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Jubelfeier fällt Sperrung zum Opfer

Trauer Jubelfeier fällt Sperrung zum Opfer

Bereits seit dem Jahr 2011 wissen die Mardorfer, dass die Kellmark-Kapelle dringend saniert werden muss. Nun, im Jahr ihres 100-jährigen Bestehens, ist sie geschlossen - eine Verlegung der Jubiläumsfeier scheint unumgänglich.

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Ein Schild am Eingang der Kellmark-Kapelle weist auf die Einsturzgefahr hin. An der Decke im Hintergrund sind deutliche Risse zu erkennen.Foto: Florian Lerchbacher

Mardorf. „In den vergangenen 50 Jahren ist nichts passiert. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass etwas runterfällt - dennoch hat der Verwaltungsrat aus Sicherheitsgründen die Entscheidung getroffen, die Kapelle vorübergehend zu schließen“, erklärt Pfarrer Günter Wondrak auf Nachfrage dieser Zeitung.

Seit rund einem halben Jahr ist der Zugang zu der beliebten Kapelle am Orts- und Waldrand verboten. Schäden am Dachstuhl und am Gewölbe sowie Risse im Mauerwerk sind Schuld daran. „Wir wussten seit einigen Jahren, dass die Kapelle renovierungsbedürftig ist“, gibt Wondrak zu und ergänzt: „Erstmal stand für uns die Kirche, der Turm und die Sakristei im Vordergrund.“

Seit einem Jahr beschäftige sich der Verwaltungsrat der Kirchengemeinde St. Hubertus intensiver mit der Kapelle: „Es stellte sich heraus, dass die Schäden größer als gedacht sind. Statische Untersuchungen haben gezeigt, dass das Gewölbe nicht mehr sicher ist“, berichtet der Pfarrer. Beispielsweise neige sich der Turm vom Gebäude weg. So entstünden Risse, die nun unter Beobachtung stehen. Ziel sei es, diese zu „verpressen“, also mit Kunstharz zu füllen, um das Problem in den Griff zu bekommen, erläutert Wondrak und bezeichnet es als „bedauerlich“, dass die Gemeinde die Jubiläumsfeier anlässlich des 100-jährigen Bestehens höchstwahrscheinlich um mindestens ein Jahr verschieben muss.

Denkmalamt und das bischöfliche Bauamt hätten sich das Gebäude angeschaut: „Seitdem herrscht etwas Stillstand“, sagt der Pfarrer. Ein Problem seien natürlich auch die Finanzen: Die Kirchengemeinde rechne mit Kosten in Höhe von 100000 Euro - und selbst die abgespeckte Sanierungsversion belaufe sich auf rund 30000 Euro. Mit einem größeren Zuschuss aus Fulda könne die Mardorfer Kirchengemeinde nicht rechnen, „weil die Kapelle keine ständig genutzte Kirche ist“, erläutert Wondrak.

Verzögerungen und das Geld -das sind zwei Punkte, die schon in der Anfangszeit einen gewichtigen Einfluss auf die Geschichte der Kapelle hatten: Schon im Jahr 1728 gab es in Mardorf erste Gedanken, auf dem „Kermerg“, wie es im Dialekt heißt, eine Kapelle zu errichten. Es sei ein Ort, „an dem die Mardorfer schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts zur heiligen Maria beteten“ - so heißt es in einem Beitrag, den Otmar Schick in der neuesten Ausgabe der Mardorfer Zeitzeichen veröffentlicht hat. Die offenbar tief verankerte Volksfrömmigkeit, die mit diesem Ort verbunden war, habe dann 1728 dazu geführt, dass Johannes Linne eine heilige Messe und eine Prozession stiftete, die am 2. Juli - dem Tag, an dem das Fest Mariä Heimsuchung gefeiert wurde - zum Kellmark führte.

Eine zweite Offensive startete Pfarrer Hohmann im Jahr 1854. Zum Bau der Kapelle kam es aber erst im 20. Jahrhundert. Pfarrer Eugen Schlitt hatte sich 1908 an die Spitze der dörflichen Bestrebungen gesetzt -und weihte die Kapelle 1914 ein. Allerdings waren die Kosten doppelt so hoch wie die ursprünglich geplanten 7000 Mark.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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