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Jetzt ist die Natur gefordert

Altlastensanierung Jetzt ist die Natur gefordert

Anderthalb Jahre hat die Altlastensanierung in der Klein-Aue von der Baustelleneinrichtung bis zur Renaturierung des ökologisch wertvollen Gebietes gedauert.

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Das Gelände der Klein-Aue wurde aufwendig wiederhergestellt, einschließlich einer Wildschweinsuhle

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Alle Wald- und Radwege sind wieder offen, Hessen-Forst wird einige von ihnen in diesen Wochen noch einmal bearbeiten, um sie wieder ganz in den alten Zustand zu versetzen.

Ansonsten ist eines der letzten großen Altlasten-Sanierungsprojekte im Gebiet des früheren Sprengstoffwerkes der DAG abgeschlossen. Der Startschuss dafür war vor anderthalb Jahren gefallen. Vor wenigen Tagen haben die Aufsichtsbehörden, unter anderem des Regierungspräsidiums Gießen für das Land, das Vorhaben abgenommen.

Sogar Wildschweinsuhle ist wieder vorhanden

Nur wer die Baustelle aus der Nähe gesehen hat, weiß, was dort nach Abschluss der Sanierung geschafft wurde. Die ökologisch sensible und wertvolle Klein-Aue einschließlich des Gerinnes sieht wieder natürlich aus. Sogar die alte Wildschweinsuhle ist wieder vorhanden.

Alte Baumstümpfe ragen aus dem Boden, sie sind vor allem für Insekten wertvoll. Jetzt ist es an der Natur, sich das sanierte Gelände zurückzuholen. „Wir haben von den Behörden viel Anerkennung für die Wiederherstellung des Geländes bekommen“, sagt Projektleiter Zrinko Resic von der Him GmbH, dem Sanierungsträger im Auftrag des Landes in Stadtallendorf.

Manches bleibt von der Sanierung auch noch übrig und erkennbar. Das gilt beispielsweise für die Grundwasser-Überwachung und die Reinigungsanlage. Sie wird im nächsten Frühjahr noch modernisiert und an einen anderen Standort versetzt.

Besonderes Quartier für Hirschkäfer geschaffen

An einem Grundstück an den Fischteichen ragen sogenannte Lanzen in die Höhe. Sie sind für die Überwachung des Grundwassers nötig. Das Wasser im Untergrund soll sich nach dem Eingriff zunächst beruhigen.

Dann, in etwa einem Jahr, wird entschieden, ob eine Nachbehandlung nötig ist, etwa mit Injektionen, um Schadstoffe gezielt auszuspülen (die OP berichtete). Und noch etwas bleibt: In der Nähe jener Lanzen ist ein besonderes Quartier für Hirschkäfer geschaffen worden. Zwar kamen während der Arbeiten keine der in der Gegend beheimateten sehr seltenen Tiere dorthin.

Fast 7,5 Tonnen Schadstoffe aus dem Boden geholt

Doch das könnte sich ändern. Und das Hirschkäfer-Hotel stört auch niemanden. Auch die natürlichen Bachläufe haben die Altlastensanierer wiederhergestellt, teilweise besser als es vor dem Eingriff gewesen ist.

Was bleibt, ist die Bilanz des Vorhabens, und die ist beachtlich: Fast 7,5 Tonnen Schadstoffe sind aus dem Boden geholt und in Deutzen und Wabern vernichtet worden. Bei diesen Schadstoffen handelt es sich überwiegend um Nitroaromate, Vorprodukte aus der Sprengstoffproduktion vor mehr als 70 Jahren. Abwässer wurden seinerzeit mit Absicht oder fahrlässig in Gewässer geleitet. Die Gifte setzten sich im Boden ab.

Tiefere Eingriffe in den Boden erforderlich

Wie sich während der Arbeiten herausstellte, mussten die Sanierer dabei stellenweise wesentlich tiefer eingreifen als nach den Voruntersuchungen zu erwarten war. Statt in drei Metern Tiefe fanden sich teilweise auch in fünf Metern noch hohe Konzentrationen. Insgesamt mussten 32000 Tonnen Boden ausgetauscht werden. Am Anfang hatten die Experten mit einer Bodenmenge von 10000 Tonnen insgesamt gerechnet.

Bezahlt hat alles das Land Hessen, wie während der Arbeiten klar wurde, deutlich mehr als zunächst kalkuliert. Die Klein-Aue-Sanierung kostete am Ende noch einmal 8,8 Millionen Euro. Kalkuliert waren bei Beginn 3,6 Millionen Euro. Es gibt laut Resic, der die Nachfolge von Christian Weingran angetreten hat, noch einige wenige Objekte in Stadtallendorf, wo die Him noch sanieren wird.

von Michael Rinde

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