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Jubel der Massen lässt Schmerzen vergessen

Stadtallendorf Jubel der Massen lässt Schmerzen vergessen

Steffen Borger ist einer von 25 Stadtallendorfer Soldaten, die in rund zehn Tagen am Nimwegen-Marsch in Holland teilnehmen. Vier Tage dauert die Veranstaltung, zu der rund 40.000 Wanderer erwartet werden. Dort gilt es dann, täglich 40 Kilometer mit 10 Kilo Marschgepäck auf dem Rücken hinter sich zu bringen. „Ab Kilometer 30 fragt man sich manchmal, warum man sich das antut. Sobald die Ziellinie überschritten ist, weiß man es wieder, denn es kommt ein Gefühl des Stolzes auf die Leistung auf, und eine Last fällt ab“, erklärt Oberleutnant Tobias Ehlke, der die Gruppe anführt.

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Stadtallendorf. Die richtige Vorbereitung ist alles, ergänzt er. Seit Mai bereiten sich die Soldaten auf das Großereignis vor. Die Strecken, die sie im Training zurücklegen, werden von Woche zu Woche länger. Langsam haben sie sich an die 40-Kilometer-Marke herangetastet und bei Märschen in Luxemburg und Dänemark auch schon erreicht. Die körperliche Belastung ist hoch, davon können die Teilnehmer ein Lied singen – meist schmettern sie zur Ablenkung von den Schmerzen Wander- und Soldatenieder. Nur einmal streikte der Körper eines Soldaten während eines Marschs: Nach einer kurzen Pause raffte er sich aber wieder auf, schließlich hatte er ein Ziel vor Augen.

Die Ziellinie überschritten hatte Steffen Borger bereits, dann kam der K.o.: Nach jedem Marsch erhalten die Wanderer ein Abzeichen – die Überreichung dauert rund 15 Minuten, während denen die Soldaten still stehen müssen. „Ich merkte, es stimmt etwas nicht. Ich sah nur noch Silhouetten, es wurde immer heller, dann meldete ich mich noch ab und klappte wie ein Kartoffelsack zusammen“, erinnert er sich. Das nächste, was er mitbekam, war der „Kampfschrei“ der Stadtallendorfer Wandersgruppe: „Schmerz frei.“ Ein Grund, aufzugeben, war sein Zusammenklappen aber nicht: „Niemand ist unfehlbar. Das gehört dazu.“

„Es ist wichtig, sich während des Wanderns auf etwas zu konzentrieren“, sagt Oberfeldwebel Markus Kanzliersch, der im Jahr 2003 schon am Nimwegen-Marsch teilnahm. Die Zuschauer an den Strecken sorgen für eine tolle Atmosphäre und jubeln den Wanderern zu: „Das macht Spaß, motiviert und spornt an, noch lauter zu singen“, berichtet er. In der Vorbereitung sieht dies jedoch anders aus. Besonders, wenn die Strecke geradeaus geht und die Natur wenig Abwechslung bietet, müssen Gespräche für Ablenkung sorgen. „Wir verbringen viel Zeit miteinander und sprechen über alles mögliche – die Gruppe ist schon genial“, sagt Obergefreiter Viktor Eli, der kurz nach der Grundausbildung zur Wandergruppe stieß. „Beim Wandern unterhält man sich über viele Dinge und kommt sich sehr nah – das schweißt zusammen. Wir sind inzwischen wie eine kleine Familie“, ergänzt Kanzliersch, der, trotz der hohen Belastung, die Alternative zum Alltag schätzt, sich auf den Nimwegen-Marsch freut und die Schmerzen der Vorbereitung gerne auf sich nimmt: „Das wird eine tolle Party.“

Nachdem die Soldaten am Montag 40 Kilometer zum See nach Niederweimar gewandert sind, warten heute noch einmal 30 Kilometer auf sie. Am Montag reist die Gruppe nach Ehra-Lessien und nimmt am Gifhorn-Tag teil, bei dem alle elf Gruppen der Bundeswehr, die in Nimwegen dabei sind, zwei Märsche über 20 Kilometer absolvieren. Eine Woche später beginnt die Veranstaltung in Holland. „Wir sind heiß darauf und wollen, dass es losgeht“, betont Ehlke.

von Florian Lerchbacher

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