarbeit und sportlicher und konzeptioneller Arbeit zu bewältigen. Wichtig sei auch eine hohe Präsenz bei Trainingseinheiten und Spielen, um als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Bisher gehörte zu den Aufgaben unter anderem, den Spielbetrieb aller Jugendmannschaften zu koordinieren, Nachwuchs zu werben oder sich um die Trainer zu kümmern. Künftig soll der Koordinator die JSG auf Sitzungen und bei anderen Terminen vertreten, den Kontakt zur Gemeinde oder den Gewerbetreibenden halten, den Schriftverkehr pflegen und vieles mehr. Die Vereine sind derzeit damit beschäftigt, ein konkretes Profil zu entwickeln.

Über das Anliegen des Magistrats muss am Montag (19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Roßdorf) die Stadtverordnetenversammlung entscheiden.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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