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Jugendarbeit ist Stadt jeden Cent wert

Jugendpflege Jugendarbeit ist Stadt jeden Cent wert

Neustadts Jugendliche fühlen sich ernst genommen, das Freizeitangebot für sie hat zu-, die Sachbeschädigungen im Park haben abgenommen. Die professionelle Jugendarbeit trägt Früchte.

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Das Zusammenbringen verschiedener Generationen ist ein wichtiger Bestandteil des Angebots, das die Jugendpflege um Anika Leineweber und Sebastian Habura in den Ferien macht. Fotos: privat, Lerchbacher

Neustadt. "Für uns ist die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem bsj ein Segen“, freut sich Hartmut Boß, der Leiter der Martin-von-Tours-Schule (MvTS), über die vor etwas mehr als einem Jahr umstrukturierte Jugendarbeit. Seitdem ist der Marburger Verein bsj in der Verantwortung, allerdings greifen verschiedene Zahnräder ineinander: Sebastian Habura und Anika Leineweber kümmern sich als Stadtjugendpfleger um die Jugendräume und das Freizeit- und Ferienangebot (zum Beispiel mit abenteuerpädagogischen Exkursionen mit Bildungsanspruch). Gleichzeitig sind sie über das Projekt „Lebensweltbezogene Schulsozialarbeit“ an der MvTS tätig - die Kosten dafür trägt der Landkreis. Dort organisieren sie Klassenfindungstage, bieten Sportkurse an, kümmern sich um die pädagogische Mittagsbetreuung und stehen den Kindern und Jugendlichen vor allem als Ansprechpartner zur Verfügung.

„So lernen unsere Schüler die Menschen, die Betreuungsarbeit leisten, schon früh kennen und können Vertrauen aufbauen“, sagt Boß und hebt hervor, dass die Kinder und Jugendlichen sich ernst genommen fühlen und jemanden haben, mit dem sie vertrauensvoll reden können - sowohl über ihre Freizeitgestaltung, vor allem aber auch über Probleme in Schule, Familie oder Freundeskreis.

„Ansprechpartner für Jugendliche sind wichtig - es kann aber nur funktionieren, wenn sie auch in die kommunale Arbeit eingebunden sind“, betont Jochem Schirp, der Geschäftsführer des bsj. „Habura und Leineweber sprechen die Sprache der Jugendlichen, wissen aber gleichzeitig, sich Respekt zu verschaffen“, ergänzt Bürgermeister Thomas Groll und freut sich über gelungene Integrationsarbeit, das vergrößerte Freizeit- und Ferienangebot und den „Rückgang des Rowdytums“.

„Die jungen Menschen nutzen ihre Energie anderweitig. Sie haben nicht mehr das Bedürfnis, Dinge kaputtzumachen“, kommentiert Boß und lobt das enge Verhältnis, das die Jugendpfleger zum Nachwuchs haben.

60000 Euro zahlt die Stadt jährlich an den bsj. Zunächst ist das Projekt auf drei Jahre angesetzt, es besteht aber die Möglichkeit der Verlängerung um zwei Jahre - eine Option, die Groll in jedem Fall ziehen will. „Wir müssen die Kosten in Relation zum Gesamtvolumen des Haushaltes setzen“, erklärt er. „Alles in allem 70000 Euro“ seien im Vergleich zu zwölf Millionen Euro ein Klacks: „In Kindergärten stecken wir jährlich 900000 Euro. Da sollten uns die Jugendlichen die vergleichsweise kleine Summe wert sein“, sagt der Bürgermeister, dem Schirp beipflichtet: „Die Fokussierung auf den Kinderbereich hat dazu geführt, dass die Jugendarbeit vielerorts aus dem Blick geraten ist. Das ist eigentlich nicht zu vertreten.“ Für Groll ist dabei wichtig, dass die Arbeit in professionellen Händen liegt: „Wir haben es über das Ehrenamt versucht, aber das hat nicht geklappt.“

„Ja, die Jugendarbeit lohnt sich. Sie lohnt sich auch schon, wenn nur der ein oder andere, der durch unser Netz fallen würde, dazu gebracht wird, Strukturen zu erlernen, um Arbeiten zu gehen oder sein Leben zu strukturieren“, ergänzt der Schulleiter.

Habura plant für ie Zukunft, „bei den Eltern bekannter zu werden“. Aus diesem Grund will die Stadtjugendpflege Anfang Dezember einen Tag der offenen Tür mit Weihnachtsfeier veranstalten. „Damit möchten wir über uns, unsere Einrichtung und unsere Arbeit informieren. Die Eltern sollen uns kennenlernen und Vertrauen finden, damit mehr Kinder unsere Angebote wie Mehrtagesfahrten wahrnehmen können.“

Die Stadt plant derweil, das Außengelände des Neustädter Jugendraums umzugestalten, Sitzmöglichkeiten und eine Grillecke einzurichten und einen Basketballkorb aufzustellen. Auch die Schule will ihr Angebot für Jugendliche verbessern und auf dem Hof in der Querallee Elemente eines Skaterparks aufzustellen.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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