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Jüdisches Leben zeigt sich in neuen Synagogen

Ausstellung Jüdisches Leben zeigt sich in neuen Synagogen

Die Ausstellung „Gebauter Aufbruch - neue Synagogen in Deutschland“ bezeugt ein zurückgekehrtes Selbstvertrauen jüdischer Gemeinden nach Reichspogromnacht und der Shoah, der Judenvernichtung durch die Nazis.

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Stadtallendorf. Sie ist eine vierwöchige Leihgabe des Zentrums für Baukultur Rheinland-Pfalz und ab sofort im Dokumentations- und Informationszentrum/Stadtmuseum (DIZ) Stadtallendorf zu sehen. Am Donnerstagabend wurde sie eröffnet. Sie zeigt, das sich jüdisches Leben in Deutschland nach 1945 langsam wieder entwickelt und auch in anspruchsvollen, ausdrucksstarken Synagogenneubauten manifestiert. Die Ausstellung „Gebauter Aufbruch“ lässt aber auch einen kleinen Blick darauf zu, was diesem Land mit der Reichspogromnacht 1938 an historischer Baukunst verlorengegangen ist. Neben einigen Tafeln, die die Synagogenneubauten zeigten, sind Bilder ihrer historischen Vorläufer aus den jüdischen Gemeinden zu sehen.

Bei der Eröffnung vor zahlreichen Gästen erinnerte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) zunächst an jüdische Schicksale aus der Region im November 1938, etwa an Julius Höxter oder Hermann Krämer, Opfer jener Schreckenstage. Er erinnerte auch an die 1847 erbaute Schweinsberger Synagoge, zerstört im Umfeld der Reichspogromnacht. „Ein wertvolles Gebäude verschwand aus dem Bewusstsein“, unterstrich Somogyi. Zumindest die Stadt verfüge über kein historisches Foto der Synagoge. Seine Informationen gingen auf eine Dokumentation Stadtallendorfer Schüler aus dem Jahr 2010 zurück.

Dr. Monika Hölscher vom Gedenkstättenreferat der Landeszentrale für politische Bildung, konfrontierte ihre Zuhörer mit einigen Fakten zu jenen verhängnisvollen Novembertagen im Jahr 1938: Im Jahr 2010 wurden in der Bundesrepublik Deutschland 95 Synagogen und 33 jüdische Gebetssäle gezählt; im Jahr 1938 waren es 2800.

Hölscher begrüßte es, das Neubauten jüdischer Synagogen mehr und mehr aus ihrem Hinterhof-Dasein in Deutschland wieder heraustreten. Und sie erinnerte an einen Satz von Salomon Korn aus dem Jahr 1986: „Wer ein Haus baut, will bleiben“, lautete er schlicht. Korn, seinerzeit Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Frankfurt und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sprach bei der Eröffnung des neuen jüdischen Gemeindezentrums in Frankfurt.

Hermann-Josef Ehrenberg, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Baukultur Rheinland-Pfalz übernahm es, den ersten Besuchern die eigentliche Ausstellung näherzubringen. Für ihn sind die jüngeren Synagogen-Neubauten dabei eine gelebte Dokumentation der Religionsfreiheit. Zugleich stellte Ehrenberg heraus, dass es bei den Neubauten keinen einheitlichen Architekturstil gibt. Zeigten sich bei den von Nazis zerstörten historischen Synagogen maurische, gotische und weitere verschiedene baugeschichtliche Einflüsse, so stehen die großen Synagogen in Mainz, Dresden oder Frankfurt eher für sich alleine.

Aus Sicht Ehrenbergs wie auch Hölschers zeugen diese Neubauten vom wachsenden Selbstbewusstsein jüdischer Gemeinden in Deutschland.

Die Tafeln der Ausstellung sind im Dokumentations- und Informationszentrum ausgestellt. Beim Rundgang erinnerte DIZ-Leiter Fritz Brinkmann-Frisch aber auch daran, dass fast alle jüdischen Gotteshäuser in der Gegenwart unter Polizeischutz stehen, dass Universitäts-Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung von einem zu großen jüdischen Einfluss sprechen.

Die Eröffnungsveranstaltung stand musikalisch unter einem sehr guten Stern. Dem Duo Santiago gelang es auf eindrückliche und leidenschaftliche Art und Weise, die Veranstaltung mit passender Musik zu untermalen.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Gebauter Aufbruch - neue Synagogen in Deutschland“ gastiert bis 2. Dezember im DIZ. Sie ist während der üblichen Öffnungszeiten, außerdem an den Sonntagen 10., 17. und 24. November und 1. Dezember von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Um 16 Uhr findet an diesen Sonntags-Terminen eine Führung statt.

von Michael Rinde

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