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„Jedes Ei hat so seine eigene Geschichte“

Ostermarkt „Jedes Ei hat so seine eigene Geschichte“

Eine Woche vor Ostern kauften viele Besucher des 36. Erfurtshäuser Ostereiermarktes bunt verzierte Eier bei den Ausstellern und informierten sich über Brauchtum.

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Mardorf. Das Faszinierende am 36. Erfurtshäuser Ostereiermarkt ist weniger die Tatsache, dass sich rund 1000 Menschen an nur einem Wochenende verzierte Eier anschauen. Solch hohe Zahlen ist der Veranstalter mittlerweile gewohnt. Nein, es ist vielmehr das Selbstverständnis, mit dem die Besucherscharen teils aus der Ferne ins Mardorfer Bürgerhaus kommen. Elfriede Tandler zum Beispiel war extra wegen des Marktes aus Kassel angereist. Jedes Jahr aufs Neue streicht sie sich diesen Termin im Kalender an. Aber weshalb? „Die Frage erübrigt sich von selbst“, erklärte sie, „es ist einfach eine Tradition. Alte Methoden und alte Muster werden angewendet. Jedes Ei hat so seine eigene Geschichte.“

Tandler selbst hatte zu diesem Zeitpunkt schon vier Exemplare erstanden. Eine dieser sehr beliebten Techniken stellte die Mardorferin Hildegard Kempf vor. Sie bemalt die Eier mit heißem Bienenwachs, färbt sie dann bunt und wischt anschließend die Wachsverzierungen wieder ab. Heraus kommt das oberhessische Wachsbatikei - eine selten gewordene Handwerkskunst, deren Brauch mehr als 200 Jahre zurückreicht. „Man erlebt kaum noch, dass Eier so bemalt werden“, erzählte Kempf mit Bedauern, „deshalb ist der Markt hier schon etwas Besonderes.“ Außer ihr präsentierten gleich vier andere Künstlerinnen aus Mardorf und Erfurtshausen die altertümliche Wachsbatik-Technik.

Als einziger Mann neben 29 Ausstellerinnen hatte derweil Rainer Grosa aus der Lausitz sorbische Kratzeier mitgebracht. Auch er kommt inzwischen schon seit 19 Jahren nach Mardorf, um Interessierte an seiner Arbeit teilhaben zu lassen.

„Mir macht’s halt einfach Spaß, mir kribbeln die Hände danach. Oft brauche ich das auch, um einschlafen zu können“, erklärte Grosa seine Leidenschaft. Die Ausstellung sei dabei tatsächlich die einzige, die er außerhalb seiner Region besucht. „Hier wird das Brauchtum dargestellt und nicht die Kunst am Ei.“

Für den Veranstalter, die Volkstanzgruppe aus Erfurtshausen, ist dies ein ganz wichtiger Punkt: Alte Traditionen sollen nicht in Vergessenheit geraten. „Wir wollen das fortführen, was unsere Eltern schon gemacht haben“, erklärte Thomas Gerlach von der Volkstanzgruppe im Gespräch mit der OP.

In diesem Jahr stellte die Volkstanzgruppe neben den Eiern auch verschiedenste Hauben aus (die OP berichtete am Samstag), die die Menschen früher zur Trachtenkleidung auf dem Kopf getragen hatten.

von Yanik Schick

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